21.12.12

Prognose

Wirtschaft wächst in Berlin 2013 schneller als im Bund

Volkswirte prognostizieren für Berlin ein Wachstum von 1,8 Prozent, vor allem der Dienstleistungssektor boomt. Trotzdem bleibt Berlin arm.

Von Joachim Fahrun
Foto: dapd

Berlin wächst, der Arbeitsmarkt zeige sich weiterhin robust, und die Haushalte könnten reale Einkommenszuwächse erzielen
Berlin wächst, der Arbeitsmarkt zeige sich weiterhin robust, und die Haushalte könnten reale Einkommenszuwächse erzielen

Die Wirtschaft wird 2013 in Berlin voraussichtlich fast doppelt so schnell wachsen wie im Bundesgebiet. Die Volkswirte der Investitionsbank Berlin (IBB) prognostizieren für die Hauptstadt ein Wachstum von 1,8 Prozent.

Die Bundesregierung hat gerade ihre eigene Erwartung für 2013 auf ein Plus von einem Prozent gesenkt. "Wir haben in Berlin eine große Dynamik", sagte IBB-Chefvolkswirt Hartmut Mertens. Wegen einer "vorübergehenden Eintrübung" im zweiten Halbjahr werde 2012 nur ein Wachstum von 1,5Prozent erreicht. Diesen Wert hatte Mertens 2011 prognostiziert.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt beruht laut der IBB-Analyse auf dem Dienstleistungssektor, dem Boom im Tourismus, dem stabilen Gründungsgeschehen und dem privaten Konsum. Getrübt würden die Konjunkturaussichten lediglich von den rückläufigen Auftragseingängen in der Industrie. Positiv wirke sich auch die gute Baukonjunktur aus. Ein Abflauen der Dynamik für den Wohnungsbau sei nicht zu erwarten. Berlin wächst, der Arbeitsmarkt zeige sich weiterhin robust, und die Haushalte könnten reale Einkommenszuwächse erzielen.

Diese Analyse steht scheinbar im Widerspruch zu einem anderen Gutachten, das der Paritätische Wohlfahrtsverband am Donnerstag veröffentlichte. In seinem Armutsbericht heißt es, der Anteil derjenigen Menschen, die von Armut bedroht sind, sei in Berlin so stark gewachsen wie in keinem anderen Bundesland. Jeder fünfte Berliner sei gefährdet. Binnen eines Jahres habe die Quote um fast zwei Prozentpunkte auf 21,1 Prozent zugenommen. Berlin belegt damit den drittletzten Platz unter den Bundesländern vor Mecklenburg-Vorpommern und Bremen.

Armutsgefährdung "eine Folge des Aufschwungs"

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, man müsse die Ergebnisse des Berichts "ernst nehmen und entsprechend darauf reagieren". Auch wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt steige die Gefahr der Schieflagen. "Diesen Verwerfungen müssen wir begegnen", sagte Wowereit.

IBB-Experte Mertens erkennt in der steigenden Armutsgefährdung auch eine Folge des Aufschwungs. Denn als gefährdet gilt, wer über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verfügt. Steigt das Einkommensniveau, rutschen mehr Menschen, die davon nicht profitieren können, unter die 60-Prozent-Marke. "Insgesamt werden wir beim Niveau der Einkommen noch lange hinter anderen großen Städten zurückliegen", sagte der IBB-Volkswirt.

Ökonomen wie Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung stellen schon lange fest, dass trotz der guten Entwicklung die Zahl der Arbeitslosen nicht in gleichem Maße sinkt. Es bereite große Probleme, die Arbeitslosen in den Erwerbsprozess zu integrieren. Niedrige Einkommen erzielten auch die in Berlin stark vertretenen Personen in akademischen, insbesondere sozialwissenschaftlichen Berufen und Künstler.

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