01.01.13

Branchenzuschläge

Zeitarbeitsbranche kontert Lohntrickserei-Vorwürfe

Das rasante Wachstum der Zeitarbeit ist vorbei, sagt Verbandschef Volker Enkerts. Von Tricksereien bei den vereinbarten Lohnzuschlägen will er nichts wissen – die Gewerkschaften sehen das aber anders.

Foto: dapd

Maler in Hannover: Die Zeitarbeitsbranche weist Vorwürfe der Lohntrickserei zurück
Maler in Hannover: Die Zeitarbeitsbranche weist Vorwürfe der Lohntrickserei zurück

Trotz Konjunkturabschwächung geht die deutsche Zeitarbeitsbranche mit verhaltenem Optimismus in das Jahr 2013. "Wir werden 2013 nicht in eine tiefe Rezession fallen", sagte der Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP), Volker Enkerts, der Berliner Morgenpost.

Die Zeiten des zweistelligen Wachstums in der Branche seien zwar vorbei, "aber wir werden uns auf dem gegenwärtigen Niveau halten", meinte Enkerts. Zum Jahreswechsel rechnet er mit 800.000 Beschäftigten in der Zeitarbeit, das wären rund 100.000 weniger als noch vor einem Jahr.

Für den deutschen Arbeitsmarkt wäre die stabile Entwicklung der Zeitarbeit ein positives Signal, denn die Branche gilt als Frühindikator der Beschäftigung.

"Wir merken seit dem Sommer, dass der Schwung raus ist", sagte Enkerts weiter. Es gebe aber keinen rapiden Abfall der Zeitarbeitnehmerzahlen. "Früher haben wir sofort gemerkt, wenn die Wirtschaft in einen Abschwung geschlittert ist", erklärte der BAP-Präsident.

"Die Wirtschaft hat gehustet, und wir hatten eine schwere Grippe." In der letzten Krise 2008/2009 verlor die Branche innerhalb von nur wenigen Monaten 300.000 Mitarbeiter.

Verteuerung ist ausgeblieben

Auch der befürchtete Einbruch durch die Verteuerung der Zeitarbeit mit der Einführung neuer Branchenzuschläge in der Metall- und Elektroindustrie ist bislang ausgeblieben. "Es ist nicht so, dass die Leute massenhaft zurückgeschickt werden", sagte Enkerts.

Die Zeitarbeitsverbände hatten in diesem Jahr erstmals mit der IG Metall und weiteren Gewerkschaften Tarifverträge über gestaffelte Zuschläge vereinbart, mit denen die Zeitarbeiter an das Lohnniveau der Stammarbeiter herangeführt werden sollen.

Seit dem 1. November 2012 gibt es für Zeitarbeiter, die bereits sechs Wochen im selben Betrieb tätig sind, 15 Prozent mehr, nach drei Monaten sind es 20 Prozent. Die Zuschläge steigen schrittweise bis auf 50 Prozent nach neun Monaten Einsatzzeit.

Den Zeitarbeitsfirmen ist es offenbar gelungen, die Zuschläge an ihre Kunden weiterzugeben. "Die Firmen klagen über die steigenden Preise, aber sie zahlen." Es gebe eine Akzeptanz in den Kundenbetrieben.

Den Vorwurf der IG Metall, viele Zeitarbeitsfirmen betrögen ihre Mitarbeiter um die Zuschläge, wies Enkerts zurück. Die IG Metall hatte den Verleihfirmen vorgeworfen, betriebliche Zuschläge mit den neuen Branchenzuschlägen zu verrechnen. Dies sei völlig korrekt und im Tarifvertrag eindeutig geregelt, betonte Enkerts. "Dass die Gewerkschaft uns jetzt vorwirft, was wir gemeinsam explizit vereinbart haben, verstehe ich nicht." Die Branche hätte mit ihren Tariflöhnen früher viele Fachkräfte nicht gewinnen können.

Wurden aus Facharbeitern Helfer gemacht?

"Da mussten wir oben draufpacken, und nun kommen die Branchenzuschläge hinzu, aber die können wir tarifvertraglich anrechnen. Das heißt, viele Zeitarbeitsunternehmen haben Branchenzuschläge bereits vorweggenommen." Die IG Metall hatte behauptet, in mindestens der Hälfte der 12.000 Leiharbeitsfirmen bestehe die Bereitschaft, die bestehenden Tarifnormen zu unterlaufen, auch durch Tricks wie Abgruppierungen – aus Facharbeitern werden schlechter bezahlte Helfer. Vielleicht habe es Fälle gegeben, wo das versucht worden sei, meinte Enkerts dazu.

"Aber in der Regel sind die Betriebsräte der IG Metall in den Einsatzbetrieben sehr stark, wenn die so etwas bemerken, fliegt der Anbieter sofort raus." Auch von Tarifflucht der Unternehmen könne keine Rede sein. "Wir haben keine Austrittswelle, im Gegenteil es gibt eine große Eintrittswelle", sagte Enkerts. Viele Zeitarbeitsfirmen seien verunsichert, wie sie mit den Zuschlägen umgehen sollten.

"Unser Verband bietet den Service, und erläutert, wie die Unternehmen die Zuschläge in ihren Arbeitsverträgen und in der Datenverarbeitung korrekt managen können." Zuletzt war es der Zeitarbeitsbranche gelungen, auch mit der Gewerkschaft Ver.di Zuschläge zu vereinbaren. Ver.di galt bislang als größter Kritiker der tariflich vereinbarten Zuschläge und hatte stets auf eine gesetzliche Equal-Pay-Regelung gepocht.

"Keine gesetzliche Regelung notwendig"

Für die Zeitarbeiter in der Papier-, Pappe- und Kunststoffindustrie müssen jetzt bereits nach vier Wochen Zuschläge bezahlt werden. Enkerts vermutet, dass weitere Branchen folgen, etwa die Logistik oder auch die Pflege. Damit verliert auch die Drohung mit einer gesetzlichen Regelung für die Branche an Schrecken. "Je mehr Bereiche wir tariflich abdecken, desto weniger wird eine Regelung durch den Gesetzgeber notwendig sein."

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