31.12.12

Prognose

Im neuen Jahr kommen noch mehr Touristen nach Berlin

2012 besuchten erstmals über zehn Millionen Menschen Berlin. 2013 sollen es noch mehr werden - vor allem chinesische Touristen.

Foto: Glanze
2012 besuchten erstmals über zehn Millionen Menschen Berlin. 2013 sollen es noch mehr werden - vor allem chinesische Touristen.
Gute Aussicht: Touristen genießen vom Riesenrad aus den Blick über Berlin

Die Stadt ist so voll wie noch nie zu einem Jahreswechsel – aber der Zustrom der Touristen wird im kommenden Jahr die Ergebnisse von 2012 noch übertreffen. "Der Anstieg wird nicht mehr so rasant verlaufen, aber ich gehe weiter von steigenden Besucherzahlen aus", sagte Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Berliner Gesellschaft zur Werbung und Betreuung der Touristen, Visit Berlin, der Berliner Morgenpost.

Für das abgelaufene Jahr 2012 rechnen die Berlin-Werber mit einer Steigerung von mehr als zehn Prozent. Erstmals verzeichnet das Berliner Gastgewerbe damit mehr als zehn Millionen Besucher in einem Jahr. Die Investitionsbank Berlin (IBB) geht für 2012 von 24,8 Millionen registrierten Übernachtungen in den knapp 800 Hotels, Hostels und Pensionen aus, das wären elf Prozent mehr als 2011. Die Touristen gaben 2012 mehr als zehn Milliarden Euro in Berlin aus. Die IBB sieht im Touristenboom eine entscheidende Stütze für die positive Entwicklung der Berliner Wirtschaft.

Mehr als eine Million Berlinbesucher im August

Schon im Sommer eilte die Tourismusindustrie der Hauptstadt von Rekord zu Rekord. Im August besuchten erstmals mehr als eine Million Menschen in einem Monat Berlin. Auch in diesem Dezember rechnet Kieker mit siebenstelligen Besucherzahlen. Auf der Silvesterparty am Brandenburger Tor erwartet Mitveranstalter Rainer Wohlthat, dass jeder zweite der eine Million erwarteten Besucher ein Tourist ist. Erst am 27. Dezember hatte die Berliner Flughafengesellschaft den 25-millionsten Fluggast begrüßt – ebenfalls Rekord.

Der Touristenboom wird nach Ansicht Kiekers auch in den nächsten Jahren anhalten. "Berlin ist zu einer touristischen Supermacht geworden", sagte der Visit-Berlin-Chef. Keine Stadt hat größere Steigerungsraten als die Hauptstadt. Aber dennoch bestehe weiter riesiges Wachstumspotenzial. "Noch nicht einmal jeder Deutsche war in der Hauptstadt", so Kieker. Aber wer einmal hier gewesen sei, komme wieder. "60 Prozent der Berlin-Besucher sind Wiederholungstäter."

Investitionsbank Berlin geht von anhaltendem Tourismusboom aus

Die Investitionsbank Berlin prognostiziert einen ungebrochenen Anstieg. "Es spricht viel dafür, dass der Tourismusboom anhalten wird und auch in den nächsten Jahren in rasantem Tempo mit mindestens durchschnittlich sieben Prozent pro Jahr weiter wachsen wird", schreiben die Volkswirte der landeseigenen Förderbank. Dann werde die Übernachtungszahl bereits im Jahr 2015 die 30-Millionen-Marke erreicht haben.

Als Grund für den anhaltenden Berlinboom im In- und Ausland nennt Visit-Berlin-Chef Kieker das Image der Stadt. "Berlin gilt als coole und extrem tolerante Stadt, außerdem stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das ist kaum schlagbar", sagte Kieker. Nach den Trendsettern und Reiseprofis würde nun immer mehr Massentourismus in die Stadt strömen. Besonders stark mit jeweils mehr als 30 Prozent wachsen die Zahlen der Besucher aus Russland, der Türkei, den arabischen Golfstaaten, Japan und China. Wenn die Chinesen 2013 ihre Visa-Regeln erleichtern, erwartet Kieker noch mehr Besucher aus dem Reich der Mitte.

Touristen residieren vor allem in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg

Ein zentrales Thema für 2013 wird für Visit Berlin sein, die Akzeptanz für den Tourismus in der Stadt zu erhalten. In einigen Stadtteilen belasteten die Besucherströme bereits das Alltagsleben der Berliner, so Kieker. Denn die Gäste verteilen sich ungleich. Sie residieren vor allem in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg-Wilmersdorf. Allein in Kreuzberg hat sich die Zahl der Übernachtungen in den vergangenen Jahren verdreifacht.

Senatskanzlei, Wirtschafts- und Stadtentwicklungsverwaltung haben Visit Berlin daher beauftragt, die Akzeptanz unter den Berlinern für die Besucher zu erhalten. "Uns fehlt in vielerlei Hinsicht ein wenig Selbstbewusstsein", so Kieker. Das authentische Image der Stadt sei allein durch eine PR-Kampagne nicht zu erreichen. Außerdem sollen die Touristenströme besser durch die Stadt geleitet werden, um die "touristischen Brennpunkte" zu entschärfen.

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