14.01.13

UPS und TNT

Post ist heimlicher Gewinner der geplatzten Fusion

Die Branchenriesen im Paket- und Logistikgeschäft, UPS und TNT, wollten sich zusammen tun. Jetzt scheitert das Vorhaben am Einspruch der Wettbewerbsbehörde. Lachender Dritter ist die Deutsche Post.

Foto: dpa

Die Logos von UPS und TNT: Die milliardenschwere Fusion der Logistikkonzerne United Parcel Service und TNT Express steht vor dem Aus
Die Logos von UPS und TNT: Die milliardenschwere Fusion der Logistikkonzerne United Parcel Service und TNT Express steht vor dem Aus

Die Zeiten der Riesenfusionen in der Logistik in Europa scheinen fürs erste vorbei zu sein. Noch bevor die EU-Wettbewerbsbehörde am 15. Januar ihre endgültige Antwort geben will, haben die beiden Paket- und Expresskonzerne United Parcel Service aus den USA und TNT aus den Niederlanden ihren geplanten Zusammenschluss selbst abgesagt.

UPS-Chef Scott Davis wählte deutliche Worte: "Ich bin extrem enttäuscht über die Position der EU", sagte der Amerikaner. Dabei hat die EU in diesem Fall genau das Richtige getan: Sie hat in Europa ein Oligopol der großen Postkonzerne verhindert.

Denn genau dazu wäre es gekommen, wenn nach der Fusion nur noch die drei Branchenriesen UPS/TNT, DHL und Federal Express übrig geblieben wären. Die bislang letzte Großübernahme liegt nun schon weit zurück: 2005 kaufte die Deutsche Post den britischen Logistikkonzern Exel für mehr als fünf Milliarden Euro.

Geschäftskunden machen den Hauptteil aus

Selbst wenn auch private Postkunden die braunen oder orangefarbenen Kleinlaster von UPS und TNT häufig im Straßenbild sehen: Den Hauptanteil ihres Geschäftes machen diese Unternehmen mit Geschäftskunden. Sie fahren das Handy vom Vertriebszentrum zum Handyshop, bringen die Jeans vom Warenlager in den Modeladen oder liefern das Dokument beim Anwaltsbüro ab.

Mit teuren Expresssendungen in 220 Länder und Territorien der Welt ist UPS zum weltgrößten Logistikkonzern der schneller Post aufgestiegen, in den meisten Fällen klingelt der in Braun gekleidete Bote am nächsten Vormittag an der Tür.

In genau diesem 24-Stunden-Zustellgeschäft ist der niederländische Konkurrent TNT in Europa der Marktführer. Deshalb wollten die Amerikaner für horrend hohe 5,2 Milliarden Euro den niederländischen Konkurrenten übernehmen – und damit die Deutsche-Post-Tochter DHL auf die Plätze verweisen.

Ein Konzern mit 45 Milliarden Euro Umsatz und fast eine halben Million Beschäftigten wäre daraus entstanden. Regional hätten sich UPS und TNT fast perfekt ergänzt: In den USA, in Westeuropa wie auch in Australien oder Teilen Lateinamerikas und des Mittleren Ostens wäre kaum ein Kunde an ihnen vorbei gekommen, wenn er eine Sendung im Eiltempo verschicken möchte.

EU-Wettbewerbsbehörde hat Bedenken

Daraus wird nun nichts. Schon wenige Wochen nach der Bekanntgabe der Pläne im März 2012 hatten EU-Wettbewerbsbeamte Bedenken angemeldet. Gemeinsam könnten UPS und TNT in einigen Ländern marktbeherrschende Positionen bekommen, lauteten ihre Einwände. Zugeständnisse reichten ihnen nicht aus: TNT trennte sich in der Zeit von einer eigenen Fluggesellschaft, auch ein Rückzug aus dem Landverkehr in einigen Regionen wurde angeboten.

Am Ende scheint die Wettbewerbsbehörde die Nachteile für die Kunden größer einzuschätzen als mögliche Verbesserungen. Und schließlich kann aus Sicht der EU das Unternehmen TNT auch allein – eine Fusion ist zur Sanierung des durch Managementfehler angeschlagenen Konzerns aus Hoofddorp bei Amsterdam nicht notwendig.

Die Konkurrenten werden mit gemischten Gefühlen auf das Scheitern der Pläne schauen. "Die Unternehmen werden auf Jahre hinaus mit sich selbst beschäftigt sein, das kann uns nicht schaden", hatte Post-Vorstandschef Frank Appel im Sommer gesagt. Appel muss es wissen, denn schließlich hat die Deutsche Post durch mehr als ein Dutzend Übernahmen viel Arbeit ins eigene Haus gebracht – und am Beispiel des Eintritts in den US-Markt auch Milliarden Euro verbrannt.

"Für die Post ist es zunächst ein e bequeme Situation – zwei ihrer größten Konkurrenten müssen eine Tiefschlag verdauen und sich eine neue Strategie ausdenken", sagt der Postexperte Horst Manner-Romberg.

Millionen-Strafgebühr wird fällig

In der Tat stecken UPS wie auch TNT erst einmal in der Sackgasse: UPS muss 200 Millionen Euro an TNT zahlen, wie es für den Fall des Scheiterns der Fusionspläne vereinbart worden war. Und CEO Scott Davis muss zusammen mit seinem aus Deutschland stammenden Finanzchef Kurt Kuehn den Anlegern und Analysten erklären, wie es dazu kommen konnte und was nun folgen soll.

Das Management hatte ihnen das Abenteuer TNT als gigantische Wachstumsgeschichte angepriesen. Nach Jahren der Behäbigkeit sollte "Big Brown", wie UPS in den USA genannt wird, endlich einmal wieder als dynamisch und aktiv angesehen werden.

Der niederländische Konzern TNT wiederum steht vor einem Scherbenhaufen: Der frühere Konzernchef Peter Bakker hatte die Aufspaltung in zwei Unternehmen – die Post NL für die Brief- und Paketzustellung im Nachbarland und TNT als weltweiten Expresszusteller – als großen Coup und als Vorbild für andere nationale Postgesellschaften gepriesen.

Nach der Trennung in die an der Börse notierten Unternehmen Post NL und TNT hatte Bakker sich verabschiedet. Seine Nachfolgerin bei TNT, die Französin Marie-Christine Lombard, ist ebenfalls schon Firmengeschichte, sie verließ das Management mitten in der heißen Verhandlungsphase der Fusionspläne mit UPS und ging zur französischen Bahn.

Unter ihrer Verantwortung hatte sich TNT mit Zukäufen in Brasilien und in China überhoben und im Konzern im Tagesgeschäft Verlust geschrieben. Bei TNT ist die Lage simpel, der Konzern braucht alles: einen neuen Chef, eine neue Ausrichtung und vor allem neue Motivation für die noch rund 77.000 Mitarbeiter.

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Porto wird teurer
  • Preiserhöhung

    Die Deutsche Post hebt zu Beginn des kommenden Jahres das Porto für Standardbriefe von 55 auf 58 Cent an. Maxibriefe bis 1000 Gramm kosten dann 2,40 Euro statt zuvor 2,20 Euro. Die Preise für Postkarten (45 Cent), Kompaktbriefe (90 Cent) sowie Großbriefe (1,45 Euro) bleiben stabil. Im internationalen Briefverkehr steigt der Preis für einen Kompaktbrief von 1,45 auf 1,50 Euro. Der Preis für den internationalen Standardbrief bleibt dagegen gleich, ebenso wie für Postkarten ins Ausland.

  • Begründung

    „Wenn wir weiterhin eine so hervorragende Qualität für unsere Kunden und attraktive Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter sichern wollen, können wir auf eine moderate Preiserhöhung nicht verzichten“, erklärte Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Brief bei der Deutschen Post, in einer Pressemitteilung.

  • Umtausch

    Für bis zum Portowechsel nicht aufgebrauchte Briefmarkenbestände stehen laut Post-Angaben rechtzeitig entsprechende Ergänzungsmarken in den Filialen sowie im Internet zum Kauf bereit. Somit können alle Briefmarken auch nach dem Jahreswechsel weiter verwendet werden. Briefmarken mit den neuen Werten sind bereits ab Dezember erhältlich. Die Briefpreiserhöhung treffe Verbraucher im Schnitt mit weniger als zehn Cent pro Monat, so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. „Wir halten diese moderate Preiserhöhung gegenüber dem Endkunden für vertretbar.“ Es ist die erste Preiserhöhung für Standardbriefe seit 15 Jahren.

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