31.12.12

Gewinner 2012

Strahlende Sieger und versteckte Profiteure

Auch 2012 brachte wieder viele Sieger hervor. In unsere subjektive Auswahl schafften es einerseits Konzerne und Manager, die oft im Rampenlicht standen – und andere, die sich im Stillen freuten.

Foto: pa/zb/Marcelo Hernandez

Top: Vattenfalls Braunkohle-Chef Hartmuth Zeiß, Hyundai-Boss Chung Mong-koo, Sky-Chef Brian Sullivan
Top: Vattenfalls Braunkohle-Chef Hartmuth Zeiß, Hyundai-Boss Chung Mong-koo, Sky-Chef Brian Sullivan

Brian Sullivan: Der Hoffnungsträger des Bezahlfernsehens

Bezahlfernsehen hat es nicht leicht in Deutschland. Seit 20 Jahren fährt der Pay-TV-Anbieter Sky, der bis Mitte 2009 unter Premiere firmierte, fast nur Verluste ein. Doch dem seit April 2010 aktiven Senderchef Brian Sullivan scheint der Turnaround zu gelingen.

Zwar steht unter dem Strich noch immer ein dickes Minus, aber die Kundenzahl steigt stetig, auf nunmehr 3,2 Millionen, und die Abonnenten sorgen für deutlich mehr Umsatz. Die Folge: Zwei Quartale hintereinander weist das Unternehmen einen operativen Gewinn aus.

Der Kurs ist seit Jahresanfang um etwa 160 Prozent gestiegen. Trotz hoher Aufwendungen für die Exklusivrechte an der Fußball-Bundesliga will Sullivan 2013 über das gesamte Jahr gerechnet positive Zahlen schreiben.

Tatsächlich hat er noch einiges zu bieten: Nachdem Sky die Deutsche Telekom auch bei den Fußballrechten für Internetfernsehen überboten hatte, werden sie wohl einige davon an den Bonner Konzern weiterverkaufen können.

Außerdem hat Sullivan eine enge Kooperation mit Kabel Deutschland geschlossen – für den Vertrieb der Sky-Produkte eine äußerst wichtige Plattform. Und schließlich ist Sky technisch auf der Höhe der Zeit: Über Kabel sind demnächst 15 statt bisher acht Programme in hoher HD-Bildqualität empfangbar.

Erste Bundesligaspiele sind sogar schon in Ultra-HD zu sehen. Damit ist Sky sogar den Geräte-Herstellern technisch voraus: Solche hohe Qualität kann derzeit kaum ein Fernseher darstellen.

Adidas: Dem Sportartikel-Konzern gelingt momentan alles

Adidas-Chef Herbert Hainer war zunächst skeptisch, als Deutschland ausgerechnet mit einem grünen Auswärtstrikot zur Europameisterschaft in die Ukraine und nach Polen fahren sollte. Das würde sich nicht verkaufen, vermutete er.

Am Ende allerdings lag Hainer falsch. 350.000 Stück verkaufte Adidas, es war das meistverkaufte Auswärts-Trikot einer deutschen Nationalmannschaft überhaupt. Ein voller Erfolg. So wie das Jahr 2012 insgesamt für Adidas zum Erfolg wurde.

Das Jahr hat dem Sportartikelhersteller mit der Fußball-Europameisterschaft sowie Olympia in London zwei sportliche Großereignisse beschert. Das brachte nicht nur einen Imagegewinn, sondern zeigte sich auch konkret in der Bilanz.

Der Herzogenauracher Konzern strebt in diesem Jahr erneut Rekordwerte für Umsatz und Gewinn an – und das obwohl die US-Tochter Reebok schwächelt. Der Erfolg ist allerdings auch hart erarbeitet.

Der Lokalrivale Puma aus Herzogenaurach kämpft derzeit mit internen Problemen und tauschte die Führung aus. Der zuvor als Jungstar gefeierte Puma-Chef Franz Koch musste gehen. Auch beim großen US-Wettbewerber Nike läuft es derzeit nicht so gut wie bei der Marke mit den drei Streifen. Adidas hingegen ist auf dem besten Weg, die für das Jahr 2015 gesetzten Ziele zu erreichen.

Die Fußball-Nationalelf hat hierzu beigetragen, auch wenn es sportlich bei der Europameisterschaft am Ende nicht für den Titel reichte. Insgesamt verkaufte Adidas übrigens 1,2 Millionen DFB-Trikots – die meisten davon allerdings wie gewohnt im klassischen Weiß mit drei schwarzen Streifen.

Chung Mong-koo: Volkswagens Albtraum kommt aus Südkorea

Mit Chung Mong-koo haben sie allesamt nicht gerechnet, die Bosse der großen Automobilhersteller. Bis heute kennt den südkoreanischen Patriarchen kaum jemand außerhalb seines Landes.

Er gibt im Ausland kaum Interviews, macht keine PR-Touren – kurz, der Chef des Hyundai-Konzerns ist fast so scheu wie VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Und genau so erfolgreich.

In einem unglaublichen Tempo ist der südkoreanische Automobilhersteller in den vergangenen Jahren zum Riesen gewachsen, vergleichbar ist das Absatzplus der Koreaner allenfalls mit dem Volkswagens. Neben dem unbedingten Willen Chung Mong-koos und der Disziplin seiner Mannschaft ist die Tatsache, unterschätzt zu werden, wohl einer der Gründe für den Erfolg des Autoriesen.

Und die straffe Führung durch Chung. Der 74-Jährige leitet den Konzern seit eineinhalb Jahrzehnten, keine wichtige Entscheidung fällt ohne ihn. Manche Insider sagen, der Konzern werde wie ein Familienbetrieb geführt. Oder wie eine Armee, meinen andere. In diesem Jahr will Chung nun weltweit sieben Millionen Fahrzeuge verkaufen, fast drei Mal so viel wie im Jahr 2000.

Damit wären die Koreaner die Nummer vier der Branche – nach GM, Toyota und Volkswagen. Inzwischen hat auch VW-Vorstandschef Martin Winterkorn die Herausforderung erkannt. Kaum einen Wettbewerber nehmen die Wolfsburger derzeit so ernst, wie Hyundai-Kia. Dabei lief das erste eigene Fahrzeugmodell der Koreaner erst 1975 vom Band.

Online-Händler: Ein Schlüsseljahr für den Internet-Einkauf

Das Wachstum des Onlinehandels in Deutschland ist weiterhin nicht zu stoppen. Um fast zwölf Prozent dürfte der internaktive Handel in diesem Jahr wieder zugelegt haben. 38 Milliarden Euro wurden online mit Waren wie Musik-Files, E-Books oder Apps umgesetzt – das sind rund elf Prozent der Einzelhandelsumsätze in Deutschland.

Zwar ist der Boom von Amazon, Zalando, Ebay und den vielen kleinen Anbietern nichts Neues. 2012 allerdings gab es ein völlig neues Phänomen: Zum ersten Mal konnte man sehen, welche dramatischen Auswirkungen das stete Online-Wachstum auf die stationären Läden hat: Das Konzept der Buchhandelskette Thalia mit den riesigen Kaufhäusern ist vollkommen gescheitert, die Kunden wollen die Paläste nicht mehr.

Auch der bisherige Hauptkonkurrent Hugendubel muss schmerzhaft anerkennen, dass der größte Buchladen der Welt – das Internet – einen großen Teil des Marktes auf den Kopf gestellt hat: Für Produkte, die man immer seltener in physischer Form kauft, braucht man immer seltener einen klassischen Laden.

Nach Expertenschätzung reicht in den meisten Sparten der Onlineanteil von 15 bis 20 Prozent aus, um einer großen Zahl von stationären Läden die wirtschaftliche Basis zu entziehen. Die Onliner sind auf dem besten Weg dorthin.

Hartmuth Zeiß: Der heimliche Gewinner der Energiewende

Wenn sich der Staat zu sehr in die Wirtschaft einmischt, kann das mitunter bizarre Folgen haben. Dafür steht zum Beispiel die ökologische "Energiewende" in Deutschland. Deren größter Gewinner ist nicht etwa die Solarbranche.

Ganz im Gegenteil. Größter Gewinner ist paradoxerweise der Braunkohle-Schürfer Vattenfall Europe Mining AG. Deren Vorstandschef Hartmuth Zeiß konnte gerade das beste Geschäftsjahr seit der Wiedervereinigung vermelden.

2012, im ersten Jahr der Energiewende, stieg die Nachfrage nach "schmutzigem" Braunkohlestrom auf 55 Milliarden Kilowattstunden, und damit auf den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Weil Atomkraftwerke abgeschaltet werden mussten und der subventionierte Ökostrom den Betrieb fast aller anderen Kraftwerke unrentabel machte, blieben am Ende oft nur die als Klimakiller gebrandmarkten, aber hoch rentablen Braunkohlekraftwerke übrig.

Aus dem Lausitzer Braunkohlerevier komme "derzeit jede zehnte in Deutschland verbrauchte Kilowattstunde Strom", freute sich Zeiß auf einer Bergmannsfeier. Gern nahm Zeiß dort auch den Zuspruch von Matthias Platzeck entgegen: : "Durch die Energiewende gewinnt Braunkohle sogar noch an Bedeutung", lobte der brandenburgische Ministerpräsident.

Bauherren: Die stillen Genießer des historischen Zinstiefs

Weil das allgemeine Zinsniveau bis zum Jahresende gegen Null tendierte, war Baugeld so billig wie noch nie. Das hat den Wohnungsbau angekurbelt. Im Dezember kosteten zehnjährige Hypothekendarlehen nur noch um die 2,5 Prozent. Zu Jahresbeginn wurden im Schnitt noch 3,25 Prozent gefordert.

Zudem hat die gute Lage am Arbeitsmarkt viele Bauherren ermutigt, sich dem Traum von Wohneigentum zu erfüllen. Der Bau von Eigentumswohnungen nahm in den ersten drei Quartalen gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent zu. Und die Besitzer von Eigenheimen und Wohnungen können sich zudem über den steigenden Marktwert ihrer Investition freuen.

Die Flucht in die Sachwerte aus Angst vor einer zunehmenden Inflation hat nämlich die Immobilienpreise in Deutschland nach oben getrieben. Sie stiegen im November bundesweit sogar schneller als die Mietangebote, was schon auf eine Überhitzung des Marktes hindeutet.

Allein in Berlin und München sind die Angebotspreise im Jahresvergleich um 16 Prozent gestiegen. Das bedeutet aber auch, dass sich womöglich so mancher Bauherr am Ende doch als Verlierer wiederfinden kann – sollten die Preise nicht dauerhaft hoch bleiben.

Steuerzahler: Sie profitieren von der Schuldenkrise – noch

Bei aller Sorge über die künftigen Lasten der Euro-Rettung, können sich die Steuerzahler zumindest in diesem Jahr noch freuen: Bislang profitieren sie von der Schuldenkrise. Auch 2012 gehörte Deutschland zu den großen Gewinnern an den Anleihemärkten.

Denn für neue Darlehen muss der Finanzminister kaum noch Zinsen zahlen - wenn überhaupt. 2012 nahm Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an den Kapitalmärkten 264 Milliarden Euro auf, um alte Schulden abzulösen und neue zu machen, er bat in 70 Auktionen Anleger um Geld.

Insgesamt 21 Mal davon waren diese sogar bereit, eine Prämie zu zahlen, sprich: Sie brachten Geld mit, damit sie dem Bund Kredit geben durften. Was kurios klingt, ist eine ganz pragmatische Überlegung: Hauptsache, die Anleger bekommen ihr Geld wieder zurück und es ist bis auf die Prämie nicht weniger geworden.

Die größte Volkswirtschaft Europas verspricht zumindest noch eine solche Sicherheit, die es bei Italien, Spanien, geschweige denn Griechenland nicht mehr gibt. Für den deutschen Steuerzahler ist das Vertrauen Milliarden wert. Wäre es beim höheren Zinsniveau von 2008 geblieben, wären seither Schätzungen zufolge rund 20 Milliarden Euro mehr für Zinsen angefallen.

Jeff Bezos: Der Architekt eines noch mächtigeren Amazon

Jeff Bezos hat eine Vision, und 2012 hat er einen großen Schritt in deren Richtung gemacht. Mit enormem Aufwand hat der Amazon-Chef eine ganze Reihe von Tablets und E-Readern unter der Bezeichnung "Kindle" entwickelt.

Auf diese Weise liefert er die Abspielgeräte für digitale Inhalte, in denen er die Zukunft von Amazon sieht. Bezos gibt offen zu, dass der Konzern damit nichts verdient, sondern nur in die Kundenbindung investiert.

Geld wird nur verdient, wenn mit den Geräten Filme, Musik oder Bücher gekauft werden. Damit setzt Amazon auch Apple unter Druck. Als Antwort hat der iPhone-Konzern ein iPad eingeführt, das kleiner und billiger ist als das bisherige Apple-Tablet, aber immer noch ordentlich teurer als Amazons Kindle.

Apples Geschäftsmodell ist mit dem von Amazon schlichtweg nicht kompatibel. Das macht sich Bezos zu Nutze. Der Amazon-Chef erweitert mit seinen Tablets zugleich seine Ladentheke. Früher oder später wird Bezos auch bei Smartphones mitmischen wollen.

Quelle: do/heu/tj/sei/n.s./tau
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