17.01.13

Konjunktur

Die EZB macht der Euro-Zone Hoffnung

Die Europäische Zentralbank glaubt, dass sich die Wirtschaft im Währungsraum Ende des Jahres wieder erholt. Andere Ökonomen und der internationale Währungsfonds warnen aber vor zu großem Optimismus.

Von Tobias Kaiser
Foto: dpa

Aus dem Regen und aus der Traufe? Die Euro-Skulptur an der Europäischen Zentralbank in Frankfurt spiegelt sich in einer Pfütze
Aus dem Regen und aus der Traufe? Die Euro-Skulptur an der Europäischen Zentralbank in Frankfurt spiegelt sich in einer Pfütze

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet im Laufe dieses Jahres eine Erholung der Wirtschaft im Euro-Raum. "In jüngster Zeit haben sich verschiedene Konjunkturindikatoren weitgehend stabilisiert, wenn auch auf niedrigem Niveau", schreiben die Frankfurter Währungshüter in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht. Das Vertrauen an den Finanzmärkten habe "merklich zugenommen".

EZB-Präsident Mario Draghi hatte nach der letzten EZB-Sitzung erklärt, Krisenländer könnten sich wieder günstiger am Anleihemarkt finanzieren, Kapital fließe zurück in den Euro-Raum und die Abhängigkeit der Banken vom Zentralbankgeld sei spürbar gesunken. Die Verbesserungen seien aber in der Realwirtschaft noch nicht angekommen.

Im EZB-Bericht heißt es, nun sei entscheidend, dass die Regierungen der betroffenen Länder ihre Reformen fortführten und ihre Bilanzen stärkten, damit die EZB-Politik des billigen Geldes auch in den Krisenländern ankomme. "Die Solidität der Bankbilanzen wird von wesentlicher Bedeutung sein, wenn es darum geht, sowohl eine angemessene Bereitstellung von Krediten an die Wirtschaft als auch die Normalisierung aller Finanzierungskanäle zu unterstützen", schreiben die Autoren.

Ernste Warnung vom Internationalen Währungsfonds

Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat davor gewarnt, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Ein Rückfall der Weltwirtschaft in die Krise sei immer noch möglich.

Kurzfristig seien in vielen Teilen der Welt die richtigen Maßnahmen ergriffen worden, um einen Niedergang zu vermeiden, doch mittelfristig gebe es viele ungelöste Probleme, sagte Lagarde. Vor allem in den Industrienationen müsse der Schuldenabbau fortgesetzt werden.

Auch dürften wichtige Reformen auf den internationalen Finanzmärkten nicht verzögert werden. "Wir haben den Kollaps aufgehalten. Wir sollten den Rückfall vermeiden. Wir dürfen uns nicht ausruhen", sagte Lagarde.

Wachstum erst 2014 wieder

Warnungen kommen auch aus der Finanzwirtschaft. Jürgen Fitschen, der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, sagte auf einem Empfang seines Instituts, die Banken- und Schuldenkrise im Euro-Raum sei noch nicht überwunden. Allerdings sei es ein großer Erfolg, dass alle, die im letzten Jahr ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone prophezeit hatten, sich geirrt hätten. "Sie alle lagen fürchterlich daneben", sagte Fitschen. "Es ist nichts davon eingetreten."

Zu Beginn des Jahres erwarten die Zentralbanker allerdings eine nur schwache Konjunkturentwicklung. Verantwortlich dafür sei, dass Privatleute und Unternehmen weiter Schulden abbauten, anstatt Geld für Konsum und Investitionen auszugeben. Zudem müssten die Banken ihre Bilanzen weiter bereinigen. Dadurch stehen der Volkswirtschaft weniger Kredite zur Verfügung.

Auch die anhaltende Unsicherheit in der Euro-Schuldenkrise werde die Konjunktur belasten, warnen die Ökonomen. Die EZB rechnete zuletzt damit, dass die Wirtschaft im Währungsraum im schlimmsten Fall bis zum Jahresende um 0,9 Prozent schrumpfen könnte. Im besten Fall könne ein Plus von 0,3 Prozent drin sein. Das österreichische EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sagte Anfang der Woche, er rechne erst wieder für 2014 mit Wachstum im Währungsgebiet.

Strikte Sparprogramme

Die Weltbank erwartet, dass die Wirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr noch einmal um 0,1 Prozent schrumpfen wird. Die Euro-Zone steckt in einer hartnäckigen Rezession. Verantwortlich dafür sind die strikten Sparprogramme in den Krisenländern und die Unsicherheit über die Zukunft der Währungsunion, die Firmen von Investitionen abhält.

Ökonomen gehen allerdings davon aus, dass diese Investitionen nur aufgeschoben sind und in den kommenden Monaten nachgeholt werden. Ein Wiederanziehen der Investitionen könnte vor allem die deutsche Konjunktur anschieben.

Trotzdem hatte die Bundesregierung am Mittwoch ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft halbiert. Statt einem Plus von einem Prozent erwartet das Wirtschaftsministerium jetzt nur noch 0,4 Prozent Zuwachs in diesem Jahr. Erst ab 2014 soll sich das Wachstum wieder deutlich beschleunigen.

Quelle: dapd
08.01.2013 1:11 min.
Aktuellen Konjunkturdaten zufolge wird die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal sinken. Deutsche Unternehmen haben im November weniger Aufträge erzielt als zuvor prognostiziert.
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OECD-BIP-Prognose
  • Euro-Zone

    2012: – 0,4 Prozent

    2013: – 0,1 Prozent

    2014: 1,3 Prozent

  • OECD insgesamt

    2012: 1,4 Prozent

    2013: 1,4 Prozent

    2014: 2,3 Prozent

  • USA

    2012: 2,2 Prozent

    2013: 2,0 Prozent

    2014: 2,8 Prozent

  • Japan

    2012: 1,6 Prozent

    2013: 0,7 Prozent

    2014: 0,8 Prozent

    Bruttoinlandsprodukt real, arbeitstäglich bereinigt, Quelle: dpa

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