07.01.13

Autobauer

Chinesen greifen nach dem Daimler-Konzern

Nach dem Rückzug der Scheichs aus Abu Dhabi will ein chinesischer Staatsfonds bei Daimler einsteigen. Die Beteiligung soll einen Marktwert von bis zu 4,5 Milliarden Euro haben.

Foto: dpa

Mercedes-Stern auf dem Bahnhofsturm des Hauptbahnhofs in Stuttgart. Ein guter Teil des Daimler-Konzerns soll in die Hände eines chinesischen Staatsfonds fallen
Mercedes-Stern auf dem Bahnhofsturm des Hauptbahnhofs in Stuttgart. Ein guter Teil des Daimler-Konzerns soll in die Hände eines chinesischen Staatsfonds fallen

Folgen auf die Scheichs die Chinesen? Nach dem Rückzug von Daimlers größtem Einzelinvestor aus Abu Dhabi könnte der Autobauer laut einem Bericht einen neuen Großaktionär in China gefunden haben.

Wie die staatliche chinesische Zeitung "People's Daily" unter Berufung auf Insider schrieb, will der Staatsfonds China Investment Cooperation (CIC) 4 bis 10 Prozent der Daimler-Anteile kaufen. Auf Basis des derzeitigen Daimler-Kurses wäre das ein Marktwert von etwa 1,8 bis 4,6 Milliarden Euro. Der Fonds habe den Bericht nicht kommentieren wollen, schreibt das Blatt.

Investoren aus China willkommen

Eine Sprecherin des Dax-Konzerns sagte, dass Daimler wie üblich "Medienspekulationen" nicht kommentiere. Zum Thema generell sagte sie: "Wir heißen immer neue Investoren willkommen, da wir an einer ausgewogenen Aktionärsstruktur interessiert sind."

Ganz ähnlich hatte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche vor wenigen Tagen in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" geäußert: "Generell wollen wir so attraktiv für potenzielle Investoren sein, dass wir mehr langfristige Aktionäre für uns gewinnen. Dabei sind uns auch Investoren aus China willkommen."

Strategische Bedeutung

Eine mögliche Beteiligung aus dem Riesenreich hätte für Daimler auch eine strategische Bedeutung, denn auf dem wichtigen Zukunftsmarkt schwächelt das Unternehmen und fährt der Konkurrenz spürbar hinterher. Ein engerer Kontakt zur Führung des zentralistisch gesteuerten Staates wäre da womöglich von Vorteil für die Vorhaben in der Zukunft.

Daimler hatte Ende 2012 angekündigt, viel Geld in eine Reform des China-Vertriebsnetzes zu stecken. Und mit Hubertus Troska gibt es seit kurzem einen eigenen China-Vorstand.

Aktienkurs steigt

Im Gegensatz zu den Autobauern BMW oder VW, die mit der Familie Quandt beziehungsweise den Familien Porsche/Piëch und dem Land Niedersachsen große Ankeraktionäre im Boot haben, befinden sich die Daimler-Aktien weitgehend im Streubesitz. Daimler könnte damit zum Ziel einer feindliche Übernahme werden, insbesondere wenn der Aktienkurs stark fallen sollte.

Nach dem Medienbericht aus China legten die Daimler-Aktien am Montag in einem allgemein eher schwächelnden Dax-Umfeld zu und nahmen teils die 43-Euro-Hürde. Ähnlich viel wert waren die Papiere zuletzt im Frühling 2012.

Kuwait ist größter Investor

Im vergangenen Oktober hatte der Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi seine verbliebenen Stimmrechtsanteile abgestoßen und hat nun nur noch indirekt über Finanzinstrumente Zugriff auf Daimler-Papiere. Kuwait ist seither mit knapp acht Prozent der größte Daimler-Investor.

Bereits Ende 2011 hatte es in Deutschland Spekulationen um einen CIC-Einstieg bei Daimler gegeben. Damals hatte das "Manager Magazin" unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, dass man einen chinesischen Investor für eine fünf- bis zehnprozentige Beteiligung suche. CIC galt schon damals als Favorit.

Quelle: Reuters/dpa/dma/cat
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Daimlers Aktionärsstruktur
  • Streubesitz

    Anders als bei Konkurrenten wie Volkswagen oder BMW befinden sich die Aktien des Autobauers Daimler weitgehend im Streubesitz. Dritte könnten so leichter die Macht übernehmen.

  • Investoren

    Nach dem Ausstieg des arabischen Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi ist Kuwait Daimlers größter Investor – mit 7,6 Prozent direktem Anteilsbesitz. Renault und Nissan besitzen jeweils 1,54 Prozent des Aktienpakets. Den größten Anteil halten institutionelle Investoren wie Banken mit insgesamt 68,8 Prozent. Private Aktionäre sind mit 20,5 Prozent an Daimler beteiligt.

  • Rivalen

    Andere deutsche Autobauer haben solide Ankerinvestoren: BMW hat die Familie Quandt im Boot, die fast die Hälfte der Papiere besitzt. Europas größter Autobauer Volkswagen etwa ist über den Familienclan Porsche/Piëch und das Bundesland Niedersachsen abgesichert. dpa

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