07.01.13

Edelmetalle

Starinvestor sagt Einbruch des Goldpreises voraus

Aktuelle Umfragen zeigen ein steigendes Interesse der deutschen Sparer an Investments in Gold. Doch Experten zufolge springen sie zu spät auf den Zug auf. Die Ernüchterung könnte schon bald folgen.

Foto: Infografik Die Welt

Gold hat eine beispiellose Preisrallye hinter sich gelassen
Gold hat eine beispiellose Preisrallye hinter sich gelassen

Nichts währt ewig. Auch nicht die Rallye an Goldmarkt. Die könnte ein früheres Ende finden als angenommen. Das sagen zumindest namhafte Prognostiker voraus. Bereits vor einigen Tagen sorgte die US-Investmentbank Goldman Sachs für Unruhe am Markt, als sie für das erste Halbjahr 2013 eine Trendwende nach unten prophezeite. Nun stimmen weitere Banken in den Abgesang ein.

Der jahrelange Bullenmarkt bei Gold ist vorbei, sagt Rene Hochreiter, Vorstandsvorsitzender von Allan Hochreiter in Johannesburg, einem Finanzdienstleister der Minenindustrie. Hochreiter ist nicht irgendwer, sondern der weltweit treffsicherste Prognostiker. Bei der alljährlichen Umfrage der London Bullion Market Association für 2012 war er der Beste von allen. Behält Hochreiter recht, wird das anziehende US-Wirtschaftswachstum der Gold-Rallye dieses Jahr den Garaus machen.

Schlag für deutsche Anleger

Damit wäre die mittlerweile zwölf Jahre anhaltende Rallye beim Gold vorbei. Das Ende käme insbesondere für deutsche Privatanleger zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Viele Sparer haben erst kürzlich bekundet, einen größeren Teil ihrer Gelder ins Edelmetall zu investieren. Hauptmotivation ist die Euro-Krise, die viele Anleger um den Wert ihrer Ersparnisse bangen lässt. Druckt die Europäische Zentralbank immer mehr Geld, um Südeuropa zu retten, bietet das nicht beliebig vermehrbare Edelmetall einen sicheren Hafen, lautet die Überlegung.

Doch bereits seit vergangenen September müssen Investoren feststellen, dass der Edelmetall-Markt keine Einbahnstraße ist. Vor vier Monaten erreichte der Unzenpreis bei 1378 Euro einen Rekordstand. In Dollar liegt der historische Höchststand über ein Jahr weiter zurück. Im September 2011 markierte der Unzenpreis bei etwas 1921 Dollar seinen Höchststand.

Preissturz auf 1600 Dollar vorhergesagt

In diesem Jahr könnte der Goldpreis im Durchschnitt auf 1600 Dollar je Unze fallen, sagt Rene Hochreiter. 2012 lag der Jahresdurchschnitt noch bei 1668,75 Dollar. Das war über zwölf Monate gesehen ein Rekord. Hochreiter könne sich der Preis vielleicht noch mal bis 1700 Dollar aufbäumen, aber dann sei es vorbei mit der Herrlichkeit.

"Ich denke, die USA werden ihre Probleme lösen und die Wirtschaft wird sich wieder positiv entwickeln", begründet Hochreiter. Er hatte für das vergangene Jahr einen durchschnittlichen Goldpreis von 1650 Dollar je Unze prognostiziert und damit fast eine Punktlandung hingelegt. Am Montagabend notierte das gelbe Metall bei 1646 Dollar.

Optimisten sind noch nicht ausgestorben

An den Märkten gilt Gold als Krisenmetall, das von der Angst der Investoren lebt. Je nervöser die Anleger sind, desto größer die Nachfrage. Die Finanzinvestoren dominieren inzwischen den Unzenpreis und nicht mehr die Schmucknachfrage. Mehr als ein Drittel der Goldnachfrage kommt von Finanzvehikeln wie börsennotierten Goldfonds oder die Barrenhaltung ängstlicher Anleger.

Eine Erholung der Juweliernachfrage nach Gold würde nach Ansicht von Hochreiter nicht ausreichen, um den Aufwärtstrend bei Gold am Laufen zu halten, da die Preise stärker von Investments abhängen. "Der Preis ist eine Folge der Absicherung, der Dollar-Entwicklung, aber nicht der physischen Juweliernachfrage", sagt der Rohstoff-Experte.

Doch längst nicht alle Analysten sind so pessimistisch. Im Durchschnitt erwarten die Rohstoffexperten in den Bankhäusern zum Jahresende knapp 1900 Dollar und damit ein Plus von rund 15 Prozent. Sollten der Konsens Recht behalten, wäre es das 13. Jahr mit Kursgewinnen in Folge. Die Analysten der Deutschen Bank halten Ende Dezember sogar einen Unzenpreis von 2100 Dollar für möglich.

Verbinden Sie sich mit den Berliner Morgenpost-Autoren auf Twitter. Daniel Eckert twittert vor allem zur Entwicklung von Euro, Dollar, Gold und Yuan. Holger Zschäpitz hat vor allem die weltweite Verschuldung der Staaten im Blick.

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