Wirtschaftsausblick
DIW hat noch Hoffnung für den Arbeitsmarkt
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung will sich der Schwarzmalerei nicht anschließen: DIW-Chef Klaus Zimmermann glaubt, dass die Fünf-Millionen-Marke auf dem Arbeitsmarkt in 2010 nicht überschritten werden wird. Grund sei, dass die Unternehmen länger an ihren Fachkräften festhalten würden.
Von Flora Wisdorff
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, rechnet nicht damit, dass in diesem Jahr die Arbeitslosenzahlen auf über vier Millionen steigen. "Wir werden gegen Ende des Jahres dicht an diese psychologische Grenze herankommen, sie aber noch nicht überschreiten. Im Jahresdurchschnitt ist mit 3,6 bis 3,7 Millionen Arbeitslosen zu rechnen", sagte Zimmermann Morgenpost Online. "Am allerschlimmsten wird es dann in der ersten Jahreshälfte 2010." Dennoch werde im kommenden Jahr die Zahl unter der Fünf-Millionen-Grenze bleiben. "Die fünf Millionen werden nicht überschritten werden".
Zimmermann zufolge halten in dieser Krise "die Unternehmen besonders stark und lang an ihren Mitarbeitern fest, weil sie Angst haben, im Aufschwung keine Fachkräfte zu finden". Zudem seien die, die von Arbeitsplatzabbau bedroht seien, gut ausgebildete Fachkräfte. "Selbst wenn sie entlassen würden, werden sie relativ schnell einen neuen Job finden", so Zimmermann. Zudem hätten sich die Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung weltweit multipliziert.
Die Möglichkeit für Unternehmen, über zwei Jahre kurzarbeiten zu lassen, hemmt dem Ökonomen zufolge den Strukturwandel. Zwei Jahre seien "klar zuviel". In dem Augenblick, in dem das Wachstum wieder schleichend positiv werde, sei Kurzarbeit nicht mehr gerechtfertigt, und das werde schon Anfang 2010 der Fall sein. "Dann müsste ein gesundes Unternehmen wieder allein über die Runden kommen können."
Zimmermann sprach sich gegen eine Erhöhung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung aus. "Das wäre jetzt in der Krise das Allerschlimmste, weil das Arbeit teurer macht und die Unternehmen zögerlicher einstellen. Zumindest in den nächsten ein, zwei Jahren sollte das Minus der BA aus Haushaltsmitteln bezahlt werden."
Zimmermann warnte Politiker vor Korrekturen an den Hartz-Reformen. Die von der CDU in ihrem Wahlprogramm geplanten Veränderungen bei der Vermögensanrechnung bei Hartz-IV-Empfängern kritisierte er. "Das wäre ein großer Fehler. Solche Veränderungen von Hartz IV würden wichtige Anreize für die schnelle Annahme eines Jobs beseitigen, die ja schon Früchte getragen haben. Ich warne ausdrücklich vor einer weiteren Rücknahme der Hartz-Reformen."
Der großen Koalition stellt Zimmermann kein gutes Zeugnis aus für ihre Arbeitsmarktpolitik. Die Arbeitslosigkeit und speziell die Langzeitarbeitslosigkeit seien zwar zurückgegangen. "Aber Rot-Schwarz hat dabei von der Agenda 2010 und dem Aufschwung profitiert. Die Koalition hat Teile der Hartz-Reformen zurückgenommen, indem sie etwa die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I für Ältere verlängert hat, das war falsch."
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