19.01.13

Astronomie

Radioteleskop macht "kosmische Seekuh" sichtbar

Seekühe gelten wegen ihrer Körperfülle als behäbig: Jetzt haben Astronomen einen Seekuh-Nebel im All abgelichtet – die Ähnlichkeit ist verblüffend. Seine Form verdankt der Nebel einem Schwarzen Loch.

Foto: Nasa

Die Bildkombination zeigt eine gigantische kosmische Explosionswolke (l.) im Sternbild Adler, deren Form an eine Seekuh (r.) erinnert
Die Bildkombination zeigt eine gigantische kosmische Explosionswolke (l.) im Sternbild Adler, deren Form an eine Seekuh (r.) erinnert

Mit einem großen Radioteleskop haben Forscher eine gigantische kosmische Explosionswolke abgelichtet, deren Form an eine Seekuh erinnert. Der Nebel im Sternbild Adler (Aquila) ist vor rund 20.000 Jahren entstanden, als dort ein Stern in einer Supernova explodiert ist, wie das US-Radioastronomie-Observatorium NRAO in Charlottesville (US-Staat Virginia) mitteilte.

Wegen seiner ungewöhnlichen Form will das NRAO dem Explosionsnebel mit der nüchternen Katalognummer W50 den neuen Spitznamen Seekuh-Nebel geben – zu Ehren der bedrohten Pflanzenfresser.

Leuchtend hell im Bereich der Radiowellen

Der Nebel W50 ist seit längerem bekannt. Die rund 18.000 Lichtjahre entfernte Formation hat am irdischen Himmel einen vierfach größeren Durchmesser als der Vollmond, ist aber im sichtbaren Licht kaum zu sehen. Stattdessen leuchtet der Nebel hell im Bereich der Radiowellen.

Die Beobachtungen am Karl G. Jansky Very Large Array (VLA) lieferten nun neue Hinweise auf seine Geschichte, erläuterte das NRAO. Die ungewöhnliche Form verdanke der Seekuh-Nebel einem Schwarzen Loch in seinem Zentrum, dem Überrest der Supernova-Explosion.

Materie-Strahlen haben Explosionswolke verzerrt

Dieses Schwarze Loch verschlingt große Mengen Gas in seiner Umgebung. Ein Teil dieser Materie schleudert es jedoch in Form scharf gebündelter Strahlen nach oben und unten ins All. Diese Materie-Strahlen haben die Explosionswolke zu der länglichen Form verzerrt, die wir heute sehen.

Da die Materie-Strahlen zudem langsam kreisen wie die Achse eines schiefen Kreisels, haben sie im Laufe der Jahrtausende korkenzieherähnliche Formen in den Gasnebel geprägt.

Frappierende Ähnlichkeit mit Seekühen

Die unter anderem in Florida beheimateten Seekühe (Sirenia) gelten als sanfte Giganten. Die neugierigen Pflanzenfresser werden rund drei Meter lang und 500 Kilogramm schwer. Sie grasen am Meeresboden und ruhen dort auch oft auf dem Rücken liegend mit gekreuzten Flossen.

Dieser Haltung ähnelt die Form von W50. Zusammen mit der US-Naturschutzbehörde Fish and Wildlife Service wollte das NRAO den Seekuh-Nebel beim Seekuh-Festival in Crystal River (Florida) offiziell vorstellen.

Quelle: dpa/oc
Quelle: Reuters
20.09.12 0:43 min.
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