17.01.13

Boeing

Aufsicht verhängt globales Flugverbot für Dreamliner

Die Pannen bei Boeings Dreamliner ziehen nun rund um den Globus Konsequenzen nach sich. Erstmals verhängen die USA ein generelles Flugverbot. Zu groß sei die Gefahr eines Brandes an Bord.

Quelle: Reuters
17.01.13 0:46 min.
Europa, Japan und Indien schlossen sich einer entsprechenden Anordnung der US-Luftfahrtbehörde FAA an. Diese hatte angewiesen, die Dreamliner in den USA vorübergehend aus dem Verkehr zu ziehen.

Boeings Vorzeigeflieger Dreamliner muss nach einer Reihe von Pannen vorerst fast weltweit am Boden bleiben. Die Aufsichtsbehörden von USA, Japan, Europa, Indien und Chile verhängten am Mittwoch und Donnerstag ein Flugverbot für das jüngste Modell des US-Flugzeugbauers.

Als Grund nannten sie das Risiko eines Feuers durch die eingebauten Batterien. Auslöser für das Verbot ist die Notlandung eines Dreamliners am Mittwoch in Japan, nachdem eine Batterie geschmort hatte. Vor einem erneuten Start soll nun sichergestellt werden, dass die Batterien kein Risiko mehr sind.

In den USA ist es das erste Mal seit 34 Jahren, dass die Luftsicherheitsbehörde FAA ein Flugverbot für alle Maschinen eines Typs verhängt hat. Vor weiteren Starts müssen nun das Batteriesystem modifiziert oder andere Maßnahmen ergriffen werden, denen die US-Behörde FAA zugestimmt hat.

Europäer schließen an

Die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA schloss sich der Verfügung aus den USA an, wie ein Sprecher der Behörde sagte. In Europa hat bislang nur die polnische Fluggesellschaft LOT Dreamliner in Betrieb. Am Mittwoch hatte die Gesellschaft eine der Maschinen erstmals auf einen Langstreckenflug geschickt.

In Deutschland hat bislang keine einzige Fluggesellschaft den Dreamliner in der Flotte. Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt. Tui Travel will 13 Maschinen abnehmen. In anderen Teilen der Welt haben zudem Qatar Airways und Ethiopian Airlines den Dreamliner in ihrer Flotte.

Die japanischen Fluglinien All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) hatten nach dem jüngsten Zwischenfall am Mittwoch zunächst alle Flüge mit dem Langstreckenjet gestrichen. Die beiden Gesellschaften betreiben insgesamt 24 Jets des Typs, fast die Hälfte der bisher von Boeing ausgelieferten 50 Maschinen.

Dreamliner ist ein Stromfresser

US-Experten sind unterwegs nach Japan, um den dortigen Pannenflieger unter die Lupe zu nehmen. Die FAA will mit Boeing und den Fluggesellschaften zusammenarbeiten, um schnellstmöglich eine Lösung für das Batterieproblem zu finden. Das könnte aber schwierig werden: Das hochmoderne Flugzeug ist stärker als ältere Modelle auf Strom angewiesen. Viele hydraulische Systeme wurden durch Computersteuerungen ersetzt.

Bei den Batterien handelt es sich um Lithium-Ionen-Akkus. Dieser Typ wird auch in Handys, Digitalkameras oder Notebooks eingesetzt, weil er auf kleinen Raum viel Strom speichern und lange halten kann. Jedoch gab es auch bei diesen Elektronikgeräten immer wieder Fälle brennender oder schmorender Batterien.

Feuer beim Start in Bosten

Bereits in der Vorwoche hatte eine Batterie eines am Boden stehenden Dreamliners der JAL in Boston Feuer gefangen, außerdem verlor ein Flugzeug vor dem Start rund 150 Liter Treibstoff. Weiter ging die Pannenserie mit einer Störung des Bremscomputers an einem ANA-Jet, einem Ölleck und einem spinnennetzförmigen Riss in einem Cockpit-Fenster.

Bislang hat Boeing 50 Dreamliner ausgeliefert, die Hälfte davon ging nach Japan. Insgesamt liegen Boeing rund 800 Bestellungen für die jeweils etwa 200 Millionen US-Dollar teuren Flieger vor. Bislang sind keine Stornierungen infolge der Pannenserie bekannt.

In den USA fliegt damit bisher nur United Airlines. Die sechs Maschinen dürften erst dann wieder abheben, wenn die Fluggesellschaft gegenüber der Luftfahrtbehörde nachgewiesen habe, dass die Batterien sicher seien, erklärte die FAA. In Indien lässt die Fluglinie Air India ihre sechs Maschinen des Typs vorerst am Boden. Das gleiche gilt für die drei Jets von LAN Airlines aus Chile.

Dreamliner aus Japan in Frankfurt gestrandet

Ein aus Sicherheitsgründen aus dem Verkehr gezogener "Dreamliner" strandete am größten deutschen Flughafen in Frankfurt. Der Flughafenbetreiber Fraport bestätigte, die Boeing 787 stehe seit dem Vorabend in Frankfurt. Der Langstreckenjet gehöre der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA). Die Passagiere seien mit einer anderen Boeing-Maschine weitergeflogen.

Für ihren gestrandeten Dreamliner muss die Fluggesellschaft nun Parkgebühren zahlen, rund 1000 Euro pro Tag. Laut Fraport fliegen nur drei Airlines regelmäßig den Frankfurter Flughafen mit einer Boeing 787 an: Neben ANA sind das Air India und Ethiopian Airlines. Sie haben zusammen 20 Starts und Landungen pro Woche in Frankfurt.

Chronik der Dreamliner-Pannenserie

Boeings Langstreckenjet 787 ist das Prestigeprojekt des US-Konzerns. Doch der Dreamliner hatte schon in der Entwicklungsphase mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, sodass sich die Auslieferung der ersten Maschinen um dreieinhalb Jahre verzögerte. In den vergangenen Monaten warf eine Pannenserie immer neue Fragen zur Sicherheit auf.

Juli 2012 – Bei einem Test einer 787-Maschine in South Carolina wird ein von General Electric hergestelltes Triebwerk bei einem Ausfall teilweise zerstört. GE leitet eine Überprüfung der Turbinen in die Wege.

4. Dezember 2012 – Eine United-Airlines-787 mit 184 Menschen an Bord muss in New Orleans wegen Problemen mit der Elektrik notlanden.

5. Dezember 2012 – Die US-Behörden ordnen wegen möglicher Lecks in den Treibstoffleitungen die Inspektion der Langstreckenflugzeuge an.

Dezember 2012 – Die arabische Qatar Airways und die US-Gesellschaft United entdecken erneut Probleme mit der Elektrik.

7. Januar 2013 – Am Bostoner Flughafen bricht nach einer Batterie-Explosion ein Brand in einer geparkten 787 von Japan Airlines (JAL) aus.

8. Januar 2013 – Eine weitere 787 von Japan Airlines muss wegen eines Lecks am Treibstofftank in Boston den Start abbrechen.

9. Januar 2013 – All Nippon Airways (ANA) streicht einen Flug mit dem Dreamliner wegen Problemen mit den Bremsen.

11. Januar 2013 – ANA meldet neue Probleme bei zwei 787-Maschinen: einen Riss im Cockpitfenster sowie ein Ölleck im Triebwerk. Die US-Luftfahrtbehörde FAA leitet eine umfassende Untersuchung ein.

15. Januar 2013 – Eine 787-Maschine der ANA muss in Japan wegen Rauchentwicklung im Cockpit notlanden. ANA und JAL entscheiden, vorerst alle Dreamliner am Boden zu lassen und zu überprüfen.

16. Januar 2013 – Die US-Luftfahrtbehörde FAA ordnet an, alle 787-Maschinen am Boden zu halten.

17. Januar 2013 – Europa, Japan und Indien schließen sich der FAA an: Nun müssen die meisten bisher ausgelieferten 787-Maschinen am Boden bleiben.

17. Januar 2013 – Als erste Fluggesellschaft prüft die staatliche polnische Fluggesellschaft LOT Schadenersatzforderungen wegen der Pannen.

19. Januar 2013 – Boeing stoppt die Auslieferung des Dreamliners.

Quelle: Reuters

Quelle: dpa/woz/dma
Quelle: Reuters
11.01.13 2:06 min.
Die Pannenserie beim neuen Prestigemodell von Boeing, dem "Dreamliner", reißt nicht ab. Nach einer Woche fast täglicher Zwischenfälle leitete die US-Luftfahrtbehörde FAA jetzt eine Untersuchung ein.
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Lithium-Ionen-Akkus
  • Was sind Lithium-Ionen-Akkus?

    Lithium-Ionen-Batterien sind wiederaufladbare Batterien. In ihnen fließen Lithium-Ionen von der negativen Elektrode zur positiven, wenn die Batterie entladen wird, und in umgekehrter Richtung, wenn sie geladen wird. Lithium ist ein hoch reaktives Alkalimetall.

  • Was sind die Vorteile?

    Lithium-Ionen-Akkus sind meist leichter und auch leistungsfähiger als andere Akkus gleicher Größe, deshalb werden sie gerne in tragbaren Geräten wie Laptops und Handys eingebaut. Auch Autohersteller setzen bei Elektroautos daher auf Lithium-Ionen-Akkus. Zudem haben die Akkus keinen „Memory-Effekt“, das heißt, sie können sehr oft geladen werden, ohne dass ihre Leistung nachlässt. Dafür dürfen sie aber nicht komplett entladen werden.

  • Was sind die Nachteile?

    Lithium-Ionen-Akkus sind teurer als herkömmliche wiederaufladbare Nickel-Cadmium-Batterien oder Nickel-Metallhydrid-Akkus. Wird der Lithium-Ionen-Akku überladen, kann er aufheizen und sogar in Brand geraten – ein Problem, das in den vergangenen Jahren schon zu Rückrufen von Laptops und Handys führte. Auch Opel verschob den Start seines Elektroautos Ampera, nachdem es bei abgestellten Testautos zu Bränden gekommen war.

  • Was ist an Bord der Dreamliner

    Experten halten eine Überhitzung auch im Fall der Dreamliner-Batterien für wahrscheinlich. Sie könnte zwei Ursachen haben: Entweder die Batterien selbst sind fehlerhaft oder die Elektronik, in die die Batterien eingebaut sind. Die Untersuchungen der Behörden in Japan und in den USA umfassen beide Szenarien.

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