24.12.12

DIW-Chef Wagner

Top-Ökonom fordert vier Prozent mehr Lohn

Die Euro-Zone ist nach Ansicht des DIW-Chefs Wagner auch dadurch gefährdet, dass Deutschland unter seinen Verhältnissen lebe. Deshalb sollten die Tarifparteien 2013 "endlich mal mutig sein".

Quelle: DWTV
21.12.12 3:15 min.
Wie lässt sich diese Entwicklung aufhalten, und wo liegen die Ursachen auf dem Arbeitsmarkt? Darüber sprechen wir mit unserem Studiogast Alexander Herzog-Stein von der Hans-Böckler-Stiftung.

Arbeitnehmer haben beim Wunsch nach deutlichen Lohnerhöhungen Unterstützung vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bekommen. Dessen Vorstandsvorsitzender Gert Wagner regte Abschlüsse von "im Durchschnitt vier Prozent oder mehr" an. Dies sei "sinnvoll, um die Binnennachfrage anzukurbeln und so die extrem ausgeprägte Exportabhängigkeit zu mindern".

Zurückhaltender äußerte sich der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz. Er riet zu einer "beschäftigungsfreundlichen Tariflohnpolitik". Der "gesamtwirtschaftliche Verteilungsspielraum" belaufe sich im Jahr 2013 auf rund zwei Prozent.

Wagner fordert mehr Mut

Allerdings könne sich dieser Verteilungsspielraum in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich darstellen, fügte der Chef der Wirtschaftsweisen hinzu. Es sei Sache der Tarifvertragsparteien, auf dieser Grundlage eine Lohnpolitik zu betreiben, "die zur Schaffung neuer, wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze beiträgt".

Wagner forderte jedoch: "Die Tarifparteien sollten endlich mal mutig sein." Die Lohnpolitik habe "lange Zeit die möglichen Verteilungsspielräume, die sich aufgrund der Produktivitätssteigerungen und der Teuerung ergeben, nicht ausgeschöpft". Auch im ablaufenden Jahr seien die Lohnabschlüsse, gemessen an der Produktivitätsentwicklung, moderat gewesen.

Mehr Konsum, mehr Importe

Der DIW-Chef fügte hinzu: "Ich weiß: Hohe Lohnabschlüsse bergen ein Risiko – aber niedrige auch, da wir in Europa leben und nicht auf einer Insel." Höhere Lohnabschlüsse in Deutschland seien "zur Stabilisierung der Euro-Zone wünschenswert". Wagner warnte: "Denn sie ist nicht nur dadurch gefährdet, dass einige Staaten übermäßig konsumiert oder gebaut haben, sondern auch dadurch, dass Deutschland unter seinen Verhältnissen lebt."

Der DIW-Vorstandsvorsitzende erläuterte: "Wenn wir hier in Deutschland mehr konsumieren, dann heißt das auch, dass wir mehr aus unseren Nachbarländern importieren. Und das kann dort Wachstumsimpulse auslösen, die dringend nötig sind, wenn Schulden abgebaut werden sollen."

Ver.di-Chef verteidigt Lohnplus

Der Ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske verteidigte die Forderung von 6,5 Prozent für den öffentlichen Dienst der Länder. "Die Länder haben bei den Steuereinnahmen deutliche Einnahmefortschritte verzeichnen können", sagte Bsirske. Sie seien gut und bei den Ländern sogar überproportional gut. Eine Umsetzung der Forderung soll die Länder Berechnungen zufolge rund 6,2 Milliarden Euro kosten. Die Tarifrunde startet am 31. Januar in Berlin.

Bsirske betonte, er setze darauf, dass es am Verhandlungstisch zu einer Einigung kommen werde. "Wenn es sich als schwierig herausstellen sollte, wird es zu Reaktionen in den Betrieben kommen. Dass die Beschäftigten bereit sind, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben sie vor zwei Jahren in zwei Streikwellen gezeigt", fügte er hinzu.

Quelle: dapd/cat
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