17.01.13

London 2012

Britische Konzerne verdienten kräftig an Olympia

Zumindest für die Großunternehmen ging die Rechnung auf: Mehr als die Hälfte von ihnen steigerte während der Sommerspiele den Umsatz. Vor allem eine Firma profitierte vom Londoner Jahrhundertereignis.

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der britische Telekomkonzern BT, der auch Telefonzellen in London betreibt, profitierte enorm von den Olympischen Spielen
Der britische Telekomkonzern BT, der auch Telefonzellen in London betreibt, profitierte enorm von den Olympischen Spielen

Über die wirtschaftlichen Vorteile von Olympischen Spielen ist schon viel gestritten worden. Politiker behaupten zu Beginn stets, ihr Land würde als ein Gastgeber immens von den Spielen profitieren. Dann wird alles viel teurer als erwartet und das Gezanke geht los. So lief es auch im vergangenen Jahr in London.

Eine aktuelle Studie malt nun aber ein überraschend positives Bild über die wirtschaftlichen Effekte der Londoner Spiele. Immerhin rund 53 Prozent aller befragten Firmen konnten ihre Umsätze im Sommer vergangenen Jahres steigern. Im Durchschnitt seien die Umsätze während "London 2012" um 14 Prozent nach oben geklettert.

Auch für die Zukunft sind die britischen Unternehmen optimistisch. Vier von fünf Firmen erwarten, auch in diesem Jahr noch von den Spielen zu profitieren. Immerhin 29 Prozent hoffen, selbst in fünf Jahren noch die positiven Effekte des Großereignisses zu spüren.

Die Ergebnisse der Studie lassen sich allerdings nur begrenzt auf die gesamte britische Volkswirtschaft übertragen. Das Marktforschungsinstitut Vanson Bourne befragte im Auftrag des Telekomkonzerns British Telecom (BT) ausschließlich Unternehmen und öffentliche Organisationen, die allesamt mindestens 1000 Mitarbeiter haben. 99,5 Prozent aller Firmen in Großbritannien zählen jedoch 250 oder weniger Mitarbeiter.

Premier Cameron begeistert

"Kleine Firmen werden vermutlich einen geringeren Effekt der Olympischen Spiele fühlen, weil ihnen schlicht die Infrastruktur fehlt, sich entsprechend auf so ein Großereignis vorzubereiten", sagt Graham Opie, Chef der Marktforschungsgesellschaft Vanson Bourne. Der Olympia-Sponsor BT habe jedoch nur eine Studie zu großen Konzernen bestellt. Insgesamt seien 600 Firmen und Organisationen befragt worden. "Ich gehe aber trotzdem davon aus, dass auch viele kleine Firmen in gewissem Maße von den Spielen profitieren konnten."

Premierminister David Cameron jedenfalls zeigte sich erfreut über die Ergebnisse der Studie: "Britische Firmen waren unerlässlich für den Erfolg von London 2012 – jetzt profitieren sie von den Spielen und machen mehr Geschäfte mit mehr Ländern als je zuvor."

BT-Chef Ian Livingston warnte dagegen: "Es ist wichtig, dass die Unternehmen nun das Momentum nutzen, wenn sie einen langfristigen Vorteil aus den Spielen ziehen wollen." BT ließ keinen Zweifel, dass das Unternehmen genau das versucht.

Für den Telekomkonzern waren die Olympischen Spiele eine Chance, der Welt sein Können zu demonstrieren. Das Unternehmen war für die gesamte Telefon-, Video- und Datenkommunikation in den olympischen Spielstätten zuständig. Die internationale Bühne brachte neue Aufträge: Der Konzern hat bereits Verträge mit Istanbul, Tokio und Madrid abgeschlossen, die sich alle drei um die Sommerspiele im Jahr 2020 bewerben.

Ebenfalls gibt es Vereinbarungen mit Sotschi, wo die nächsten Winterspiele stattfinden und Rio, das 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft sowie 2016 die Sommerspiele ausrichtet. "Auch die UEFA hat uns angerufen und uns zu Gesprächen eingeladen", sagt Roel Louwhoff, der bei BT für die Spiele verantwortlich war.

Spiele sollen 14 Milliarden Euro gekostet haben

Auch bei Großkunden machten sich die Sommerspiele bezahlt. "90 Prozent unserer Geschäftskunden haben nach Olympia gesagt, sie hätten gar nicht gewusst, was BT alles leisten kann", sagt Louwhoff. Viele neue Aufträge seien durch die Spiele entstanden. Besonders großes Interesse hätten Kunden am Thema Internet-Sicherheit. BT hatte unter anderem auch die internationale London-2012-Webseite bewacht. "Wir konnten Hunderte Millionen von Cyberangriffen abwehren", sagt Louwhoff. Das habe viele Kunden sehr beeindruckt.

Fraglich bleibt, wie groß der Gesamteffekt auf die britische Wirtschaft sein wird. Schließlich waren die Kosten der Spiele erheblich: Ursprünglich sollten die Steuerzahler drei Milliarden Euro für die Veranstaltung zahlen, später war von gut neun Milliarden die Rede. Die jüngste Schätzung liegt bei fast 14 Milliarden Euro.

Premierminister Cameron hatte im Gegenzug versprochen, die Spiele würden bis 2016 rund 13 Milliarden Pfund (15,6 Milliarden Euro) zum Wirtschaftswachstum beitragen. Ein halbes Jahr nach der Abschlusszeremonie gibt sich Andrew Bacchus von der britischen Wirtschaftsförderung UK Trade & Investment nur sehr verhalten optimistisch.

"Das Ziel ist sehr ambitioniert, aber nicht unmöglich", sagt Bacchus. "Ob wir es schaffen, hängt aber natürlich auch von der Weltwirtschaft und dem britischen Pfundkurs ab." Für die britischen Steuerzahler heißt es also weiter Daumen drücken, dass sich ihr Investment in das Jahrhundertereignis noch rentiert.

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