27.12.12

Finanzbranche

Britische Banker wollen Boni vor Gericht erstreiten

In Großbritannien geben sich Bank-Manager nicht mit vergleichsweise mageren Bonus-Zahlungen zufrieden. Sie wollen mehr Geld einklagen, und die deutsche Commerzbank liefert ihnen den Präzedenzfall.

Von Tina Kaiser
Foto: REUTERS

Während einige Banker höhere Bonus-Zahlungen einklagen wollen, suche viele andere Geldexperten im Londoner Finanz-Distrikt noch immer einen Job – gelegentlich auch mit ungewöhnlichen Methoden
Während einige Banker höhere Bonus-Zahlungen einklagen wollen, suche viele andere Geldexperten im Londoner Finanz-Distrikt noch immer einen Job – gelegentlich auch mit ungewöhnlichen Methoden

Die Londoner Bankenwelt bereitet sich auf eine Klagewelle ihrer eigenen Mitarbeiter vor. Laut einem Bericht der britischen Zeitung "Times" erwarten Wirtschaftsanwälte eine Rekordzahl von Bankern, die gegen ihre Arbeitgeber vor Gericht ziehen wollen.

Auslöser ist die Bonussaison, die traditionell in den ersten Monaten des Jahres ansteht. Viele Banker dürften mit den zu erwartenden Sonderzahlungen alles andere als zufrieden sein.

Tatsächlich soll 2012 zu einem besonders enttäuschenden Jahr für die britische Finanzbranche werden.

Das renommierte Centre for Economics and Business Research erwartet Bonuszahlungen von lediglich 1,6 Milliarden Pfund (zwei Milliarden Euro). Im vergangenen Jahr hatten Londons Banker dagegen 4,4 Milliarden Pfund eingestrichen, im Rekordjahr 2007 waren es sogar 11,6 Milliarden Pfund.

Grund für die vergleichsweise geringen Boni in diesem Jahr sind in erster Linie strengere Regulierungsauflagen der britischen Bankenaufsicht FSA. Sie verlangt deutlich höhere Kapitaldecken von Banken, was die liquiden Mittel für Bonuszahlungen begrenzt.

Auch die schwache Konjunktur in Großbritannien, der Euro-Zone und in vielen Teilen der Welt schwächt die Zahlungsfähigkeit der Finanzinstitute zusätzlich.

Banker klagen auf Einhaltung der Bonus-Versprechen

Ausgerechnet ein Urteil gegen die Commerzbank bildet die Grundlage für etwaige Klagen gegen Londoner Banken.

Ein Londoner Gericht entschied im Mai, dass Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus ehemaligen Investmentbankern der Dresdner Kleinwort nachträglich Boni in Höhe von rund 52 Millionen Euro zahlen muss.

104 ehemalige Beschäftigte von Dresdner Kleinwort hatten auf die Auszahlung der Boni geklagt. Sie waren ihnen 2008 mündlich vom damaligen Dresdner-Kleinwort-Chef Stefan Jentzsch versprochen worden. Kurze Zeit später wurde Dresdner Kleinwort zusammen mit der Dresdner Bank von der Commerzbank geschluckt.

Experten halten es für möglich, dass das Commerzbank-Urteil zu einem Präzedenzfall in der City werden könnte.

Quelle: dapd
13.12.12 1:17 min.
Nach harten Verhandlungen einigten sich die Finanzminister die europäischen Großbanken unter eine gemeinsame Aufsicht der EZB zu stellen. Die Bankenaufsicht ist eine zentrale Baustelle der Eurozone.
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