18.01.13

"Die Welt bewegen"

Richtig essen und dabei die Welt retten

Schon kleine Veränderungen könnten Großes bewirken, sagt eine Expertenrunde der Berliner Morgenpost. Sie fordert von den deutschen Verbrauchern: Esst weniger Fleisch – und werft weniger weg.

Können wir "durch richtiges Essen die Welt retten"? Dieser Frage waren am Freitag Unternehmer, Konzernmanager, Umwelt- und Verbraucherschützer auf Einladung der Initiative "Die Welt bewegen" auf der Spur. Einige Antworten machten Mut: "Selbst geringe Veränderungen in unserem Verhalten tragen signifikant zu Klimaschutz und Ressourcenschonung bei", sagte Tanja Dräger de Teran vom World Wildlife Fund (WWF) Deutschland.

Konkret mahnten die Experten Deutschlands Verbraucher – pünktlich zum Auftackt der Internationalen Grünen Woche – zu zweierlei an: Esst weniger Fleisch. Und schmeißt weniger Lebensmittel in den Müll. Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) isst ein deutscher Mann pro Woche 1,1 Kilogramm Fleisch – fast doppelt so viel wie die DGE empfiehlt.

Auf jeden Bundesbürger kommen im Durchschnitt rund 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr – in den ärmsten Ländern der Welt sind es noch nicht einmal zehn Kilogramm. 70 Prozent der weltweiten Agrarflächen werden heute schon direkt und indirekt für die Fleischproduktion genutzt. Um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren, braucht man nach Schätzungen 7,5 Kilogramm Futtergetreide und rund 15.000 Liter Wasser.

Zudem ist das Grundwasser in Regionen mit intensiver Tiermast besonders stark mit Stickstoff belastet. Nach Berechnungen des WWF könnten allein neun Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen eingespart werden, wenn jeder Deutsche nur einmal pro Woche ein Steak oder Schnitzel weniger äße.

Wer weniger wegschmeißt, kann sparen

Zudem sollten die Bundesbürger nicht so viele Lebensmittel wegschmeißen. 80 Kilogramm Lebensmittel wandern im Jahr pro Kopf in den Müll. Das ist in der Summe in etwa so viel wie auf 2,4 Millionen Hektar – also der gesamten Fläche von Mecklenburg-Vorpommern – angebaut werden könnte.

Wie denn nun aber eine Verhaltensänderung bei den Verbrauchern zu erreichen sei, dazu kamen bei dem Expertenaustausch in Berlin verschiedene Vorschläge. Ein Manager des Unilever-Konzerns berichtete, man habe in Großbritannien gute Erfahrungen mit einer Kampagne gemacht, die aufs eigene Portemonnaie zielte: Wer weniger wegschmeißt, kann Hunderte von Pfund im Jahr sparen.

Der Tiefkühlkost-Anbieter Frosta setzt auf Zusatzinformationen über den CO2-Verbrauch seiner Produkte im Internet. Andere Vertreter von Konzernen und Nicht-Regierungsorganisationen forderten mehr Bildung über Ernährung und Landwirtschaft in Schulen und Kindergärten.

Carsten Gerhard von der Unternehmensberatung A.T. Kearney warnte allerdings vor Ungleichgewichten: "Bildung steht auf verlorenem Posten, solange viel weniger Geld in die Bildung fließt als in das Marketing. So werden die Verbraucher täglich verführt." Zur besseren Aufklärung arbeitet das Bundesministerium für Verbraucherschutz derzeit daran, den Begriff der Nachhaltigkeit mit wissenschaftlich abgesicherten Indikatoren zu unterlegen.

Mittelständler warnen vor immer neuen Labels

"Damit soll Transparenz und Seriosität im Label-Dschungel entstehen", sagte Clemens Neumann, Abteilungsleiter für biobasierte Wirtschaft im Ministerium. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hatte in dieser Woche zudem Unterstützung für ein EU-weites Tierschutzlabel angekündigt. Mit dem zweistufigen Siegel könnten Verbraucher entscheiden, ob sie für bessere Tierhaltung mehr zahlen wollten.

In der Berliner Morgenpost-Expertenrunde warnten Mittelständler allerdings vor immer neuen Labels. "Es ist schwer, sich als authentische Marke zwischen all dem Labeling durchzusetzen", sagte der Geschäftsführer der Bohlsener Mühle, Volker Krause.

Reinhard Schneider, Inhaber und Geschäftsführer von Werner & Mertz, betonte: "Verbraucher können sich nicht über jedes Detail im Einzelnen informieren, aber sie entwickeln ein intuitives Gefühl für vertrauenswürdige Marken." Sein Unternehmen produziert unter anderem die Haushaltsreiniger-Marke "Frosch". Mittelständler könnten mit klarer Philosophie und langfristigen Zielen eher Vertrauen aufbauen als Großkonzerne.

"Wir glauben, es ist möglich, einen Mittelweg zu finden zwischen wirtschaftlichem Erfolg und umweltschonender Produktion", sagte Simon Morris, Geschäftsführer von McCain Deutschland. Seine Firma, ein globales Familienunternehmen, baue seine Werke direkt dort, wo die Kartoffeln für seine Tiefkühlfritten angebaut würden. Und das sei idealerweise auch nahe am Endverbraucher – eine "Win-Win-Situation" für Unternehmen und Umwelt.

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