16.01.13

Mailänder Modewoche

Die Zeit der modischen Exzesse ist vorerst vorbei

Die Italiener geben kein Geld mehr für Mode aus, Designer rechnen mit Umsatzeinbußen – schlechte Zeichen für die Mailänder Modewoche. Die Hersteller glauben aber, einen Ausweg gefunden zu haben.

Foto: AFP

Wie in der Branche üblich, wird auf der Mailänder Modewoche geklotzt, nicht gekleckert. Dass die Branche schon bessere Zeiten erlebt hat, spielt da keine große Rolle
Wie in der Branche üblich, wird auf der Mailänder Modewoche geklotzt, nicht gekleckert. Dass die Branche schon bessere Zeiten erlebt hat, spielt da keine große Rolle

"I love classics" schrieb der Creative Director Christopher Bailey nach der Burberry Prorsum Show auf der Mailänder Modewoche an Journalisten. Eine Rückbesinnung auf die Klassiker der männlichen Garderobe oder zumindest auf die Klassiker des eigenen Hauses war in vielen Kollektionen unterschwelliges Thema.

Für Burberry bedeutete dies in gewisser Weise eine Normalisierung. Statt der extremen Silhouetten vergangener Saisons mit Trenchcoats in pinken Metallic-Ledern ließ Bailey seit langer Zeit einmal wieder den typischen "Burberry Check" aufblitzen, der sonst in die kommerziellere Zweitlinie verbannt ist.

Für 2013 rechnen sie mit großen Umsatzeinbußen

Als ultrakurzer Schal tauchte er unter einem camelfarbenen Citymantel mit Lederkragen auf oder seitlich an Reisetaschen. Zu den Klassikern zählt Bailey allerdings auch die Raubtiermuster von Tiger und Leopard, die auf Kuhfell gedruckt ganze Mäntel oder Schuhe schmückten und der Kollektion den nötigen Schwung verliehen. Burberrys Mäntel sind entweder schmal geschnitten oder weit ausgestellt mit Raglanärmeln. Kurz und weit sind auch seine Dufflecoats.

Im allgemeinen Klima der Modewoche, die am Mittwoch zu Ende ging, war diese Schau der deutlichste Beleg dafür, dass die Zeit der modischen Exzesse vorläufig vorbei ist. Statt Unterhaltungswert boten die Designer lieber Kollektionen, die einem echten Marktbedürfnis entsprechen, statt nur mediale Aufmerksamkeit zu generieren.

Die italienische Modeindustrie stellt sich auf ein Annus horribilis ein. Manche Hersteller rechnen für 2013 mit noch höheren Umsatzeinbußen als 2009, dem katastrophalen Jahr nach der Lehmann-Pleite. Besonders bitter wird es für die Hersteller, die stark vom heimischen Markt abhängig sind. Die Italiener geben kein Geld mehr für Mode aus.

In der Krise besinnt man sich auf Stärken

Wer dagegen in China gut aufgestellt ist, den trifft es weniger stark, auch wenn sich dort das Kaufklima abgekühlt hat. Umso wichtiger wird für die Marken der wachsende Männermarkt für Luxusmode. In der Krise besinnt man sich also auf seine Stärken. Auch Miuccia Prada kehrte zu einer Interpretation von tragbarer Mode zurück.

Statt Futurismus oder wilden Mustern zeigte sie eine Retro-Kollektion, die an die Zeit erinnerte, als die Rolling Stones noch als brave Buben gekleidet waren. Karohemden mit abnehmbarer Rüschenknopfleiste waren da schon gewagte Vorschläge für den nächsten Herbst. Stattdessen gab es Chesterfieldmäntel aus Hahnentrittstoffen mit farblich abgesetzten Samtkrägen und geknautschte Lederjacken mit Vintage-Effekt über geringelten Mohairpullovern.

Besonders gelungen war diese Saison die Kollektion von Jil Sander. Mit ihrer zweiten Männerkollektion seit ihrer Rückkehr zu ihrem Label hat sie bewiesen, dass sie sehr wohl in der Lage ist ihrer Mode einen zeitgemäßen Dreh zu geben.

Luxus als Kaufargument für neue Kundschaft

Plötzlich findet man wieder die alten Tugenden in der Kollektion, die den Sander-Mann einst definierten. Die Qualität der Stoffe ist spürbar gestiegen, was man schon an einem einfachen roten Wollfilz merkt aus dem sie einen hochgeschlossenen Zweireiher schneidert und der angenehm zu greifen ist. Auch die Präzision, mit der Sander ihre Silhouetten und Proportionen austariert ist wieder da, wie beispielsweise bei einem langen Mantel mit Napoleonkragen, an dem man sieht, wie sehr sie mit jedem Millimeter ringt um ihn harmonisch wirken zu lassen.

Bei aller Klassik auf den Laufstegen war zu beobachten, wie sehr das Luxuselement entscheidendes Kaufargument für eine neue Kundschaft wird. So viel Lammfell, Pelz und Leder wie selten wurde auf den Laufstegen gezeigt. Persianerkrägen gab es an einer Matrosenjacke mit Goldknöpfen bei Diesel, die entsprechende kurze Jacke dazu war gleich komplett aus dem Fell.

Persianer zeigte Gucci als eleganten grauen Mantel und Trussardi als gemütliche Kutte im Parkastil. Dass ihre anvisierten Kunden nicht mehr einzig gut situierte Anzugträger sind, zeigte die erste Kollektion des neues Brioni-Designers. Der Schotte Brendan Mullane wurde bei Givenchy abgeworben und ist dabei, den Luxusschneider zu entstauben. Die allgemeine Ernüchterung führte in Mailand also durchweg zu einer positiven modischen Entwicklung.

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