27.12.12

Private Equity

Finanzinvestoren kaufen über 100 deutsche Firmen

Private-Equity-Firmen greifen in Deutschland wieder zu: Gleich fünf Milliarden-Deals gingen 2012 hierzulande über die Bühne. Experten sind beim Blick auf das kommende Jahr allerdings vorsichtig.

Von Karsten Seibel
Foto: Infografik Die Welt

Käufe von Private-Equity-Firmen seit 2005
Käufe von Private-Equity-Firmen seit 2005

Finanzinvestoren haben für Unternehmenskäufe in Deutschland erstmals seit 2008 wieder deutlich mehr als zehn Milliarden Euro ausgegeben. Nach einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young gaben sie für 105 Firmen rund 13,7 Milliarden Euro aus.

Das ist mehr als doppelt so viel wie noch 2011, als sie für 110 Transaktionen lediglich 5,5 Milliarden Euro auf den Tisch legten. Fünf Übernahmen ließen sich die Private-Equity-Gesellschaften in diesem Jahr sogar mehr als eine Milliarde Euro kosten.

Dazu gehörte unter anderem der Kauf des Handelskonzerns Douglas durch Advent für 1,6 Milliarden Euro. In den Jahren 2009, 2010 und 2011 gab es insgesamt gerade einmal drei Milliarden-Deals.

Doch von einem neuen Boom kann noch keine Rede sein. "Dass es wieder einige Milliardentransaktionen in Deutschland gab, ist ein ermutigendes Signal. Ein nachhaltiger Aufschwung des Private-Equity-Marktes ist das aber noch nicht", sagt Alexander Kron, Chef der Transaktionsberatung bei Ernst & Young.

Nur knapp 100 Unternehmen

Dies zeigt sich auch beim Blick auf die Zahl der Transaktionen. Diese lag auch in diesem Jahr wieder nur knapp über 100 und damit auf dem bereits seit 2009 vertrauten Niveau. In den Boomjahren 2005 bis 2007 kauften sich Finanzinvestoren durchschnittlich in weit mehr als 150 Unternehmen pro Jahr ein und gaben dafür jährlich insgesamt mehr als 30 Milliarden Euro aus. Größenordnungen, die so schnell nicht mehr zurückkommen werden.

Die Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung und das mangelnde Angebot an geeigneten Übernahmezielen bremsten die Branche weiterhin, heißt es in der Studie. Käufer und Verkäufer lägen bei den Preisvorstellungen weit auseinander.

"Angesichts der sehr unsicheren Konjunkturentwicklung verlangen die Investoren zum Teil erhebliche Preisabschläge – daran sind in diesem Jahr einige Deals gescheitert", sagte Kron. Viel Geduld und ein langer Atem seien gefragt. Bis es zu einem Abschluss komme, vergehe sehr viel mehr Zeit als vor Ausbruch der Finanzkrise.

Gerade unter den deutschen Mittelständlern, nach deren Unternehmen die Finanzinvestoren seit Jahren greifen, ist die Verkaufsbereitschaft weiterhin sehr gering. Sie hätten in der Krise so dicke Eigenkapitalpolster aufgebaut, dass sie kein frisches Geld brauchten, so Ernst & Young-Partner Wolfgang Taudte. "Viele sehen keine Grund, über den Einstieg eines Finanzinvestors nachzudenken – geschweige denn, mit ihm in Verhandlungen zu treten."

Strategische Investoren erhalten oft den Zuschlag

Kam im zu Ende gehenden Jahr ein Unternehmen auf den Markt, ging der Zuschlag in vier von fünf Fällen an einen strategischen Investor, beispielsweise einen Wettbewerber des zum Verkauf stehenden Unternehmens.

Ein Jahr zuvor war das Verhältnis noch günstiger für die Private-Equity-Branche: Damals hatten Strategen lediglich in drei von vier Fällen die Nase vorn. Anders ausgedrückt: 2011 kamen in 25 Prozent der Fälle Finanzinvestoren zum Zug, in diesem Jahr lediglich in 20 Prozent.

Auf der anderen Seite fällt den Finanzinvestoren nach wie vor auch der Ausstieg aus den Beteiligungen schwer. Nur 62 (2011: 87) Unternehmen aus den Portfolien der Private-Equity-Gesellschaften wurden für zehn Milliarden Euro verkauft, nach 11,4 Milliarden Euro im Vorjahr. An die Börse schaffte es 2012 kein Unternehmen aus ihrem Besitz.

2011 waren ihnen fünf Börsengänge gelungen. Allerdings hoffen zahlreiche Beteiligungsgesellschaften auf das Jahr 2013: Als aussichtsreiche Börsenkandidaten werden die Immobilienkonzerne LEG und Deutsche Annington, der Gabelstapler-Hersteller Kion und der Wissenschaftsverlag Springer Science genannt.

Das E.on-Gasnetz war einer der größten Deals

Bei den größten Unternehmenskäufen in diesem Jahr liegt eine Transaktion mit Private-Equity-Beteiligung immerhin auf Position zwei. Die Übernahme des E.on-Gasnetzes Open Grid Europe durch ein Konsortium um den australischen Infrastruktur-Investor Macquarie rangiert mit 3,2 Milliarden Euro hinter dem Kauf der Porsche AG durch Volkswagen für 4,5 Milliarden Euro.

Über der Milliardenschwelle bei den Käufen durch Finanzinvestoren lagen außerdem die 2,3 Milliarden Euro schwere Übernahme des Messtechnik-Spezialisten Elster durch die zum Finanzinvestor CVC gehörende britische Gesellschaft Melrose und der Kauf des Leukoplast-Herstellers BSN Medical für 1,8 Milliarden Euro durch die schwedische EQT.

Der Investor Advent ließ sich die Übernahme des Einzelhandelskonzerns Douglas 1,6 Milliarden Euro kosten, Lone Star zahlte für die Immobilien-Holding TLG 1,1 Milliarden Euro. Insgesamt zählten die Experten von Ernst & Young für dieses Jahr elf Übernahmen von deutschen Firmen, bei denen der Käufer, ganz gleich ob es sich um einen strategischen Investor oder einen Finanzinvestor handelte, mehr als eine Milliarde Euro zahlte.

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