19.01.13

YouPorn

Porno-Imperium feuert Dutzende Mitarbeiter

Die Hamburger Manwin Germany GmbH, die zur Firmengruppe des YouPorn-Chefs Fabian Thylmann zählt, hat angeblich mindestens ein Drittel ihrer Belegschaft entlassen. Und zwar auf die harte Tour.

Foto: picture alliance / dpa

In der Pupille eines Internet Nutzers spiegelt sich die Darstellung einer spärlich bekleideten Frau
In der Pupille eines Internet-Nutzers spiegelt sich die Darstellung einer spärlich bekleideten Frau

Als das Telefon klingelt, ist schon klar, jetzt ist es vorbei. Die nächsten Schritte: hoch zum Chef, Kündigung abholen, Arbeitsplatz räumen. Und tschüss.

Dutzende Mitarbeiter der Hamburger Manwin Germany GmbH erlebten dieses Szenario am Dienstag. Eine Kündigungswelle rollte durch die Firma, die Teil des weltweiten Porno-Imperiums von YouPorn-Chef Fabian Thylmann ist. Nach Informationen der "Welt am Sonntag" wurde mindestens ein Drittel der Belegschaft im Laufe des Tages entlassen. Betroffene sprechen von mehr als 25 Kündigungen.

Die Chaostage in der Hamburger Notkestraße gehen also weiter. Mitte Dezember durchsuchten mehr als 100 Beamte die Büros, in denen mehrere deutsche Amateursex-Portale, unter anderem "My Dirty Hobby", betrieben werden sollen. Die Manwin Germany GmbH ist ins Visier der Staatsanwaltschaft Köln geraten. Der Verdacht: Manwin-Chef Thylmann soll mithilfe der Hamburger Tochterfirma Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben.

Der Chef saß bereits zwei Wochen in U-Haft

Im Dezember saß der gebürtige Aachener knapp zwei Wochen in Untersuchungshaft, ehe er gegen eine Kaution im zweistelligen Millionenbereich freikam. Seitdem wartet der 34 Jahre alte Thylmann auf die Anklage. Die "Welt am Sonntag" hatte bereits im September ausführlich über das dubiose Firmengeflecht und fragwürdige Methoden im Porno-Imperium von Manwin berichtet. Es ging damals um verwaiste Firmenräume im Hauptquartier in Luxemburg, seltsame zyprische Tochterfirmen und Verstöße gegen den deutschen Jugendschutz.

Die Stimmung in der Hamburger Belegschaft, ohnehin schon schlecht, erreicht nun einen neuen Tiefpunkt. Gespenstische Szenen hätten sich am Dienstag abgespielt, berichten Betroffene. Die Mitarbeiter hätten im Großraumbüro ausharren müssen, bis ihr Telefon geklingelt habe. "Das grenzte schon an Psychoterror", sagt einer. "Wir mussten nach der Kündigung unter Aufsicht der Security unseren Schreibtisch räumen. Durften mit niemandem sprechen. Das war es dann."

Insgesamt habe Manwin Germany zuletzt um die 70 bis 80 Beschäftigte gehabt, sagen ehemalige Mitarbeiter. Laut der Wirtschaftsauskunft Creditreform sind es im Geschäftsjahr 2012 allerdings nur 52 Angestellte gewesen. Warum gerade jetzt die Entlassungen notwendig sind, wurde der Belegschaft nicht im Detail erläutert. In Kündigungen, die dieser Zeitung vorliegen, heißt es, dass die Entlassungen auf "dringende betriebliche Erfordernisse" gestützt seien. Eine niedrige Abfindung wird darin in Aussicht gestellt, sofern die Betroffenen von einer Kündigungsschutzklage absehen.

Das Firmennetz erstreckt sich von den USA bis Zypern

Manwin selbst will sich nicht zu den Kündigungen äußern. Die Pressesprecherin lässt verlauten, Manwin sei ein Privatunternehmen und alle internen Angelegenheiten deshalb privat. Auch zu Vermutungen der Gekündigten, dass die Abteilungen Support und Abrechnung ins Ausland verlagert werden sollen, sagt die Sprecherin nichts.

Diese Aufgabengebiete sind von den Kündigungen stark betroffen, möglicherweise auch, weil sich die Steuerfahndung besonders für sie interessiert. Hamburger Mitarbeiter fürchten seit Wochen, "dass sich der Laden nach dem Besuch der Steuerfahndung auflöst", wie einer von ihnen sagt.

Optionen für eine Umstrukturierung hätte Manwin-Chef Thylmann einige. Sein weitverzweigtes Unternehmensgeflecht aus mehr als 35 Firmen erstreckt sich von Los Angeles bis nach Nikosia. Während am Hamburger Standort reduziert wird, expandiert die Gruppe etwa in Irland.

Auf der Facebook-Seite von "Manwin Ireland" finden sich zahlreiche Jobangebote. Den Bewerbern wird zwar nichts über die Ermittlungen gegen den Firmenchef verraten. Auch kein Wort über die pornografischen Inhalte vieler Manwin-Seiten.

Dafür bekommen sie eine klare Ansage, warum es sich lohnt, für den Konzern zu arbeiten. "Die beste Art, uns zu beschreiben, wäre zu sagen, wir sind nichts Geringeres als großartig."

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