17.01.13

Antennen-TV

Das Internet könnte DVB-T den Todesstoß versetzen

Nachdem RTL seinen Ausstieg aus dem Übertragungsstandard angekündigt hat, hält sich auch ProSiebenSat.1 alle Optionen offen. Mittelfristig könnte das digitale Antennen-TV komplett in Frage stehen.

Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Inbetriebnahme von DVB-T in Hamburg ist noch keine zehn Jahre her. Nun steht die praktische und kostengünstige Verbreitung auf dem Prüfstand
Die Inbetriebnahme von DVB-T in Hamburg ist noch keine zehn Jahre her. Nun steht die praktische und kostengünstige Verbreitung auf dem Prüfstand

Nachdem die deutsche RTL-Sendergruppe angekündigt hat, aus der Fernsehverbreitung über den digitalen terrestrischen Sendestandard DVB-T auszusteigen, könnte das digitale terrestrische Fernsehen mittelfristig komplett in Frage stehen: Auch ProSiebenSat.1 will sich nicht fest zum weiteren Ausbau des Standards bekennen.

"Für uns sind derzeit alle Optionen offen, sowohl der Ausstieg aus der terrestrischen Verbreitung als auch die Verlängerung von DVB-T1 sowie die Einführung des HD-Standards DVB-T20", sagte der Leiter Technik und Distribution von ProSiebenSat.1 Media, Klaus Steffens. Die öffentlich-rechtlichen Sender äußerten sich dagegen klar für DVB-T.

"Die terrestrische Fernsehübertragung ist für die ARD wichtig, da sie den Zuschauerinnen und Zuschauern eine attraktive Möglichkeit bietet fernzusehen", sagte Michael Rombach, Produktionsdirektor des federführenden Norddeutschen Rundfunks. Dies gelte nicht nur für den stationären, sondern auch für den mobilen Bereich. Ein Vorteil sei zudem, dass für die Zuschauer keinerlei zusätzliche Kosten anfielen.

ARD: Wegen laufender Verträge kein Handlungsbedarf

Ob der Ausstieg von RTL mittelfristig das Ende von DVB-T bedeute, wollte Rombach nicht beurteilen: "Am Ende entscheiden immer die Nutzer darüber, ob und auf welchem Wege sie fernsehen", sagte er. "Jedoch wäre es sehr zu begrüßen, wenn die Programmvielfalt in DVB-T weiterhin erhalten bliebe."

Für die ARD sei die Entscheidung aktuell jedoch nicht akut, da die bestehenden Verträge mit dem DVB-T-Betreiberkonsortium erst in den Jahren 2016 bis 2019 ausliefen. Die ARD-Sender geben eigenen Angaben zufolge pro Jahr derzeit rund 60 Millionen Euro für DVB-T aus; dieses Geld könnten sie ab dem Jahr 2016 streichen.

Die RTL-Gruppe könnte dagegen bereits im laufenden Jahr Teile ihres DVB-T-Betriebs einsparen. Der RTL-Stratege Marc Schröder, Geschäftsführer der Tochter RTL Interactive und in der Mediengruppe für die strategische Unternehmensausrichtung verantwortlich, hatte in einem Interview den schnellen Ausstieg aus dem Digital-Standard DVB-T angekündigt.

Bereits ab dem 1. Juni soll demnach die Verbreitung über das Antennen-TV im Großraum München enden, bis zum Jahresende 2014 laufen alle weiteren Verträge zwischen RTL und den DVB-T-Betreibern aus.

Auf dem Land funktioniert DVB-T eher mäßig

Bislang funktioniert DVB-T ohne aufwendige Signalverstärker vor allem in den Ballungsräumen. Auf dem Land dagegen funktioniert der Standard wegen der geringen Signalstärke der verwendeten Sender meist nicht ohne weiteres. Auch deswegen nutzen bislang nur rund 12,5 Prozent der Haushalte den DVB-T-Standard für den Digitalempfang.

Anders als für das digitale Kabelfernsehen und für Teile des digitalen Satellitenfernsehens müssen sie dafür allerdings keine monatlichen Gebühren an die Infrastrukturbetreiber zahlen. Auch aus diesem Grund ist dieser Sendestandard insbesondere für die öffentlich-rechtlichen Sender wichtig, stellen sie doch damit ihren Verbreitungsauftrag sicher.

In Flächenländern wie etwa Brandenburg sind daher seit dem Start von DVB-T nur öffentlich-rechtliche Sender via DVB-T empfangbar – RTL und Sat.1 hatten dort seit jeher den Einstieg verweigert.

Aus den gleichen Gründen jedoch sind die massiven Investitionen der öffentlich-rechtlichen Sender in die Verbreitung per DVB-T den Kabelbetreibern seit Jahren ein Dorn im Auge.

Während die Sender für die Übertragung per Kabel drei Euro pro Haushalt und Jahr bezahlen müssen, kostet sie jeder per DVB-T angebundene Haushalt jährlich 37 Euro, rechnete Kabelbetreiber Unity Media im Streit um Entgelte für die Kabeleinspeisung Ende 2012 vor.

Wermutstropfen: Bislang ist DVB-T nicht HD-fähig

Aus Sicht des TV-Senders RTL ist jedoch nicht die seit Jahren auf relativ niedrigem Niveau stagnierende Nutzerzahl der alleinige Grund für den Ausstieg, ebenso wenig wie die relativ hohen Kosten von DVB-T. Viel schwerer wiegt für das Unternehmen die Tatsache, dass der Standard bislang nicht fähig zur Übertragung hochauflösenden Fernsehen ist (HD).

Erst der Ausbau auf die nächste Version DVB-T2 würde es den Sendern erlauben, über den terrestrischen Funk auch die hochauflösenden HD-Programme auszustrahlen.

Im August 2012 hatte die deutsche TV-Plattform angekündigt, DVB-T2 sei nun technisch ausgereift – nun müssten die Sender Farbe bekennen, ob sie die erneuten Investitionen für den weiteren Ausbau in Angriff nehmen wollen.

Steht HD-Ausbau nun in Frage?

Die Landes-Medienanstalten hatten sich daraufhin für den Ausbau ausgesprochen, auch das ZDF plädiert für die Investition. Mit RTL hat nun als erster Sender klar abgelehnt, damit könnte der gesamte HD-Ausbau nun in Frage stehen.

Das jedoch wäre für die Nutzer weniger gravierend als man denken könnte: Ein Blick in die Nutzerstruktur zeigt, dass insbesondere PCs und Laptops, aber auch Mobilgeräte per DVB-T angebunden sind.

Diese Geräte jedoch sind meist auch per Breitbandanbindung an das Internet angebunden – und können so mittlerweile per Mediathek und Livestream fast alle deutschen Fernsehsender in HD-Qualität auch ohne DVB-T empfangen. Für HD-Empfang über DVB-T2 dagegen müssten die Nutzer neue Empfangsdecoder anschaffen.

Quelle: Mitarbeit: Thomas Heuzeroth
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