06.01.13

Elektroschrott

Warum Tablets und Handys so schnell kaputt gehen

Hersteller achten darauf, dass Elektronik-Geräte nicht lange halten – und dass die Besitzer sie auch nicht reparieren können.

Von Benedikt Fuest
Foto: Getty Images

Ein Haufen Elektroschrott: Vor allem Handys sind meist schon nach wenigen Monaten veraltet – und nach zwei bis drei Jahren kaputt
Ein Haufen Elektroschrott: Vor allem Handys sind meist schon nach wenigen Monaten veraltet – und nach zwei bis drei Jahren kaputt

Moderne Laptops, Smartphones und Tablet-PCs sind für gewöhnlich erstaunlich robust entworfen. Gehäuse aus Metall oder Oberflächen aus Keramik verheißen eine lange Lebensdauer. Doch der Eindruck täuscht, die neuen Designs sind nicht so langlebig, wie sie aussehen – dafür sorgen die Hersteller teilweise selbst.

Sie schließen Altgeräte von wichtigen Software-Updates aus (Nokia Lumia 900) und verkleben Verschleißteile wie den Akku nicht auswechselbar im Gehäuse (Apple), sie erschweren Reparaturen (Toshiba) oder machen sie wirtschaftlich unsinnig (Samsung). Fazit: Wer mehrere Hundert Euro für ein Elektronikgerät ausgibt, kann nicht damit rechnen, es länger als drei Jahre verwenden zu können.

Auch wenn mancher Konsument tatsächlich jede neue Gerätegeneration sofort haben will, sind doch zahllose Verbraucher verärgert. Sie würden die Technik länger nutzen – wenn das ginge. So liegen 86 Millionen Handys ungenutzt in deutschen Haushalten, neben 20 Millionen ausrangierten Computern. Nur jedes vierte alte Handy wird recycelt.

"Planned obsolence" heißt der künstliche Alterungsprozess, an dessen Ende ein Berg Elektroschrott steht. "Wir werfen den Herstellern nicht vor, die rasche Alterung ihrer Produkte schon bei der Entwicklung zu planen. Doch sie nehmen sie mehr oder weniger bewusst in Kauf und achten beim Design nicht sonderlich auf Langlebigkeit", sagt Hyewon Seo vom Verbraucherzentralen-Bundesverband in Berlin.

Drohung wegen Reparatur-Tipps

Wer etwas dagegen tun will, muss mit Widerstand rechen. Der australische IT-Spezialist Tim Hicks bekam im Juli einen Brief vom Laptop-Hersteller Toshiba: Er solle gefälligst Reparaturanleitungen für Toshiba-Laptops von seiner Internet-Seite entfernen, andernfalls würden rechtliche Schritte eingeleitet.

Hicks sammelte auf seiner Seite"Tims Laptops Service Manuals" Reparaturanleitungen für Laptops und Tablets, und stellte diese kosten- und werbefrei zur Verfügung. Über 10.000 Nutzer griffen pro Tag zu. Das passte Toshiba nicht. Der Konzern will offenbar verhindern, dass die Nutzer ihre Rechner selbst reparieren. Hicks blieb nichts anderes übrig, als die Anleitungen zu löschen.

Doch die Hersteller entwerfen ihre Geräte ohnehin oft so, dass sie nicht zu reparieren sind. Apple etwa macht seine Tablets mit jeder Generation dünner, aber auch schwerer zugänglich: Nur wer einen Spezialschraubenzieher erwirbt, kann sein Apple-Gerät überhaupt öffnen. Die neuesten iPads gehen noch einen Schritt weiter: Das Displayglas und das darunter liegende Gehäuse sind verklebt – so kann Apple noch dünner bauen.

Die Folge: Zerbricht das Deckglas, wird gleich der Austausch des kompletten Bildschirms fällig. Auch die Akkus werden in vielen neuen Smartphones und Tablets allesamt mit dem Gehäuse verklebt. Ähnlich bei den Macbooks: Im Jahr 2008 war der Akku des Aluminium-Unibody-Macbooks noch austauschbar, nun muss das Gerät eingeschickt werden, Kosten: 129 und 199 Euro.

Kleben statt schrauben

Der US-ErsatzteilanbieteriFixit beurteilt Mobilgeräte danach, wie einfach sie zu reparieren sind. Neue Apple-Geräte bekommen meist nur zwei von zehn möglichen Bewertungspunkten. Das Umweltbundesamt überlegt nun, Mobilgeräte mit fest verbauten Akkus zu verbieten. Auch Samsungs Ingenieure kleben beim Modell Galaxy SIII. Beide Hersteller bieten im Fall der Reparatur teure Pauschalen an, statt den tatsächlichen Arbeitsaufwand abzurechnen. So werden für einfache Reparaturen 150 bis knapp 300 Euro fällig.

Ärgernis Software

Wenn das neueste Mobil-Betriebssystem nicht mit dem alten Handy kompatibel ist und die Hersteller keine Updates liefern, werden technisch einwandfreie Geräte zu Sondermüll. Der Update-Zyklus ist bei diesen Mobilgeräten zudem deutlich schneller als bei Laptops: Während ein vor fünf Jahren gekaufter Laptop problemlos mit aktuellen Betriebssystemen und PC-Programmen klarkommt, scheitert das iPad der ersten Version aus dem Jahr 2010 bereits am aktuellen Mobilbetriebssystem iOS 6.

Das iPad der zweiten Generation schafft zwar den Sprung aufs neue iOS noch. Dafür funktioniert der digitale Sprachassistent "Siri" bei Apples zweitem iPad nicht.

Schlimmer noch fällt die Software-Unterstützung im Androidenlager aus: Dort vernachlässigen Samsung, Sony und HTC es meist lange, ihre Adaptionen von Googles freiem Android-System auf den neuesten Stand zu bringen – während Googles eigene Nexus-Geräte meist schnell die neueste Version bekommen, warten viele Samsung-, Sony- oder HTC-Kunden mit nur wenige Monate alten Geräten vergeblich.

Das Ergebnis: Im Oktober lief die inzwischen über ein Jahr alte Version 4 von Android auf nur einem Viertel aller Geräte. Wer kein Update bekommt, kann die neuesten Applikationen nicht nutzen und sieht sich zudem längst bekannten Sicherheitslücken ausgeliefert.

Behörde will austauschbare Akkus

Trotzdem kaufen die Deutschen alle zwei Jahre ein neues Gerät. "Eine gesellschaftliche Debatte darüber, ob diese Art von Massenkonsum angesichts schwindender Ressourcen zeitgemäß ist, findet leider nicht statt", kommentiert Expertin Seo. Das gilt nicht nur für Deutschland. 40 Millionen Tonnen Elektroschrott fallen aktuell laut UN jedes Jahr weltweit an. Die EU scheint einen ersten wichtigen Schritt zu gehen, sie verlangt bis 2014 bessere Recycling-Methoden.

Matthias Groote (SPD) fordert eine Kennzeichnung, an der sich ablesen lässt, wie gut ein Elektrogerät zu recyceln ist. "Eine solche Kennzeichnung könnte ein Ansporn für die Hersteller sein, schon bei der Konstruktion das Recycling vorzubereiten." Die Recyclingfähigkeit würde so zum Wettbewerbsvorteil.

Jochen Flasbarth, Chef des Umweltbundesamtes, will sicherstellen, dass wenigstens die Akkus auch während der Nutzungsphase gewechselt werden können. "Die Nutzungsphase eines Geräts darf nicht durch die Lebenszeit eines besonders verschleißanfälligen Akkus bestimmt werden."

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Wohin mit dem Elektroschrott?
  • Professionelle Entsorgung

    Alte Handys und Computer dürfen nicht einfach in den Hausmüll geworfen werden. Wie andere Elektrogeräte müssen auch sie professionell entsorgt werden. Verlässliche Rücknahmestellen sind etwa kommunale Sammelstellen wie Wertstoffhöfe. Dort können die Geräte in der Regel kostenlos abgegeben werden. Auch Elektromärkte oder Mobilfunk-Anbieter nehmen Altgeräte zurück. Hersteller bieten in manchen Fällen Rücknahme-Aktionen an. Mitunter gibt es Sammlungen von Umwelt-Initiativen, etwa für Althandys. Ähnlich wie beim Sperrmüll sammeln manche Kommunen Altgeräte vor den Haustüren ein.

  • Spende

    Viele Geräte, die entsorgt werden, sind noch funktionsfähig. Sie eignen sich folglich auch als Reserve, falls etwa ein Handy verloren geht. Solche Geräte können auch verkauft oder gespendet werden. Soziale Organisationen nehmen alte Kommunikationselektronik oft gern entgegen, um sie entweder in den eigenen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen oder an Leute mit schmalem Geldbeutel weiterzuverschenken – teilweise auch in Entwicklungsländern.

  • Daten löschen

    Vor der Weitergabe sollten jedoch alle persönlichen Daten wie Adressbücher und E-Mails von Altgeräten gelöscht werden. Bei Smartphones genügt es meist, die Geräte auf Werkseinstellungen zurückzusetzen oder die Betriebssoftware neu aufzuspielen.

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