06.01.13

Verrückt in L.A.

Auf diesen Porsche-Freak fährt sogar Madonna ab

Der Brite Magnus Walker ist Modemacher für Pop- und Rockgrößen und vielleicht der schrillste Porsche-Sammler der Welt. Das wichtigste Stück seiner Sammlung ist jedoch unauffindbar.

Foto: DutschmanPhoto

Magnus Walker mag zwar aussehen wie ein windiger Gebrauchtwagenhändler, doch der Brite besitzt eine spektakuläre Porsche-Sammlung.

13 Bilder

Es eine alltägliche Geschichte. Ein kleiner Junge sieht ein besonderes Auto und gibt so lange keine Ruhe, bis er es als erwachsener Mann irgendwann in der eigenen Garage stehen hat. Doch wenn das Auto ein Porsche ist, aus dem Jungen erst ein Modemacher und dann ein Millionär geworden ist, dann wird die Story spannend.

Und wenn dann auch nicht von einem, sondern von mehr als drei Dutzend Sportwagen die Rede ist und ihr schwerreicher Besitzer wie eine Mischung aus Bob Marley und Harry Rowohlt aussieht, dann ist die Rede von Magnus Walker, dem vielleicht schrägsten Porsche-Sammler der Geschichte.

Die Leidenschaft des Briten wurde bei einem Besuch der London Motor Show 1977 geweckt. Gemeinsam mit seinem Vater warf er dort, in Earls Court, den ersten Blick auf einen weißen Porsche-Turbo mit Martini-Rennlackierung – und war verzaubert. "Bei uns in Sheffield bekam man nicht oft einen Porsche zu Gesicht. Aber dieser hier wurde auf den ersten Blick mein Traumwagen. So einen musste ich haben", sagt Magnus Walker.

Liebe auf den ersten Blick

Er rühmt den Sportwagenhersteller für seine Treue zum Original und seine ikonhaften Formen. "Das ist, was einen Porsche auszeichnet. Jeder erkennt ihn wieder, und zwar seit jetzt schon fast 50 Jahren." Zwar laufen die Modelle heute intern unter den Bezeichnungen 964, 993 und 997. "Doch jeder weiß, was er sich unter einem 911 vorzustellen hat."

Nach der ersten Begegnung mit einem Porsche hängt der junge Magnus gleich ein Turbo-Poster über seinem Bett auf. Doch bis zum ersten Porsche muss sich Walker noch einige Jahre gedulden.

Zuerst macht er seine Schule fertig, geht als Betreuer in ein Feriencamp in die Vereinigten Staaten und erlebt dort, was man gemeinhin den "American Dream" nennt. Weil er nach dem Camp in Los Angeles hängen bleibt und ein Händchen für Design und Mode hat, entwirft und schneidert er ein paar Klamotten, die großen Anklang bei der amerikanischen Rock- und Pop-Elite finden.

Mode für Madonna

"Von Madonna bis Alice Cooper hatten schon alle meine Sachen an", sagt Walker. So macht er aus nichts ein Vermögen und leistet sich mit 25 Jahren tatsächlich seinen ersten Porsche. Allerdings ist es weder einer der ersten aus dem Baujahr 1964 noch der 1977er-Martini-Porsche aus London. Zunächst muss er sich mit einem 74er-Modell begnügen.

Das Geld, das der heute fast 50 Jahre alte Walker mit seiner Mode verdient hat, investierte er in eine Häuserzeile in der Innenstadt von Los Angeles – zu einer Zeit, als man sich dort nach Einbruch der Dunkelheit kaum ohne Polizeischutz sehen lassen konnte. Seitdem gehörte das Platzproblem der Vergangenheit an. Unter einem Dach konnte er seine Mode schneidern und seine Autos parken und polieren. Trotzdem blieben ihm noch ein paar Tausend Quadratmeter zum Wohnen.

Vermietung an Filmcrews

Mittlerweile ist die Innenstadt von Los Angeles wieder sicherer und das Viertel um Walkers Straßenzug eine angesagte Film-Location. Wo man auch hinschaut, sieht man Studio-Busse, Übertragungswagen und Kamerafahrzeuge, die hier für Hollywood Filme, Fernsehsendungen, Shows oder Werbespots produzieren.

"Da habe ich gemerkt, dass es rentabler ist, wenn ich meine Wohnung als Filmset vermiete", erzählt Walker. Jetzt muss er zwar ein paar Minuten laufen, bis er in seinem Atelier und in seiner Garage ist. "Aber dafür verdiene ich mehr Geld, als ich für meine alten Porsche je ausgeben kann. Schließlich ist das ja nur ein Hobby." Allerdings eines, das ihm so langsam über den Kopf wächst.

Denn mit dem einen Porsche, den er sich 1992 gekauft hat, war es nicht getan. Noch lange nicht. "Irgendwann habe ich mir in den Kopf gesetzt, dass ich jeden Porsche haben muss – von 1964 bis 1973." Den 1973er muss er noch finden. Aber die schwierigste Aufgabe ist bereits geschafft: der 1964er.

Über 40 Porsche gekauft

"Davon wurden nur 232 gebaut. Und lediglich von 59 weiß man sicher, dass sie überlebt haben", sagt Walker. "Deshalb musste ich verdammt lange suchen, bis ich so einen hier in der Garage hatte", sagt er und schaut ganz verliebt auf das graue Coupé, das gerade unter einer weißen Plane überwintert. "Erst dann konnte ich wieder ruhig schlafen." Das war der Grundstock für eine Sammlung, die seitdem wächst und wächst.

Weil irgendwo in seiner verschachtelten Häuserzeile immer noch ein Porsche auftaucht, es auf der anderen Straßenseite auch noch Hallen und Hebebühnen gibt und es so wirkt, als wäre es Magnus Walker ohnehin nicht so wirklich wichtig, will er über seinen aktuellen Fahrzeugbestand keine genaue Auskunft geben. "Insgesamt habe ich sicher schon mehr als 40 Porsche gekauft. Aber wie viele ich im Augenblick besitze, und wie viele davon auch fahren, das weiß ich beim besten Willen nicht. Jedenfalls muss ich nicht laufen."

Nachdem ihn seine Sammlung bislang vor allem Geld gekostet hat, schlägt er mittlerweile auch ein wenig Profit aus seinen Sportwagen. Restaurierungsaufträge nimmt er zwar keine an. Aber wenn jemandem die Autos gefallen, die Walker für sich aufgebaut hat, dann verkauft er sie auch weiter. "Ich kann mir ja immer wieder einen neuen bauen und ihn noch schöner machen", sagt der Sammler. So ganz genau nimmt er es dabei jedoch nicht immer und mischt auch schon mal wild zwischen den Baujahren.

Bauteilen aus verschiedener Baujahre

Fahrspaß scheint ihm wichtiger zu sein als die historischen Feinheiten. "Ich arbeite nicht mit Wattestäbchen und weißen Handschuhen, sondern will Autos, mit denen man nachher auch richtig fahren kann." Dass sich Porsche-Puristen daran stören, dass er einen vom 356er inspirierten Heckdeckel für den Elfer entwickelt hat, zwecks Leichtbau die Türgriffe perforiert oder auch mal an den Motoren feilt, kann Walker gut verstehen. Aber er sieht das mit der amerikanischen Lässigkeit, die dem Briten mittlerweile eigen ist: "Alles, was du mit einem Porsche machst, ist in Ordnung – solange du Spaß mit dem Auto hast."

Mittlerweile verdient Walker nicht nur an den Porsche-Restaurierungen, sondern zum ersten Mal führt er Hobby und Beruf zusammen und hat rund um seine Elfer eine Modekollektion namens "Urban Outlaw" aufgelegt. Um das bekannt zu machen, hat er im Internet einen gleichnamigen Film veröffentlicht, der jedoch mehr Motoren als Mode zeigt und die ganze Sache erst so richtig ins Rollen gebracht hat. Nicht umsonst hat der 30-Minuten-Streifen auf diversen Portalen mittlerweile mehrere Millionen Klicks und Walker ständig irgendwelche Autofans vor der Haustür.

Outlaw im Mutterland des Tempolimits

Urban Outlaw – das ist aber nicht nur der Name von Walkers neuer Modekollektion, die er rund um seine Porsche-Träume gestrickt hat. Für ihn ist es notgedrungen auch ein Lebensstil. Denn ganz so eng darf man die Sache mit den Gesetzen nicht sehen, wenn man in und um Los Angeles Spaß mit einem Porsche, ganz gleich welchen Baujahres, haben will. Nicht umsonst gilt Amerika als Mutterland des Tempolimits.

Aber wie die zahlreichen Filme beweisen, die man mittlerweile von ihm bei YouTube & Co findet, lässt sich Walker davon nicht abhalten: heiße Rennen in den Hollywood Hills, mit Vollgas über den Pacific Coast Highway, im Drift durch Downtown. Selbst eine Autobahnauffahrt wird für Walker zur Sonderprüfung, wenn er mit einem seiner Elfer unterwegs ist. "Mit der richtigen Einstellung hat man in einem Porsche auf jeder Straße seinen Spaß", sagt Walker und zuckt mit den Schultern.

Preise haben sich mehr als verdoppelt

Der zottelige Modemacher nimmt seine Elfer jedoch nicht nur für sportliche Ausfahrten, sondern auch als echte Alltagsautos: "Ich fahre sie jeden Tag und erledige damit alles, was ansteht." Selbst für die Fahrt zum Baumarkt sind ihm die Sportwagen nicht zu schade. Nur wenn seine Frau mitwill, muss er umsteigen: Weil sie den Elfer nicht leiden kann, sitzt Walker dann auf dem Beifahrersitz eines BMW 3er. "Immerhin auch ein deutsches Auto", sagt der englische Porsche-Fan höflich.

Dabei hat seine Vorliebe für Porsche nichts mit falschem Patriotismus zu tun. Walker hatte in seiner Garage schon so ziemlich jeden älteren Sportwagen, fuhr mal Mustang oder Ferrari, Jaguar oder Jensen. "Aber irgendwie bin ich am Ende immer wieder bei Porsche hängen geblieben. Damit hat schließlich auch alles angefangen."

Absage aus Zuffenhausen

Seine Sammlung ist zwar noch nicht komplett. Aber seine größten Porsche-Träume hat sich Magnus Walker mittlerweile erfüllt. "Außerdem gehen die Preise für die frühen Elfer so langsam durch die Decke und haben sich in den vergangenen zwei, drei Jahren mehr als verdoppelt", sagt Walker. Deshalb weicht er jetzt schon auf jüngere Modelle wie die frühen Turbos aus, "weil die hier bei uns in Amerika noch zu vernünftigen Preisen zu bekommen sind". Und natürlich braucht er auch noch den weißen Martini-Porsche von 1977, der ihm das alles eingebrockt hat.

An Nachschub herrscht also kein Mangel, an Platz aber auch nicht. Doch so ein riesiges Areal und so eine große Kollektion haben auch ihre Nachteile. Das muss selbst Walker einräumen. Denn ausgerechnet eine seiner wichtigsten Porsche-Devotionalien kann er partout nicht mehr finden: die Antwort auf jenen Brief, den er nach seinem so einprägsamen Besuch auf der Motor Show in Earls Court an Porsche geschrieben hat.

Während seiner Schulzeit hatte er sich bei Porsche in Zuffenhausen beworben und als höfliche Absage den freundlichen Rat bekommen, sich in etwas reiferem Alter noch einmal zu melden. Daran erinnert sich Walker noch gut. "Jetzt bin ich alt und reif genug. Aber mittlerweile ist die Einladung nach Stuttgart verschollen."

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