18.01.13

Großbritannien

"Financial Times" steht angeblich zum Verkauf

Für die "Financial Times" wird offenbar ein Käufer gesucht. Das Mutterhaus Pearson dementiert heftig, einen Verkaufsauftrag gegeben zu haben. Aber vielleicht brauchte der Verlag das gar nicht zu tun.

Foto: AFP

Die Titelseite der „Financial Times“
Die Titelseite der "Financial Times"

Die renommierte britische Wirtschaftszeitung "Financial Times" ( "FT") steht laut einem Medienbericht zum Verkauf. Wie der Londoner "Telegraph" schreibt, bieten eine ganze Reihe von Investmentbanken die "FT" für bis zu einer Milliarde Pfund (1,2 Milliarden Euro) an. Zu diesen Kreditinstituten soll unter anderem die Bank of America, Nomura und Credit Suisse gehören. Alle drei Banken wollten sich nicht zu dem Artikel äußern.

Gerüchte um einen möglichen Verkauf gibt es seit Monaten. Der Verlag Pearson, dem die "FT" gehört, wies entsprechende Berichte bislang immer zurück. Auch nach dem "Telegraph"-Artikel teilte Pearson mit: "Die 'FT' steht nicht zum Verkauf. Pearson hat keinen Verkaufsprozess für die 'FT' angestoßen, und dementiert kategorisch, Berater oder eine Bank, formell oder informell, beauftragt zu haben, um potenzielle Käufer für die 'FT' zu finden."

Interessant ist, was Pearson nicht dementiert. Nämlich, dass Investmentbanken auf eigene Faust nach Interessenten für die "FT" suchen. Das Kalkül: Findet sich ein Käufer für eine Milliarde Pfund, wird Pearson vielleicht doch schwach und stößt die Wirtschaftszeitung ab. Der jeweiligen Investmentbank brächte das enorme Gewinne durch die Vermittlungsgebühren ein.

Für die frühere Pearson-Chefin Marjorie Scardino war die "FT" ein Leidenschaftsprojekt. Sie machte stets klar, dass die Zeitung nicht zur Disposition stehe. Ihr am 1. Januar angetretener Nachfolger John Fallon geht mit weniger persönlicher Verve für die "FT" an den Start. Über zehn Jahre hatte Fallon zuvor das Bildungsgeschäft von Pearson geleitet und es zum Kerngeschäft des Verlags ausgebaut.

Der Penguin-Verlag ist bereits verkauft

Unter seiner Führung versechzehnfachte sich der Gewinn des Bildungsbereichs von 12 Millionen Pfund auf 200 Millionen Pfund. Analysten gehen davon aus, dass Fallon den Verlag künftig noch mehr auf diesen ausrichten will. Im Oktober 2012 hatte Pearson bereits den traditionsreichen Buchverlag Penguin an die Bertelsmann-Tochter Random House verkauft.

Offiziell hat sich allerdings auch Fallon für den Verbleib der "FT" im Verlag ausgesprochen. Als im Oktober bekannt wurde, dass er Scardinos Nachfolger werden sollte, sagte er in einer Telefonkonferenz mit Journalisten: "Die 'FT' ist ein hochgeschätzter und wertvoller Teil von Pearson." Wertvoll kann allerdings auch heißen, dass man viel Geld mit ihrem Verkauf erzielen kann.

Angeblich auch Käufer für "Economist" gesucht

Mit einer Milliarde Pfund wäre die "FT" sehr hoch bewertet. Die Summe entspräche dem 37-fachen des Vorsteuergewinns der Zeitung. Die Citigroup hatte vor einigen Monaten errechnet, die "FT" sei eigentlich nur 600 Millionen Pfund wert. Es gilt jedoch als ausgemacht, dass die Zeitung nicht als schnödes Investment sondern als Prestigeobjekt den Besitzer wechselt.

Als wahrscheinlichster Käufer wird der New Yorker Medienunternehmer und Bürgermeister Michael Bloomberg gehandelt. Ebenfalls in Frage kämen auch russische Oligarchen oder Ölscheichs aus dem Nahen Osten.

Neben der "FT" suchen Investmentbanken angeblich auch nach einem Käufer für den 50-prozentigen Pearson-Anteil am Wirtschaftsmagazin "Economist". Der Wert des Anteils wird auf 225 Millionen Pfund geschätzt. Ebenfalls angeboten wird offenbar auch Finanzdatenbank Mergermarkets, die bis zu 250 Millionen Pfund einbringen könnte.

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