09.01.13

Haltbarkeitsdatum

Smartphone-App Snapchat zerstört Fotos von selbst

Die App Snapchat gibt Fotos und Videos ein Haltbarkeitsdatum. 50 Millionen Bilder werden mittlerweile täglich damit ausgetauscht. Der Erfolg hat sogar Facebook zu einer Reaktion gezwungen.

Von Jakob Wais
Foto: Getty Images/Image Source

Bei der App Snapchat ist eine Smartphone-Aufnahme grundsätzlich mit einem Haltbarkeitsdatum versehen
Bei der App Snapchat ist eine Smartphone-Aufnahme grundsätzlich mit einem Haltbarkeitsdatum versehen

April 2011, Evan Spiegel (22) präsentiert an der Eliteuniversität Stanford seine Abschluss-Arbeit: Eine mobile App, in der Freunde Fotos teilen können, die nach dem Ansehen automatisch gelöscht werden. Die Resonanz unter den Studenten ist, freundlich gesagt bescheiden. Dennoch lancieren Spiegel und sein Partner Bobby Murphy (24) bereits im September 2011 eine erste Version und landen einen Treffer.

Ihre App Snapchat kommt ausgesprochen schlicht daher. Der kleine Geist "Ghostface Chillah", der als Maskottchen fungiert und nach dem Wu-Tang Clan Rapper "Ghostface Killah" benannt ist, bleibt die einzige jugendliche Extravaganz, die sich die Amerikaner leisten.

In ihren Funktionen bleibt die App weit hinter der im Smartphone integrierten Kamera zurück und tritt erst recht nicht in ernsthafte Konkurrenz mit der Foto-App Instagram. Dass das Programm neben Fotos auch Videos schießen kann, entdeckt man eher zufällig. Immerhin bietet Snapchat die Möglichkeit den Account mit Twitter und Facebook zu vernetzen.

Nutzer bestimmen, wie lange Foto gezeigt wird

Warum trotz der eher spärlichen Funktionen ein beachtlicher Hype um die Neuentwicklung entbrannt ist, erklärt sich in der Funktionsweise von Snapchat. Sie steht im krassen Gegensatz zum allgemeinen Erfahrungswert was Fotos im Internet betrifft.

Eine Snapchat-Aufnahme ist grundsätzlich mit einem Haltbarkeitsdatum versehen. Das heißt: Der Nutzer bestimmt beim Erstellen der Nachricht, wie lange sein Foto oder Video dem Empfänger gezeigt werden soll – mindestens eine, maximal zehn Sekunden sind möglich. Danach zerstört sich die Nachricht von selbst.

Doch was aufregend klingt und eher an einen Agententhriller, als an eine kostenlose Smartphone-App denken lässt, hat Tücken. Zwar versprechen die Betreiber, die übermittelten Bilder unmittelbar von ihren Servern zu löschen, doch ist es dem Empfänger eines Fotos durchaus möglich einen Screenshot zu erstellen.

Während die Mitteilung sich dann selbst zerstört, bleibt dieser auf dem Handy erhalten. Zwar erschwert die App das, indem sie den Nutzer zwingt einen Button gedrückt zu halten um die Fotos zu sehen und warnt einen Nutzer wenn doch eine Kopie seiner Nachricht erstellt wurde, doch zum Löschen ist es dann zu spät.

Snapchat gegen "Sexting"-Vermutung

Brisant ist dieses Detail, weil Snapchat gerade bei jungen Menschen einen Nerv trifft: "Sexting". Gemeint ist das Versenden erotischer Inhalte. So verbreiten Jugendliche und selbst Popstars wie Rihanna sexuell konnotierte Fotos über soziale Netzwerke.

Wozu ein solches Verhalten führen kann, zeigt der Fall des US-Kongressabgeordneten Anthony Weiner, der von seinem Amt zurücktreten musste, nachdem er ein Foto seiner prallen Unterhose über Twitter verbreitet hatte.

Dass "Sexting" nicht nur für Weiner ein Thema ist, verdeutlichen die rund 13 Millionen Resultate, die eine Google-Suche zu diesem Thema erzielt. Allerdings wehrt sich das Team hinter Snapchat erbittert gegen die Vermutung, dass über die App vornehmlich anstößige Bilder geteilt würden. Der überwiegende Teil der Bilder werde tagsüber verschickt und ihr Inhalt sei lustig und nicht sexuell, heißt es aus Snapchat-Kreisen.

50 Millionen Fotos werden täglich getauscht

In jedem Fall zeigt sich am Erfolg, dass gerade junge Nutzer nach wie vor gerne bereit sind, sehr private Informationen über das Internet zu verbreiten. Doch wer seine Bilder über Dienste wie Snapchat verschickt tut dies mit einem Risiko. Kopien können jeder Zeit erstellt und weiterverbreitet werden.

Es wäre ebenso denkbar, dass Dritte in den Besitz des Materials gelangen, das die Betreiber – wenn auch nur kurze Zeit – auf ihren Servern speichern. Bereits zerstörte Aufnahmen könnten dann im Netz die Runde machen.

50 Millionen Fotos täglich wurden im Dezember via Snapchat ausgetauscht. Zum Vergleich: Instagrams Nutzer laden täglich gerade einmal fünf Millionen Fotos hoch. Zwar wirft Snapchat bislang keinen Profit ab, allerdings sammelten die jungen Entwickler bei einer ersten Finanzierungsrunde im Herbst 2011 immerhin rund eine halbe Million Dollar. Bei einer aktuellen Finanzierungsrunde sollen Gerüchten zufolge mindestens acht Millionen Dollar zusammenkommen.

Kampfansage und Ritterschlag von Facebook

Schützenhilfe bekam Snapchat dabei jetzt ausgerechnet vom größten Konkurrenten. Facebook veröffentlichte mit dem Jahreswechseleine eigene Foto-App. Poke funktioniert auch unabhängig vom sozialen Netzwerk, seine Funktionen gleichen denen Snapchats bis ins Detail und auch Facebooks Gegenangriff ist kostenlos im App-Store verfügbar.

Das ist nicht nur eine klare Kampfansage aus Palo Alto, sondern vor allem ein Ritterschlag für die jungen Entwickler. Gerüchten Zufolge hat Facebook seine App innerhalb kürzester Zeit auf den Markt geworfen – von nur drei Wochen Entwicklungszeit ist die Rede. Mark Zuckerberg selbst soll auf die rasche Fertigstellung gedrängt haben.

Offenbar ist Facebooks CEO nicht bereit, alte Fehler zu wiederholen: Nach langem Zögern hatte Mark Zuckerberg für Instagram einen absurd hohen Preis bezahlt. Dass der Internet-Milliardär nun auf Konfrontationskurs geht, unterstreicht das enorme Potential, das Snapchat in der Branche zugesprochen wird. Der Kampf zwischen David und Goliath wird so zur Bewährungsprobe für Facebook.

Foto: Fotonauts Inc.

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