09.01.13

Konjunktur

Deutsche Wirtschaft hofft auf einen Mini-Boom

Zu Beginn des Jahres häufen sich die guten Nachrichten: Produktion, Exporte, Geschäftsklima – viele Konjunktur-Indikatoren geben Anlass zur Hoffnung auf einen kleinen deutschen Wirtschaftsboom.

Foto: dapd

Gute Konjunktur: Auch die Bauwirtschaft hat zuletzt zugelegt, allerdings nicht ganz so viel wie erhofft
Gute Konjunktur: Auch die Bauwirtschaft hat zuletzt zugelegt, allerdings nicht ganz so viel wie erhofft

Das neue Jahr beginnt mit einem Lichtblick für die deutsche Wirtschaft. Produktion, Exporte, Unternehmensstimmung – derzeit weisen viele wichtige Konjunkturboten aufwärts.

Damit steigt die Hoffnung, dass Deutschland schneller als erwartet die Belastungen durch die Euro-Krise überwinden kann und spätestens im kommenden Jahr wieder kräftiger wächst als zuletzt befürchtet.

Anlass zur Zuversicht boten unter anderem die vorläufigen Daten zur deutschen Produktion, die das Bundeswirtschaftsministerium nun vorlegte. Demnach ist die Produktion im November gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 0,2 Prozent gestiegen. Im Vormonat hatten die Experten noch einen Einbruch um 2,0 Prozent verzeichnet.

Allerdings produzierte die Industrie im Durchschnitt der Monate Oktober und November etwa drei Prozent weniger als noch im dritten Quartal. Entsprechend rechnen die meisten Ökonomen auch mit einem leichten Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das vierte Quartal.

"Die sich stabilisierenden Auftragseingänge machen aber Hoffnung, dass die Wirtschaft Anfang 2013 wieder wächst", kommentierte Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf die Zahlen.

"Das Stimmungstief ist überwunden"

Mit verhaltenem Optimismus sind auch die deutschen Exporteure ins neue Jahr gestartet. "Das Stimmungstief ist überwunden. Die Unternehmen erwarten, dass es – wenn auch in Trippelschritten – 2013 weiter aufwärts gehen wird", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner.

Konkret rechnet der BGA in seiner aktuellen Unternehmensbefragung für 2013 allerdings nur mit einem Mini-Wachstum. Der Umsatz werde um knapp ein Prozent auf 1,132 Billionen Euro zulegen. Im Vorjahr hatte die Branche noch ein Plus von 1,9 Prozent geschafft. Dennoch sei die erwartete schwarze Null bei der Umsatzentwicklung angesichts des schwierigen Umfelds nicht zu unterschätzen, sagte Börner weiter.

Im laufenden Jahr will die Branche, die 1,9 Millionen Menschen beschäftigt, rund 15 000 neue Jobs schaffen. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Beschäftigten sogar um 35.000 gestiegen.

Allerdings sieht sich die Branche wachsendem Konkurrenzdruck ausgesetzt. "Die Standortfrage kehrt zurück. Wichtige Indikatoren wie Arbeitskosten und Energiekosten zeigen, dass Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit verliert", warnte Börner.

Der Umfrage zufolge sieht sich mittlerweile fast jedes zehnte Unternehmen von der verbesserten Wettbewerbsposition der Konkurrenten bedrängt. Fast die Hälfte der Befragten ist überzeugt, dass Deutschland ohne strukturelle Reformen zurückfallen wird.

Besonders kritisch äußerten sich die Unternehmen dabei über steigende Arbeits- und Energiekosten in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone.

Zuversicht vom DIW

Zuversicht verbreitete unterdessen auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). In seinem aktuellen Konjunkturreport prognostiziert das Institut, dass die gebremste Dynamik der deutschen Wirtschaft nicht lange anhalten wird. Bereits in diesem Jahr dürfte das BIP den Prognosen zufolge um insgesamt 0,9 Prozent steigen, im kommenden Jahr sei sogar eine Rate von mehr als zwei Prozent möglich.

"Die wirtschaftliche Entwicklung ist in Deutschland noch immer erheblich kräftiger als im Rest der Währungsunion, obwohl die derzeit schwache Nachfrage aus Nachbarländern wie Frankreich und den Niederlanden die deutsche Wirtschaft belastet", sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.

"Die Nachfrage nach deutschen Exportprodukten steigt aber im Jahresverlauf 2013 wieder. Außerdem bleibe die Lage am Arbeitsmarkt gut, so dass die Konsumnachfrage kräftig zunehmen dürfte. Von der insgesamt guten konjunkturellen Situation profitiere auch der öffentliche Gesamthaushalt, der bereits im vergangenen Jahr mit einem Überschuss abschließen konnte.

Positives vermeldete auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem jüngsten Inflationsbericht. Demnach hat sich die Inflation weltweit zuletzt verlangsamt. Im November legte die Teuerungsrate um 1,9 Prozent zu, nach 2,2 Prozent im Oktober.

Entlastung brachte vor allem der in diesem Zeitraum niedrigere Anstieg bei den weltweiten Energiepreisen. Im Euro-Raum verlangsamte sich der Zuwachs der Inflationsrate von zuvor 2,5 auf 2,2 Prozent.

Auch in Deutschland ließ der Preisdruck etwas nach, die Teuerungsrate lag zuletzt bei 1,9 Prozent nach 2,0 Prozent im Oktober.

Keine weitere Senkung des Leitzinses

Trotz der rückläufigen Inflationsraten und der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Lage in weiten Teilen des Euro-Raums außerhalb Deutschlands rechnet die Mehrzahl der Ökonomen aber nicht damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer ersten Ratssitzung des neuen Jahres die Leitzinsen senken wird.

Führende Euro-Hüter hatten in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass nicht das Zinsniveau das Problem sei, sondern vielmehr die Tatsache, dass die extrem niedrigen Zinsen nicht dort ankämen, wo sie in der Wirtschaft benötigt würden.

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