24.12.12

BA-Chef Weise

Kurzzeit-Arbeiter sollen früher ALG I bekommen

Arbeitslos werden und direkt in Hartz IV abrutschen – dieses Schicksal traf in den zurückliegenden zwölf Monaten mehr als 700.000 Männer und Frauen. Bundesagentur-Chef Weise will das künftig ändern.

Quelle: Reuters
29.11.12 2:06 min.
Die Konjunkturflaute wirkt sich negativ auf den deutschen Arbeitsmarkt aus. Wie die Bundesagentur für Arbeit bestätigte, gibt es im Vergleich zum November 2012 in diesem Jahr 38.000 Arbeitslose mehr.

Arbeitnehmer mit Kurzzeit-Jobs sollten nach einem Vorschlag des Vorstandschefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, künftig schneller einen Anspruch auf das Arbeitslosengeld I erwerben können.

Damit könnte verhindert werden, dass jemand bei einem Jobverlust wegen fehlenden Anspruchs auf das zumeist höhere Arbeitslosengeld I direkt in Hartz IV falle, sagte Weise. Zwischen November 2011 und Oktober 2012 waren 721.000 Beschäftigte nach einem Jobverlust direkt zu Hartz-IV-Beziehern geworden.

Atypische Beschäftigung nimmt zu

"Atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeitarbeit, befristete Stellen oder Zeitarbeit haben in den vergangenen Jahren den größten Zuwachs gehabt. In diesen Fällen müssen wir tatsächlich überprüfen, ob die bestehende Anwartschafts-Regelung für das Arbeitslosengeld I noch passt", sagte Weise in dem dpa-Interview. "Das wird bereits durchgerechnet."

Die Entscheidung über eine Verkürzung der Anwartschaft liege aber bei den Beitragszahlern, also den Arbeitgeber- und Gewerkschafts- Vertretern im BA-Aufsichtsrat, betonte Weise.

Bislang nur für Saisonarbeiter verkürzt

Der DGB fordert schon länger eine Verkürzung der Anwartschaft auf sechs Monate. Bislang muss ein Beschäftigter in den vergangenen zwei Jahren mindestens zwölf Monate lang sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, um Arbeitslosengeld I zu erhalten. Eine verkürzte Anwartschaft von sechs Monaten gibt es bislang nur für Saisonarbeiter.

Eine verkürzte Anwartschaft für bestimmte Gruppen von Beschäftigten würde nach Weises Einschätzung einfachere, schlechter bezahlte Jobs für Arbeitslose attraktiver machen.

Positive Effekte für BA

"Wenn jemand bereit ist, eine vergleichsweise schlecht bezahlte Stelle zu übernehmen, sollte man ihm auch das Angebot in Aussicht stellen, bei einem Verlust des Arbeitsplatzes Arbeitslosengeld I zu bekommen", sagte Weise. "Denn wenn ich von jemandem Flexibilität erwarte, muss ich ihm auch Sicherheit bieten."

Eine verkürzte Anwartschaft für bestimmte Beschäftigtengruppen lohne sich in finanzieller Hinsicht möglicherweise auch für die Bundesagentur, sagte Weise. "Als weiteren positiven Effekte könnte ich mir vorstellen, dass mit einer Verkürzung der Anwartschaften auch atypische Beschäftigungen positiver wahrgenommen werden."

Quelle: dpa/cat
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    Die Wochenarbeitszeit hat im zweiten Quartal 2012 erstmals wieder das Niveau von vor der Finanzkrise erreicht. Die tarifliche beziehungsweise betriebsübliche Arbeitszeit vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer in Deutschland betrug durchschnittlich 38,22 Wochenstunden und damit so viel wie 2008, wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mitteilte.

  • Arbeitstage

    Bezogen auf alle Erwerbstätigen wurde im zweiten Quartal jedoch mit 331,8 Stunden je Erwerbstätigem um 0,3 Prozent weniger gearbeitet als im Vorjahreszeitraum. Dies liege daran, dass feiertagsbedingt von April bis Juni 2012 ein Arbeitstag weniger angefallen sei, erklärten die IAB-Autorinnen Ines Zapf und Jennifer Vallé.

  • Arbeitsvolumen

    Da im zweiten Quartal 2012 rund 500.000 Menschen mehr erwerbstätig waren als im Vorjahreszeitraum, stieg das Arbeitsvolumen dennoch um 0,9 Prozent auf 13,8 Milliarden Stunden.

  • Arbeitsguthaben

    Gleichzeitig sank das Guthaben auf den Arbeitszeitkonten das zweite Quartal in Folge. Auch machten die Beschäftigten weniger bezahlte Überstunden als im Vorjahreszeitraum und waren seltener krank.

  • Kurzarbeit

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