15.01.13

Diesel-Maschinen

MAN wegen Iran-Geschäft unter Druck

Kritik an MAN: Der deutsche Maschinenbauhersteller gerät wegen angeblicher Schiffdiesel-Geschäfte mit dem Iran in Bedrängnis. MAN weist die Vorwürfe zurück.

Von Per Hinrichs
Foto: DAPD
Volkswagen strebt die komplette Kontrolle über MAN an
MAN hat nach Recherchen der amerikanischen Organisation "United Against Nuclear Iran" (UANI) hochwertige Schiffsdiesel an das Land geliefert

Der deutsche Maschinenbauhersteller MAN gerät wegen seiner Geschäftsverbindungen zum Iran in die Kritik. Der Konzern mit Sitz in München hat nach Recherchen der amerikanischen Organisation "United Against Nuclear Iran" (UANI) hochwertige Schiffsdiesel an das Land geliefert und unterhält nach wie vor Wartungsverträge mit dem Iran. MAN sei aktuell auch an der Lieferung von Diesel-Maschinen für zwölf Schiffsneubauten des Typs "Very Large Crude Carriers" in China beteiligt. Das wäre ein klarer Verstoß gegen die internationalen Sanktionen, die den Warenaustausch mit dem Iran wegen dessen umstrittenen Atomprogramms stark beschränken.

Bei den vermeintlich herkömmlichen Dieseln handelt es sich um hochspezialisierte Anlagen, die nur wenige Firmen überhaupt bauen können. Der Iran ist zudem auf eine funktionierende Handelsflotte angewiesen, um seine Rohstoffe exportieren zu können. Die maritime Transportkapazität sei eine "Achillesferse des iranischen Regimes", sagt Michael Spaney, Sprecher der deutschen Organisation "Stop the bomb".

Die iranische Schiffsflotte werde zudem vom Regime direkt kontrolliert. "Indem MAN hilft, Probleme im Transportsektor zu überwinden, unterstützt die Firma den Ausbau von Irans lukrativstem Wirtschaftszweig", sagte Spaney weiter. "Die Einnahmen kann das Regime nutzen, um sein illegales Atomprogramm zu finanzieren und das syrische Regime zu unterstützen, das seine Bevölkerung brutal unterdrückt."

Konkret wirft UANI dem deutschen Maschinenbauer vier Punkte vor:

- Die Ausstattung einer Reihe von iranischen Tankern mit MAN Dieselmotoren, darunter die Schiffe "Camellia", "Majestic" und "Justice";

- die Beteiligung am Bau von 12 Supertankern in China, die für die National Iranian Tankercompany bestimmt sind. Diese Firma steht seit 2012 auf der Sanktionsliste der EU;

- Nach Recherchen der UANI soll MAN auch am Bau von weiteren mindestens fünf neuen Schiffen für die staatliche Reederei IRISL beteiligt sein, die ebenfalls auf der Sanktionsliste steht. Die IRISL unterhält bis heute mehrere GmbHs in Hamburg. MANs iranischer Partner bei diesem Geschäft soll die Persian Gulf Shipbuilding Corporation sein, ein Unternehmen, das vom Regime kontrolliert wird;

- Sogar mit Unternehmen, die von den Revolutionsgarden geführt werden, hat sich MAN nach Angaben der UANI eingelassen. Anscheinend kooperierte der Münchner Konzern mit dem iranischen Maschinen-Spezialisten DESA, die wiederum den islamistischen Revolutionsgarden zugeordnet werden kann. Diese gelten als federführend in allen Rüstungsaktivitäten und nuklearen Anstrengungen des Iran.

MAN weist die Vorwürfe zurück

Spaney hält die Geschäfte mit dem Iran allein wegen der Verbindung zu den Revolutionsgarden für "inakzeprtabel". MAN weist die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher des Unternehmens sagte gegenüber der "Welt" dagegen, dass seit 2010 kein Neu-Geschäft mehr aufgenommen werde und lediglich alte Verträge abgearbeitet würden.

Der Bau von Schiffsmotoren in China hätte nichts mit MAN Deutschland zu tun. Die Fertigung übernähmen chinesische Lizenzpartner, die die Maschinen in Eigenregie ohne Mitarbeit des deutschen Konzerns bauen würden. MAN habe nach Angaben des Sprechers keinen Einfluss darauf, wohin die Aggregate schließlich geliefert oder eingebaut würden. Das Unternehmen halte sich im Übrigen strikt an alle internationalen Sanktionen.

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