04.01.13

Bosporus als Ziel

Frankreichs Luxusfirmen umwerben reiche Türken

Frankreichs Luxusfirmen wollen neue Märkte erobern. Ihr nächstes Ziel: die Türkei. Die Hoffnungen ruhen auf Istanbul, doch die Hürden sind hoch, vor allem für die Genussware schlechthin: Champagner.

Von Gesche Wüpper
Foto: picture-alliance / Bildagentur H

Hort des Pariser Luxus’: das Kaufhaus Les Galéries Lafayette
Hort des Pariser Luxus': das Kaufhaus Les Galéries Lafayette

Der Ort war mit Bedacht gewählt. Nicht irgendwo in Paris, sondern in einem Stadtpalast, der einst den Camondos gehörte, stellte die Vereinigung französischer Luxusgüterfabrikanten ihre Pläne vor. Die jüdische Bankiersfamilie war 1868 von Istanbul nach Frankreich übergesiedelt. Die französische Luxusgüterindustrie will nun den entgegengesetzten Weg wählen – und den türkischen Markt erobern.

Denn das rasante Wachstum, das Schwellenländer wie China, Brasilien, Indien und Russland in den letzten Jahren verbuchten, hat sich inzwischen abgeschwächt. Die französische Luxusgüterindustrie hat deshalb längst neue Ziele ins Visier genommen, die die BRIC-Staaten in Zukunft als Wachstumsmotor ablösen sollen. Ägypten, Indonesien, Kolumbien, Südafrika, Türkei und Vietnam heißen die neuen Hoffnungsträger.

Bei der Eroberung der neuen Märkte setzt das Comité Colbert, eine Vereinigung, die 75 französische Luxusgüter-Häuser wie LVMH, Chanel, Hermès und Cartier mit einem Gesamtumsatz von zusammen 31 Milliarden Euro vertritt, auf kulturelle Veranstaltungen, um für die französische Lebensart zu werben. Istanbul heißt ihr nächstes Ziel. So organisiert das Comité Colbert zusammen mit 24 französischen Luxus-Marken diesen Monat Ausstellungen und Konferenzen in der türkischen Hauptstadt.

Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Kultur

"Unsere Strategie ist, den kulturellen Aspekt der Luxusgüterindustrie in den Vordergrund zu stellen", erklärt Elisabeth Ponsolle des Portes vom Comité Colbert. Die Branche sei eine Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Kultur. "In den letzten zehn Jahren haben wir uns auf die Wachstumsmärkte konzentriert, doch wir müssen jetzt darüber nachdenken, wer sie ablösen kann."

Dabei hat die Türkei ihrer Ansicht nach großes Potenzial, da die Wirtschaft des Landes in den kommenden Jahren um fünf bis acht Prozent jährlich wachsen dürfte. Zudem etabliere sich Istanbul immer mehr als Reiseziel, das reiche Kunden aus der Golf-Region und benachbarten Ländern wie Armenien, Kasachstan und Usbekistan anlocke, erklärt Elisabeth Ponsolle des Ports.

Noch tragen türkische Kunden gerade mal zwei Prozent zum Umsatz der im Comité Colbert vertretenen Unternehmen bei. Doch der Markt für Luxusgüter dürfte stark wachsen, meint sie: "Wir denken, dass er sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln wird."

Allerdings gibt es dabei einige Hürden zu überwinden, da importierte Luxusgüter stark besteuert werden, wenn auch nicht ganz so hoch wie in Indien. So gilt für Luxuswaren zusätzlich zur Mehrwertsteuer von rund 18 Prozent eine Sondersteuer von 20 Prozent. Für Champagner wird sogar ein zusätzlicher Aufschlag von 300 Prozent verlangt.

China bleibt der wichtigste Markt

Die Luxusgüter-Vereinigung will diesen Monat mit der türkischen Regierung über den möglichen Abbau steuerlicher Hürden, aber auch über die Bekämpfung der in der Türkei verbreiteten Produktfälschungen sprechen. Dabei erhält das Comité Colbert schlagkräftige Unterstützung, denn der Delegation, die zum Auftakt der Veranstaltungen nach Istanbul reist, gehören neben Außenhandelsministerin Nicole Bricq auch 25 Chefs von Unternehmen aus der Luxusgüterbranche an.

Trotz der guten Aussichten für die Türkei dürfte China der wichtigste Markt für Luxusgüterhersteller wie LVMH, PPR und Hermès bleiben. So geht die Unternehmensberatung McKinsey in einer neuen Studie davon aus, dass 2015 gut 34 Prozent der Luxusgüter weltweit von chinesischen Kunden gekauft werden – entweder in ihrer Heimat oder auf Reisen.

Bereits 2012 waren Verbraucher aus dem Reich der Mitte mit 27 Prozent diejenigen, die weltweit die meisten Luxusgüter erwarben. Insgesamt wird der weltweite Markt für Luxusgüter auf 145 Milliarden Dollar (111 Milliarden Euro) geschätzt. Der chinesische Markt für Luxusgüter dürfte auch in Zukunft wachsen, glaubt McKinsey. Zwar nicht mehr um 16 Prozent bis 20 Prozent jährlich wie zuletzt, aber bis 2015 immerhin um zwölf bis 16 Prozent pro Jahr. Denn der Wohlstand der chinesischen Bevölkerung nimmt weiter zu, genau wie die Mittelklasse.

Weniger Protz?

Bei ihnen hat die Unternehmensberatung Bain & Company einen neuen Trend ausgemacht. Kunden aus Shanghai und Peking setzen verstärkt auf edles Understatement und wenden sich deshalb von Produkten mit protzigen Logos ab. Stattdessen bevorzugen sie diskretere und seltene Luxusprodukte. Diese Tendenz ist auch weltweit zu beobachten. Es gibt den Luxus für Jedermann und den für die (noch) Besserbetuchten, die Kenner. Je rarer ein Produkt, desto gefragter.

Hermès weiß das besser als jeder anderer Produzent. Obwohl die Wartezeiten für handgefertigte Kelly-Handtaschen mehrere Monate betragen, sind sie gefragt wie kaum ein anderes Modell. Während andere, erschwinglichere Edelmarken wie Burberry und Mulberry Warnungen abgaben oder wie Tiffany einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen mussten, konnte Hermès sein Gewinnziel sogar anheben.

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