02.01.2013, 07:30

Härtere Kapitalregeln Top-Ökonom erwartet schrumpfende Bankenbranche

Do, 13.12.2012, 11.43 Uhr

Nach harten Verhandlungen einigten sich die Finanzminister die europäischen Großbanken unter eine gemeinsame Aufsicht der EZB zu stellen. Die Bankenaufsicht ist eine zentrale Baustelle der Eurozone.

Video: dapd
Beschreibung anzeigen

Die schärferen Kapitalvorschriften für Banken werden nach Ansicht von Top-Ökonom Fuest die Branche verkleinern. Das sei eine gute Nachricht. Zu viele Geldhäuser hätten von Subventionen profitiert.

Der Ökonom Clemens Fuest hält die Einführung härterer Eigenkapitalregeln für europäische Banken für einen richtigen Schritt. "Dadurch, dass jetzt mehr Eigenkapital verlangt wird, ist es klar, dass die Branche schrumpft", sagte der Oxford-Professor.

"Das ist auch gut so", fügte Fuest hinzu, der ab März 2013 das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim leiten wird. Denn die Branche sei durch versteckte Subventionen in Form staatlicher Garantien bevorteilt worden.

Basel III verlangt mehr Eigenkapital

Das sei durch die neuen Anforderungen vorbei. Die Banken müssten selbst mehr Kapital vorhalten und seien damit robuster aufgestellt für die Zukunft. "Für eine Bankenindustrie, die wettbewerbsfähig ist, wird es eine Zukunft geben", sagte Fuest.

Mit dem neuen Regelwerk namens Basel III sollen die Geldinstitute verpflichtet werden, deutlich mehr Eigenkapital vorzuhalten, als es bislang der Fall war. So soll verhindert werden, dass sie mit dem Geld des Steuerzahlers gerettet werden müssen, falls sie in Schieflage geraten.

Branche braucht Grenzen

Nach der Krise 2008 mussten die Steuerzahler mit Garantien in Milliardenhöhe einspringen, um den Fall wichtiger Geldinstitute zu verhindern. Angesichts des negativen Bankenbildes nach der Krise sagte Fuest: "Es ist eine Branche, die man nicht verteufeln sollte. Aber eine, der man Grenzen setzen und sagen muss, dass sie ihr Geschäftsmodell nicht auf versteckte staatliche Hilfen in Form von Haftungszusagen stützen kann."

Bei der gemeinsamen europäischen Bankenaufsicht, die unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) entstehen soll, sieht er allerdings noch offene Fragen. "Grundsätzlich halte ich die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Bankenaufsicht für gut", sagte er. "Was sind zum Beispiel die Bedingungen dafür, dass die EZB ein Verfahren an sich ziehen kann", frage er sich aber.

Fuest kritisiert offene Fragen

Fuest kritisierte zudem, dass "die sehr wichtige Frage eines Bankenabwicklungsfonds" noch nicht geklärt sei. Die EU-Kommission wollte über einen Fonds, in denen alle Geldinstitute einzahlen sollten, die Abwicklung maroder Banken finanzieren.

In Deutschland existiert ein solcher Fonds bereits. Das europäische Vorhaben stößt aber vor allem in Deutschland auf Kritik, weil die Bundesregierung befürchtet, andere Staaten könnten sich bei den nationalen Fonds bedienen, um ihre maroden Banken abzuwickeln.

Dennoch hält Fuest die Klärung dieser Frage für nötig. "Da wird sich sonst sofort die Frage stellen: Wo ist das Geld dafür?"

(dapd/cat)
Do, 13.12.2012, 13.02 Uhr

Die Kanzlerin betont, Finanzminister Schäuble habe die deutschen Kernforderungen durchgesetzt. Sigmar Gabriel warf Merkel vor, dass der Haftungsanteil Deutschlands an den Hilfspaketen explodiert sei.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter