26.12.12

Tarifstreit

Gewerkschaft droht Coca-Cola mit Streik

Der Getränkehersteller möchte in Deutschland seine Angestellten öfter an Wochenenden arbeiten lassen und bietet 2,5 Prozent mehr Lohn. Die Gewerkschaft verlangt deutlich mehr und droht mit Streiks.

Von Birger Nicolai
Foto: dapd

Ein Mitarbeiter der Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG in Weimar an einer Abfüllanlage
Ein Mitarbeiter der Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG in Weimar an einer Abfüllanlage

In mehr als 60 Städten in Deutschland war der Coca-Cola-Weihnachtstruck dieses Jahr unterwegs. Besucher konnten in dem bunt beleuchteten Lkw vor Ort eigene Versionen des Weihnachtssongs "Something in the Air" erstellen.

Doch statt kuscheliger Festtagsstimmung liegt eher dicke Luft über dem größten deutschen Getränkehersteller: Die rund 11.000 Beschäftigten von Coca-Cola in Deutschland fragen sich zum Jahreswechsel, wie es mit ihnen weitergeht und was ihr Arbeitgeber für Pläne hat.

Im Januar drohen Warnstreiks

Grund für die Sorge: Die im November begonnenen Tarifverhandlungen stecken fest. Arbeitnehmervertreter sagen, es bewege sich bei keinem der wichtigsten Streitpunkte – Arbeitszeit und Lohnsteigerung – irgendetwas. Das neue Jahr wird den Konflikt verschärfen: Nach dem Ende der Friedenspflicht will die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) nach Informationen der "Welt" Warnstreiks bei Coca-Cola organisieren.

Konkret könnten in den letzten beiden Januarwochen die Abfüllanlagen in den 24 Fabriken von Coca-Cola still stehen, zumindest an mehreren Tagen. Danach treffen sich am 30. Januar Gewerkschaftsvertreter und Management zur nächsten Verhandlungsrunde in Berlin. Weitere Termine sind nicht ausgemacht.

Nach zwei vergleichsweise ruhigen Jahren in der deutschen Tochtergesellschaft des US-Konzerns Coca-Cola Company mit Sitz in Atlanta kippt die Stimmung nun wieder: Ähnlich wie im Jahr 2010 streiten Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter um grundsätzliche Veränderungen in dem Betrieb mit immerhin 10.600 Beschäftigten in Deutschland.

Betroffen ist die Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG in Berlin, die Abfüllgesellschaft des Konzerns. Im Detail geht es um Lohnerhöhung: Von NGG gefordert sind sechs Prozent, vom Arbeitgeber angeboten werden 2,5 Prozent für 2013 und zwei Prozent für 2014.

Management wünscht flexiblere Arbeitszeiten

Doch wohl noch wichtiger sind die Wünsche des Managements beim Thema Arbeitszeit. "Flexibilität ist für uns notwendig, um schnell auf Marktanforderungen reagieren zu können und unsere Position in einem sehr wettbewerbsintensiven Umfeld zu erhalten", sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Das Absatzvolumen schwanke je nach Saison in den Betrieben stark. An der Wochenarbeitszeit von 37,5 oder 38 Stunden soll sich zwar nichts ändern, jedoch soll an mehr Samstagen gearbeitet werden. Ende Januar wolle das Management darüber "in die konkreten Gespräche" gehen, heißt es bei Coca-Cola.

Die Gewerkschaft NGG hält dagegen: Flexible Arbeitszeit mit bis zu 48 Wochenstunden und Arbeit an Samstagen gebe es schon bei Coca-Cola, Regelungen dazu seien bereits im vergangenen Tarifvertrag im Jahr 2010 vereinbart worden. "Die Geschäftsführung hat die Möglichkeiten nur nicht genutzt. Jetzt hat das Management die eigenen Prozesse und Abläufe nicht im Griff und will das auf dem Rücken der Beschäftigten austragen", sagte Claus-Harald Güster, stellvertretender NGG-Vorsitzender, der "Welt".

Angestrebt werde eine Sieben-Tage-Woche und Zusatzarbeit ohne Absprache mit den Betriebsräten. Die Gewerkschaft wirft der Geschäftsführung vor, den Personalbedarf unrealistisch zu berechnen: Dieser Bedarf sei viel zu niedrig angesetzt und solle nun über Zusatzarbeit ausgeglichen werden. "Wir fordern keine weitere Flexibilisierung, wir fordern mehr Geld", sagte Güster.

Kündigungen sollen ausgeschlossen werden

Zudem will NGG erreichen, dass die Coca-Cola-Geschäftsführung Kündigungen für die Laufzeit des Tarifvertrags ausschließt. Doch die Arbeitgeber machen unmissverständlich klar: "Voraussetzung einer Einigung ist die weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit", sagte der Sprecher. Vorstandschef der wichtigen deutschen Landesgesellschaft ist der Däne Ulrik Nehammer. Der Manager hat den Posten erst zum Jahresanfang 2012 übernommen und war in den vergangenen zwei Jahrzehnten für Coca-Cola in mehreren Ländern in Mitteleuropa und Asien tätig.

Noch aus einem anderen Grund wird der Druck ab Januar 2013 steigen: Die im vergangenen Tarifvertrag ausgehandelten und bundesweiten Bedingungen zur Arbeitszeit laufen dann aus. Danach gelten wieder die Bestimmungen der regionalen Tarifgebiete. Konkret bedeutet dies, dass in den Betrieben nicht mehr ohne weiteres an Samstagen gearbeitet werden kann. Auch können die Beschäftigten Mehrarbeit an anderen Tagen verweigern. Darüber gibt es bereits jetzt gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen der Geschäftsführung und Betriebsräten einzelner Abfüllwerke.

450 Stellen sollen gestrichen werden

Ohnehin ist die Lage angespannt: Coca-Cola will in Deutschland etwa 450 Stellen streichen und die Bereiche Finanzen und regionales Marketing in Berlin zusammenfassen. Unklar ist, was aus dem Standort Ratingen wird. Die Landesgesellschaft bemüht sich Jahren darum, Verwaltungsarbeit in Berlin zu zentralisieren und regionale Aufgaben an Dienstleistungsfirmen abzugeben.

Die Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG ist mit einem Absatz von mehr als 3,7 Milliarden Litern das größte deutsche Getränkeunternehmen. Rein rechnerisch liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Coca-Cola-Produkten in Deutschland bei etwa 42 Litern. Die Gesellschaft ist sogenannter Konzessionär des Mutterkonzerns aus Atlanta und darf rund 70 Markengetränke in 24 Getränkefabriken in Deutschland abfüllen und verkaufen. Mit einer Flotte von rund 1000 Lastwagen beliefert das Unternehmen etwa 400.000 Kunden im Handel und in der Gastronomie. Eine zweite deutsche Coca-Cola-Gesellschaft in Berlin übernimmt das Marketing und entwickelt Produkte oder Packungen.

Umsatz in Deutschland steigt

Zahlen zum wirtschaftlichen Erfolg von Coca-Cola in Deutschland werden nicht veröffentlicht. In Unternehmenskreisen heißt es, der Umsatz werde in diesem Jahr um mindestens sechs Prozent auf dann mehr als zwei Milliarden Euro steigen. Für die Belegschaft hat es in den vergangenen Jahren Nullrunden oder Lohnerhöhungen im Umfang der Inflationsraten gegeben. Die Gewerkschaft NGG spricht davon, dass das Unternehmen dadurch im Branchenvergleich jährlich einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag gespart hat.

Die wertvollsten Marken der Welt

1. Coca-Cola, Markenwert: 77.839 Mio. Dollar

 

2. Apple, Markenwert: 76.568 Mio. Dollar

 

3. IBM, Markenwert: 75.532 Mio. Dollar

 

4. Google, Markenwert: 69.726 Mio. Dollar

 

5. Microsoft, Markenwert: 57.853 Mio. Dollar

6. GE, Markenwert: 43.682 Mio. Dollar

 

7. McDonald's, Markenwert: 40.062 Mio. Dollar

 

8. Intel, Markenwert: 39.385 Mio. Dollar

 

9. Samsung, Markenwert: 32.893 Mio. Dollar

 

10. Toyota, Markenwert: 30.280 Mio. Dollar

11. Mercedes Benz, Markenwert: 30.097 Mio. Dollar

 

12. BMW, Markenwert: 29.052 Mio. Dollar

 

13. Disney, Markenwert: 27.438 Mio. Dollar

 

14. Cisco, Markenwert: 27.197 Mio. Dollar

 

15. HP, Markenwert: 26.087 Mio. Dollar

16. Gillette, Markenwert: 24.898 Mio. Dollar

 

17. Louis Vuitton, Markenwert: 23.577 Mio. Dollar

 

18. Oracle, Markenwert: 22.126 Mio. Dollar

 

19. Nokia, Markenwert: 21.009 Mio. Dollar

 

20. Amazon, Markenwert: 18.625 Mio. Dollar

21. Honda, Markenwert: 17.280 Mio. Dollar

 

22. Pepsi, Markenwert: 16.594 Mio. Dollar

 

23. H&M, Markenwert: 16.571 Mio. Dollar

 

24. American Express, Markenwert: 15.702 Mio. Dollar

 

25. SAP, Markenwert: 15.641 Mio. Dollar

26. Nike, Markenwert: 15.126 Mio. Dollar

 

27. UPS, Markenwert: 13.088 Mio. Dollar

 

28. Ikea, Markenwert: 12.808 Mio. Dollar

 

29. Kellogs, Markenwert: 12.068 Mio. Dollar

 

30. Canon, Markenwert: 12.029 Mio. Dollar

 

Quelle: Interbrand, Best Global Brands 2012

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Coca Cola
  • Geschichte

    Am 8. Mai 1886 entdeckte John Stith Pemberton in Atlanta die Formel für Coca-Cola – und legte damit den Grundstein für die Firmengeschichte. Aus dem Verkauf des Sodamixgetränkes in einer Apotheke hat sich ein Unternehmen entwickelt, das heute täglich 1,7 Milliarden Getränke in mehr als 200 Ländern verkauft.

  • Wert der Marke

    Laut der Agentur Interbrand ist Coca-Cola mit mehr als 70 Milliarden Dollar (53 Milliarden Euro) die weltweit wertvollste Marke – und das seit zwölf Jahren in Folge.

  • Deutscher Markt

    Deutschland ist für Coca-Cola einer der wichtigsten Märkte in Europa. Im Jahr 2011 wurden hierzulande rund 3,7 Milliarden Liter an alkoholfreien Getränken abgesetzt.

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