16.01.13

Energieversorger

Tarifgespräche gescheitert – E.on vor Arbeitskampf

Der Konflikt bei E.on spitzt sich weiter zu: Die Tarifkommission erklärte die Verhandlungen für gescheitert. Der erste unbefristete Streik in der privaten Energiewirtschaft steht wohl vor der Tür.

Foto: dpa

Warnstreik: Mitarbeiter des Energiekonzerns E.on demonstrieren in Bayreuth
Warnstreik: Mitarbeiter des Energiekonzerns E.on demonstrieren in Bayreuth

Nach dem Abbruch der Tarifgespräche bei Deutschlands größtem Energieversorger E.on hat die Tarifkommission der Gewerkschaften IG BCE und Ver.di die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Dies teilte die IG-BCE-Zentrale in Hannover mit. Damit spitzt sich der Tarifkonflikt bei dem Düsseldorfer Konzern weiter zu, eine Urabstimmung über einen erstmals unbefristeten Streik in der Branche wird wahrscheinlicher.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer hatten sich am Dienstag nicht annähern können. Während die Gewerkschaften auf ihrer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Geld für rund 30.000 E.on-Beschäftigte beharrten, erhöhte E.on sein Angebot nur von 1,1 auf 1,7 Prozent.

"Die Arbeitgeber wären gut beraten, unverzüglich auf eine Linie der Vernunft einzuschwenken", sagte der Verhandlungsführer der IG BCE, Holger Nieden. Sie hätten sich in drei Runden nicht bewegt. "Ein Arbeitskampf ist nicht länger ausgeschlossen", sagte er.

Mehr als 7000 Streikende

Auch von Ver.di kam scharfe Kritik. "Wir werden umgehend mit der Vorbereitung der Urabstimmung beginnen", sagte Gewerkschafter Volker Stüber. Ein Streik werde provoziert, wenn E.on trotz guter Ertragslage eine Entgelt-Steigerung unter der Inflationsrate durchsetzen wolle.

Der Stromriese hatte die 6,5-Prozent-Forderung bereits am Dienstag zurückgewiesen: "Das geht deutlich über das Maß hinaus, das wir vertreten können, und entbehrt jeder realistischen Grundlage." Zudem habe die andere Seite bisher keine Zugeständnisse gemacht. Die Gewerkschaften verlangen auch die Übernahme von Lehrlingen und eine Tarifbindung ausgelagerter Sparten.

Unklar ist, ob ein unbefristeter Streik den Kraftwerksbetrieb beeinträchtigen könnte. Der Warnstreik am Montag, an dem mehr als 7000 Beschäftigte teilnahmen, hatte die Stromproduktion nicht tangiert. Im Winter ist die Stromnachfrage besonders hoch. Die Stabilität der Stromversorgung gilt ohnehin als angespannt, weil nach Abschaltung mehrerer Atomkraftwerke in dieser Jahreszeit auch die Fotovoltaik als Stromquelle fast vollständig ausfällt.

Expansion in Schwellenländer

E.on verwies zur Begründung seines bisherigen Angebots auf die "schwierige wirtschaftliche Situation". Der Tarifabschluss müsse diese berücksichtigen. 2011 hatte der Konzern erstmals in seiner Geschichte Milliardenverluste einstecken müssen.

Für die ersten drei Quartale 2012 meldete das Unternehmen zwar wieder einen auf gut drei Milliarden Euro gestiegenen Überschuss. Wegen einer schwächeren Stromnachfrage kassierten die Düsseldorfer allerdings zugleich ihre Ertragsprognosen für die kommenden Jahre.

Außerdem dürfe nicht vergessen werden, dass E.on bei vergangenen Tarifrunden "im oberen Bereich abgeschlossen" habe, hieß es aus der Zentrale. Man müsse auch die Lage der Gesamtbranche im Blick haben, viele Kraftwerke seien nicht mehr rentabel genug. "Angesichts dieser Situation stellt unser Angebot durchaus ein Entgegenkommen dar."

E.on verdient mit seinen deutschen Erdgas- und Steinkohle-Kraftwerken derzeit kaum Geld, weil diese wegen des gesetzlichen Einspeisevorrangs von Ökostrom nur noch selten am Netz sind. Konzernchef Johannes Teyssen verfolgt eine Strategie, die zum Ziel hat, E.on unabhängiger von dem wachstumsschwachen und hochregulierten deutschen und europäischen Strommarkt zu machen. Der Konzern expandiert derzeit in Schwellenländern wie Brasilien, Türkei und Russland.

Quelle: dpa/dgw
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