22.12.12

Staatsverschuldung

IWF macht sich Sorgen um Frankreichs Defizit

Die französische Wirtschaft wird nach Einschätzung von Statistikern in diesem Jahr kaum gewachsen sein. Der Währungsfonds erwartet von der Regierung, alles für das Einhalten des Defizitziels zu tun.

Foto: REUTERS

Frankreichs Präsident Hollande steht unter Druck
Frankreichs Präsident Hollande steht unter Druck

Frankreich sollte nach Einschätzung mehrerer Direktoren des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Falle einer anhaltenden Wachstumsflaute seinen Sparkurs verschärfen. Um Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu wahren, müsse die französische Regierung im nächsten Jahr auf jeden Fall das Defizitziel von drei Prozent erreichen, teilte der IWF nach Beratungen des Führungsausschusses in Washington mit.

Sollte die französische Wirtschaft schwächer wachsen als erwartet, müsse die Regierung in Paris nach Ansicht mehrerer IWF-Direktoren gegensteuern. Einige Mitglieder des Boards hätten sich während der Sitzung aber auch gegen eine Verschärfung des Sparkurses ausgesprochen, weil dies das Wachstum nur noch weiter abwürgen würde.

Schwache Wirtschaftsentwicklung

Die französische Wirtschaft wird nach Einschätzung des Statistikamts in diesem Jahr kaum gewachsen sein. Für 2012 ist demnach lediglich mit einem Plus von 0,1 Prozent zu rechnen. Die Prognose der Behörde fällt damit schlechter aus als die offizielle Schätzung der Regierung, die ein Wachstum von 0,3 Prozent für das Gesamtjahr erwartet. 2011 war die französische Wirtschaft noch um 1,7 Prozent gewachsen.

Der Ausblick fällt kaum besser aus. So rechnet die Statistikbehörde auch für die ersten beiden Quartale 2013 mit einem Plus von jeweils 0,1 Prozent. Damit dürfte der Druck auf die sozialistische Regierung von Präsident François Hollande wachsen, ihre Wachstumsprognose für 2013 von bislang 0,8 Prozent nach unten zu korrigieren. Die schwache Wirtschaftsentwicklung könnte es Hollande zudem erschweren, 2013 das Defizitziel von drei Prozent einzuhalten.

Quelle: Reuters/cat
Quelle: Reuters
10.12.12 1:41 min.
Bei der Vergabe des Friedensnobelpreises werden Deutschland und Frankreich hervorgehoben. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Francois Hollande waren dabei.
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Warum Frankreich unter Druck steht
  • WETTBEWERBSFÄHIGKEIT

    In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich in diesem Jahr um drei Ränge auf den 21. Platz ab, fand das World Economic Forum bei seinem weltweiteren Standortvergleich heraus. Zum Vergleich: Deutschland belegt Rang sechs. Auch die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der „Grande Nation“. Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.

  • INDUSTRIE

    Während die deutsche Industrie in Deutschland eine Renaissance erlebt, befindet sie sich beim Nachbarn auf dem Rückzug. Nur noch 12,6 Prozent trägt sie zur Bruttowertschöpfung bei, in Deutschland dagegen mehr als doppelt so viel (26,2 Prozent). Ein Grund dafür sind die Arbeitskosten: Im Schnitt kostet eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro, in Frankreich dagegen 34,20 Euro, fand das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft heraus.

  • MINI-WACHSTUM

    Entsprechend düster sind die Konjunkturaussichten: Lediglich ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent traut der Internationale Währungsfonds der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone zu. 2013 sollen es mit 0,4 Prozent nur unwesentlich mehr sein. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr um 0,9 Prozent wachsen. Entsprechend düster sieht es auch am Arbeitsmarkt aus: Die Arbeitslosenquote liegt bei 10,8 Prozent – in Deutschland ist die nach internationalen Standards berechnete Quote nicht einmal halb so hoch.

  • SCHULDEN

    Dem Staat sind wegen der hohen Verschuldung die Hände gebunden – er muss sparen: Während Deutschland kaum noch neue Schulden macht, dürfte das Defizit in Frankreich sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr über der in den EU-Verträgen verankerten Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes bleiben. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2013 auf 92,5 Prozent der Wirtschaftsleistung wachsen. Erlaubt sind eigentlich 60 Prozent. Zwischen 1992 und 2007 lag er im Schnitt noch bei 57,7 Prozent.

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