07.01.13

Luftfahrt

Wer will, kann Air France als Billigflieger nutzen

Die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft Air France will Low Cost-Airlines wie Easyjet mit günstigen Flügen verstärkt die Stirn bieten. Dabei imitiert das Unternehmen das Modell der Konkurrenten.

Von Gesche Wüpper
Foto: AFP

Air-France-Flugzeuge und eine Alitalia-Maschine auf dem Pariser Flughafen Roissy Charles de Gaulle
Air-France-Flugzeuge und eine Alitalia-Maschine auf dem Pariser Flughafen Roissy Charles de Gaulle

Die finanziell angeschlagene französische Fluggesellschaft Air France hat Montag ein neues Billigflug-Angebot lanciert, um Low-Cost-Airlines wie Easyjet und Ryanair besser die Stirn bieten zu können. Das Modell orientiert sich an den Angeboten der Billig-Konkurrenz, denn bestimmte Optionen wie die Gepäckaufgabe soll es nur gegen einen Aufpreis geben.

Einfache Flüge innerhalb Frankreichs, Europas und nach Nordafrika sind bereits ab 49 Euro zu haben, also 20 Euro billiger als der bisher günstigste Tarif von Air France. Die Flüge zu insgesamt 58 Zielen können jedoch nicht umgebucht werden, und Vielflieger können mit ihnen auch keine Meilen sammeln.

Wer Gepäck aufgeben will, muss dafür 15 Euro zahlen, wenn er die Option im Internet oder per Telefon vorab bucht. Das Doppelte wird fällig, wenn er sich erst am Flughafen dazu entschließt. Dafür soll es Getränke, kleine Knabbereien und Zeitungen für die Fluggäste, die das Billigangebot nutzen, auch weiterhin kostenlos geben.

Es handele sich um zusätzliches Angebot, das das klassische Angebot von Air France nicht ersetzen solle, erklärte Florence Parly, bei Air France zuständig für das Passagiergeschäft ab Paris-Orly und anderen französischen Regionalflughäfen.

Airline leidet unter zu hohen Treibstoffkosten

Air-France-Chef Alexandre de Juniac betonte ebenfalls, dass das neue Angebot Teil des vor einem Jahr vorgestellten Sparplans Transform 2015 sei. Er sieht vor, die Produktivität bis 2015 um 20 Prozent zu steigern und Kosten in Höhe von zwei Milliarden Euro einzusparen.

Air France leidet genau wie andere klassische europäische Airlines unter den hohen Treibstoffkosten. Zusätzlich dazu macht der Fluggesellschaft auf den Kurz- und Mittelstrecken die verstärkte Konkurrenz der Billig-Anbieter wie Easyjet zu schaffen.

Air France hatte deshalb im Sommer angekündigt, rund 5000 Stellen streichen zu wollen. Zusätzliche Stellenkürzungen seien durch das neue Billig-Angebot jedoch nicht zu erwarten, erklärte Air-France-Chef Juniac.

Lufthansa hatte kürzlich ebenfalls den Ausbau ihres Billigflug-Segments angekündigt. Die deutsche Airline will dabei jedoch das Billig-Segment von der Hauptmarke abtrennen und einen Teil der Flüge abseits ihrer großen Drehkreuze nur noch über ihre Billig-Tochter Germanwings anbieten.

Fluggesellschaft dementiert Interesse an Alitalia

Air France hat im Kampf gegen die Low Cost-Airlines bereits die drei Flughäfen Toulouse, Marseille, Nizza zu günstigeren Drehkreuzen umfunktioniert. Darüber hinaus will die Fluggesellschaft seine Charter-Tochter Transavia ebenfalls als Billigmarke ausbauen und ihre Regionaltöchter Britair, Régional und Airlinair fusionieren. Die neue Einheit soll Ende Januar vorgestellt werden.

Gerüchte, das Modell der günstigeren Drehkreuze in Toulouse, Nizza und Marseille funktioniere nicht, dementierte Air France. Airline-Chef Alexandre de Juniac kündigte an, er werde im September eine Bilanz ziehen. Er dementierte auch Medienberichte, Air France verhandele über die Übernahme der Mehrheit an der italienischen Fluggesellschaft Alitalia.

Air France hält 25 Prozent des Alitalia-Kapitals. Am 13. Januar endet die Frist, innerhalb der Alitalia-Aktionäre ihre Anteile nicht verkaufen konnten. Die finanziellen Mittel von Air France seien sehr begrenzt, erklärte de Juniac. Die Fluggesellschaft könne sich eine solche Übernahme nicht leisten.

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