21.01.13

Zehn Gründe

Warum die Briten in der EU bleiben sollten

Der britische Premier David Cameron tut es Margaret Thatcher nach und will in der EU mehr Rechte und weniger Pflichten durchsetzen. Geht das schief, droht ein EU-Austritt. Das wäre ein herber Verlust.

Von Tina Kaiser und Florian Eder

Margaret Thatcher konnte Abenteuerliches am Brüsseler Verhandlungstisch noch vergleichsweise einfach beenden: "Ich will mein Geld zurück", zeterte sie 1984 handtaschenschwingend, und sie bekam, was sie wollte.

Ihr politischer Nachfahre David Cameron will jetzt auch einmal auf den Tisch hauen. Der britische Premierminister fordert mehr Rechte und weniger Pflichten für sein Land.

Geht die Aktion schief, droht der sogenannte Brexit: der Austritt der Briten aus der Europäischen Union. "Die EU ohne Großbritannien wäre wie Fisch ohne Chips, das ist kein Essen", sagte Finnlands Premierminister Jyrki Katainen in dieser Woche. Nun kennt man in Brüssel durchaus Zubereitungsarten für Fisch, die ohne Pommes auskommen.

Trotzdem: Irgendwie wäre es nicht das Gleiche ohne die miesepetrigen Briten, finden wir.

Hier sind sie also: zehn Gründe, warum das Vereinigte Königreich in der EU bleiben sollte.

1. Die Briten granteln gern vom Seitenrand, fordern schnelle Lösungen in der Euro-Krise, wollen aber natürlich nicht zahlen. Das ist zwar lästig, aber lustig. Wer soll künftig sonst die Alten aus der Euro-Muppet-Show geben?

2. Auch für Cameron selbst wäre ein Austritt sehr ärgerlich. Schließlich könnte er künftig nicht mehr alle wirtschaftlichen Probleme seines Landes auf die EU schieben.

3. Luxusprobleme wie der Brexit sorgen für willkommene Ablenkung bei Korrespondenten und Lesern. Will man dauernd nur über Halbseidenes aus Südeuropa schreiben und lesen?

4. Kidney Pie, Black Pudding, Haggis und andere kulinarische Abartigkeiten können die Briten wirklich gern für sich behalten. Aber auch der schottische Whisky würde teurer, sollte Großbritannien nicht mehr beim europäischen Binnenmarkt mitmachen.

5. Ohne Großbritannien hätte sich Englisch nie als Amtssprache durchsetzen können. Nicht auszudenken, wenn die Briten uns verlassen. Müssen wir dann etwa alle Französisch lernen?

6. Britenrabatt hin oder her: Großbritannien ist einer der größten Nettozahler der EU. Wenn die Briten wegfallen, kann man sich denken, wer die Zeche übernehmen muss: wir.

7. Cameron beschwerte sich, dass 3000 EU-Bürokraten mehr als er verdienen. Das traut sich sonst keiner. Na ja, höchstens vielleicht Peer Steinbrück.

8. Frankreichs Blick auf die EU ist wie der aufs eigene Land – ein staatsgläubiger. Bei den Briten dagegen sind selbst die Sozis liberaler als unsere FDP.

9. Bei einem Brexit könnte Großbritannien nicht, wie geplant, im Jahr 2017 die EU-Ratspräsidentschaft antreten. Dabei freuen wir uns schon so auf sechs Monate labbrige Weißbrotscheiben mit Gurke und dick Mayo.

10. Ein bisschen Queen-Glamour haben wir uns verdient. Wer soll das sonst machen? Ein verkniffener Sozialist aus Paris? Ein alternder Pastor in Berlin? Ein Bunga-Bunga-Experte in Rom? Oder vielleicht ein Elefantenjäger aus Madrid?

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Luftgitarre Japanerin ist Air-Guitar-Weltmeisterin
Kubanische Moves 97-Jährige tanzt wild durch Havanna
Spitzenposition Donald Tusk wird neuer EU-Ratspräsident
Golanhöhen Philippinische UN-Blauhelmsoldaten frei
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. DeutschlandLandtagswahl SachsenLeitbild der AfD ist eine "rechte demokratische Politik"
  2. 2. Deutschland4,95 ProzentNPD verpasst Einzug in Sächsischen Landtag
  3. 3. DeutschlandParteivizeKubicki stellt der FDP eine erschütternde Diagnose
  4. 4. AuslandUkraine-KonfliktSteinmeier warnt vor Annexion einer "Krimbrücke"
  5. 5. AuslandRusslands PräsidentWladimir Putins gefährliches Bild von sich selbst
Top Bildershows mehr
Bürgermeister-Karriere

Klaus Wowereit und der Abstieg vom Gipfel

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Hinter den Kulissen

Tage der offenen Tür bei der Bundesregierung

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote