26.12.12

Rechte als Käufer

Wie Sie unliebsame Geschenke wieder loswerden

Nur bei Käufen im Netz oder per Telefon gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Mit einem Gutschein hat der Beschenkte freie Wahl, er kann auch von Rabatten nach dem Fest profitieren.

Von Lina Panitz
Foto: Infografik Die Welt

Die Iren sind in diesem Jahr besonders in Kauflaune
Die Iren sind in diesem Jahr besonders in Kauflaune

Die Deutschen haben anscheinend dazugelernt: Während sie im vergangenen Jahr noch über 700 Millionen Euro in "falsche" Weihnachtsgeschenke investiert haben, werden sie dieses Jahr nur noch rund 617 Millionen Euro falsch anlegen. Diese Zahlen basieren auf den Verkaufszahlen des Online-Einzelhändlers Ebay.

Aus den Daten des Portals über Neu- und Gebrauchtwaren lassen sich auch Trends ablesen, welche Produkte am häufigsten verschenkt werden und welche am unbeliebtesten sind.

Bitte keine Socken

Ganz oben auf der Bitte-Nicht-Liste rangieren vermeintlich nützliche Präsente wie Socken und Unterwäsche – wobei damit wahrscheinlich weder die Boss- noch die Victoria's Secrets-Kollektion gemeint ist.

Doch ganz egal, was dem Beschenkten keine Freude bereitet, es gelten für alle Produkte die gleichen Regeln bei Umtausch und Reklamation. "Bei Bestellungen im Internet oder per Telefon haben Kunden bei Nicht-Gefallen einen Anspruch auf Widerruf innerhalb der ersten 14 Tage", erklärt Rechtsanwalt Herbert Schons, Vizepräsident des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Denn im Onlinehandel und bei Katalogbestellungen greift das Fernabsatzgesetz. Es sieht zusätzlich zur Gewährleistung bei fehlerhaften Waren ein Widerrufsrecht von 14 Tagen vor.

In dieser Zeit kann jeder Kunde die Ware einfach retour senden, der Händler muss dies anstandslos akzeptieren und das Geld erstatten. Es spielt keine Rolle, ob ein Produkt fehlerfrei war, einfach nicht gefallen hat oder beschädigt war. Wer große Zweifel hat, ob er mit seiner Weihnachtsgeschenkwahl den Geschmack seiner Lieben getroffen hat, geht also beim Kauf im Netz auf Nummer sicher.

Vorsicht bei Tickets

Aber Vorsicht, es gibt auch Ausnahmen. Flug- oder Konzerttickets können beispielsweise nicht ohne weiteres zurückgegeben werden. Auch bei speziell nach Käuferwünschen angefertigten Sachen, etwa mit Namen beflockte Fußball-Trikots, schränken Händler das Rückgaberecht ein. Zudem greifen die Regeln des Fernabsatzgesetzes nur bei gewerblichen Händlern.

Geschäfte sind gesetzlich nur zur Gewährleistung verpflichtet – dies bedeutet, dass Verbraucher bei fehlerhaften Produkten einen rechtlichen Anspruch auf Mängelbeseitigung haben. So ist es im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert.

Das Zauberwort heißt Reklamation. "Der Käufer hat zwei Jahre lang das Recht, beim Händler zu reklamieren", sagt Michael Sittig von der Zeitschrift "Finanztest".

Viel wird repariert

Theoretisch wird in dieser Frist defekte Ware durch fehlerfreie ersetzt oder repariert. Praktisch bevorzugen die Läden laut Sittig die Reparatur. Zwei Versuche muss der Käufer in der Regel akzeptieren. Wie viel Zeit zumutbar ist, hängt teilweise vom Produkt ab – bei Möbeln dürfte die Spanne länger sein als bei einem PC oder einer Puppe.

Gehen die Versuche schief, gilt: Ware zurück, Geld zurück. Formal tritt der Verbraucher von dem Kaufvertrag zurück und fordert sein Geld. Die Sache hat zwei Haken. Erstens kehrt sich nach sechs Monaten die Beweislast um. Das heißt: Der Kunde muss den Fehler nachweisen. Fein raus ist dann derjenige, der parallel zur Gewährleistung Garantie beim Hersteller geltend machen kann – dort greift die Sechsmonatsfrist nicht.

Zweitens darf der Händler eine Nutzungsentschädigung für die Zeit abziehen, in der etwa das Smartphone einwandfrei funktionierte oder die Nähte der Hose noch nicht ausfransten. Erster Ansprechpartner für die Reklamation ist dem BGB zufolge immer der Verkäufer. Also das Geschäft, in dem die Ware gekauft wurde.

Ansprechpartner ist der Händler

Gabriele Zeugner von der Verbraucherzentrale Bremen stellt klar: "Der Händler kann nicht einfach an den Hersteller durchreichen." In solchen Fällen rät sie ebenso wie bei Hinweisen auf das angebliche Verstreichen einer – gesetzlich gar nicht existierenden – Reklamationsfrist von zum Beispiel 14 Tagen: "Standhaft bleiben!"

Wie der Händler das beanstandete Teil zurück zum Hersteller bringt, bleibt ihm überlassen. Für Kunden ist die Reklamation kostenlos: Reparatur, Aufwand für Material, Wege, Transport und Arbeitszeit muss der Verkäufer tragen.

Der große Konkurrenzdruck im Weihnachtsgeschäft führt dazu, dass es sich heute kaum ein Händler leisten kann, seinen Kunden gegenüber nicht kulant beim Umtausch zu sein. So räumen die meisten dieses mindestens 14 Tage lang ein.

Da die Geschäfte dies freiwillig tun, sind sie auch frei in der Ausgestaltung. Sie entscheiden, ob sie die Ware nur originalverpackt zurücknehmen nur mit Kassenbon. Auch, ob der Kunde bei Nicht-Gefallen das Geld zurückerstattet oder einen Gutschein bekommt, kann jeder Händler individuell bestimmen.

Gutschein am sichersten

Direkt auf einen Gutschein als Geschenk zu setzen, minimiert natürlich auch das Risiko, daneben zu liegen. Und der Beschenkte hat gleich zwei Vorteile: Einerseits kann er von den großzügigen Rabatten nach Weihnachten profitieren und andererseits selbst entscheiden, wann er sich was gönnt.

Denn Gutscheine müssen in Anlehnung an die gesetzliche Verjährungsfrist drei Jahre gültig sein. Ausnahmen gelten nur für kleinere Händler. Sie stellen meist sehr selten Gutscheine aus, hier werden auch kürzere Laufzeiten toleriert. Große Kette bieten dafür zum Teil auch unbegrenzt gültige Gutscheine an.

Quelle: mit dpa
Quelle: dapd
26.12.12 1:32 min.
Nicht jedes Geschenk löst pure Begeisterung beim Beschenkten aus. Umtauschen liegt da nah. Doch dabei sind einige Regeln zu beachten. Meist entscheidet der Händler, wie er den Umtausch vollzieht.
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So werden Sie Geschenke los
  • VERKAUFEN

    Am leichtesten ist es, unliebsame Geschenke im Internet wieder loszuwerden. Eine Möglichkeit sind Auktionen im Netz, aber auch auf Marktplätzen für Kleinanzeigen lässt sich das Präsent weiterverkaufen. Wer im Internet verkauft, sollte sich aber unbedingt als privater Verkäufer anmelden. Dann muss nämlich kein Widerrufs- oder Rückgaberecht eingeräumt werden. Mit einem Hinweis kann auch die gesetzliche Gewährleistung ausgeschlossen werden.

    Doch im Netz gilt auch, korrekte Angaben über die Artikel zu machen. „Private Anbieter sind genauso wie gewerbliche Verkäufer zu wahrheitsgemäßen Angaben verpflichtet“, mahnt der Hightech-Verband Bitkom. Der Verband warnt zudem davor, einfach schnell Fotos und Produktbeschreibungen von den Hersteller-Seiten zu kopieren. „Bilder und Texte im Internet sind in der Regel urheberrechtlich geschützt.“ Deshalb besser eigene Fotos schießen und eigene Texte schreiben.

  • UMTAUSCH

    Wer sich traut, um den Kassenbon zu bitten, kann das unerwünschte Präsent auch in den Laden zurückbringen. Doch die Verbraucherzentrale Berlin warnt: „In Deutschland gibt es kein Recht auf Umtausch.“ Deshalb sollten schon die Käufer darauf achten, sich nach den Möglichkeiten zu erkundigen. CDs, DVDs und Software sollten möglichst versiegelt sein. Bei online bestellten Produkten gilt das Widerrufsrecht. Innerhalb von zwei Wochen kann die Ware zurückgeschickt werden.

  • FEHLERHAFTE GESCHENKE

    Mangelhafte oder beschädigte Geschenke können innerhalb von zwei Jahren ab dem Kauf mit Vorlage des Kassenbons reklamiert werden. Bei gebrauchten Waren oder bei Sonderangeboten könne die gesetzliche Gewährleistungspflicht aber auf ein Jahr verkürzt werden, erklärt die Verbraucherzentrale Berlin.

    Es empfiehlt sich in jedem Fall, die Ansprüche möglichst schnell geltend zu machen. In den ersten sechs Monaten kann der Kunde laut Verbraucherzentrale Berlin problemlos reklamieren. Danach müsse er beweisen, dass der Defekt schon zum Kaufzeitpunkt bestanden habe, warnen die Verbraucherschützer. Auch zwei Reparaturversuche müssen akzeptiert werden.

  • VERSCHENKEN

    Wer sein Geschenk nicht mag, kann es auch einfach bei der nächsten Gelegenheit weiter verschenken. Vielleicht löst das Präsent dann echte Freude aus – ansonsten muss sich der Nächste Gedanken machen, wie er das unliebsame Geschenk wieder los wird. AFP

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