21.12.12

Arbeitsplätze

Kahlschlag kurz vor Weihnachten bei Berliner Bank

Jede vierte Stelle fällt bei dem Berliner Geldhaus weg, insgesamt 17 Filialen schließen. Betriebsbedingte Kündigungen sind möglich.

Foto: PA/dpa/Mike Wolff

Personalabbau: Bis in die Nacht zu Mittwoch wurde in der Zentrale der Berliner Bank an der Hardenbergstraße verhandelt. 144 Stellen fallen weg
Personalabbau: Bis in die Nacht zu Mittwoch wurde in der Zentrale der Berliner Bank an der Hardenbergstraße verhandelt. 144 Stellen fallen weg

Bankmanager flüchten sich gerne in eine englische Phrase, wenn sie über die Probleme mit dem Filialgeschäft reden. Deutschland sei "overbanked" sagen sie. Bedeutet: Deutschland hat zu viele Geldhäuser und Filialen, gemessen an der Zahl der Kunden. Seit Jahren wird daher die Filialdichte geringer, weil sich Außenposten mit teuren Mieten und Mitarbeitern immer weniger rechnen. Kurz vor Weihnachten lässt nun auch die Berliner Bank ihre Mitarbeiter spüren, was "overbanked" bedeutet: Die Zahl der Filialen, derzeit 55, soll um ein Drittel sinken. Bis Mitte 2014 sollen 17 Filialen zugemacht werden. Zudem werden knapp 150 von rund 600 Stellen gestrichen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen.

Damit fällt der Sparkurs weit härter aus, als im Vorfeld von Arbeitnehmerseite befürchtet und von der Bank gestreut worden war. Schon bald nach Bekanntwerden der Pläne hatte es Gerüchte gegeben, nach denen die Bank rund 200 Leute, also fast jeden Dritten, loswerden wolle. Diese Zahl sei zu hoch gegriffen, ließ Berliner-Bank-Chef Frank Gilly verbreiten. Mit dieser Forderung ziehe man nicht in die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern.

Jetzt wurde bekannt: Das Management hatte einen Abbau von 187 Stellen im Sinn. Nach der letzten Verhandlungsrunde in der Nacht zu Mittwoch stand dann eine Einigung auf 144 Mitarbeiter, die gehen müssen. Nicht berücksichtigt sind dabei zwölf Mitarbeiter, die im Wesentlichen Leistungen für die Berliner Bank erbringen, offiziell aber zur Deutschen Bank gehören. Auch diese Stellen sollen wegfallen.

Ver.di streckt Stellenabbau

Der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di zufolge ist es dem Betriebsrat in den Verhandlungen noch gelungen, den Zeitraum für den Stellenabbau zu strecken. Die Arbeitsplätze sollen nun nicht, wie Gilly es wollte, in den nächsten zwölf bis 18 Monaten verschwinden. Vielmehr streckt sich der Abbau über drei Jahre. "Dadurch besteht die Chance, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt und der Personalabbau sozialverträglich erfolgen kann", sagte Frank Wolf, Bankenexperte bei Ver.di. Sprich: Mit Instrumenten wie natürlicher Fluktuation, Abfindungsangeboten und Frühverrentung lässt sich der Personalabbau möglicherweise so gestalten, dass keine Kündigungen ausgesprochen werden müssen.

Ver.di-Mann Wolf sprach von einer "fortschreitenden Demontage der Bank", was genau genommen falsch ist. Denn die Berliner Bank ist seit 2010 kein eigenständiges Institut mehr, sondern lediglich eine Niederlassung der Deutschen Bank. Diese hatte das Institut samt 1100 Mitarbeitern 2006 von der Landesbank Berlin (LBB) erworben. Zunächst führte die Deutsche Bank das kleine Institut als eigenständiges Geldhaus weiter. Dann wurde daraus eine reine Niederlassung des Frankfurter Finanzkonzerns.

Aus ursprünglich 1100 Mitarbeitern wurden etwas mehr als 600. Nun ist die Berliner Bank eine Deutsche-Bank-Niederlassung mit einem Mantel, der aus eigenem Namen und einer eigenen Farbe besteht: Gelb statt des üblichen Deutsche-Bank-Blaus. Der Leib, den dieser Mantel umhüllt, muss nun kräftig abspecken. Gilly sagte, 17 Filialen wolle man möglichst im kommenden Jahr schließen. Dieser Prozess solle maximal bis Mitte 2014 dauern. "Künftig werden wir 38 Standorte mit hoher Beratungsqualität haben", sagte Gilly.

Bankmitarbeiter gelten als konfliktscheu

Allerdings muss er da wohl einiges für die Motivation seiner Leute tun. Dass kurz vor Weihnachten ein solch drastisches Sparprogramm gestartet wird, empfänden Mitarbeiter als "dramatisch", sagt Ver.di-Mann Wolf. Da Bankmitarbeiter eher als konfliktscheu gelten, deutet das auf eine erhebliche Verstimmung hin. Im Sozialplan wurde vereinbart, zu welchen Bedingungen Mitarbeiter ausscheiden können. Da die Muttergesellschaft Deutsche Bank als sozialer Arbeitgeber gilt, hofft Wolf, dass der Stellenabbau bis Ende 2015 ohne betriebsbedingte Kündigungen über die Bühne gehen wird.

Die Deutsche Bank ist in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Übernahmen größtes deutsches Filialhaus geworden. Zum Institut gehören neben der Berliner Bank und den eigenen Niederlassungen mit dem blauen Logo auch die Postbank sowie die Norisbank. Letztere wurde zum reinen Online-Anbieter. Bei der Deutschen Bank selbst und der Postbank soll es in Berlin nach derzeitigem Stand keine Filialschließungen geben.

Vergangene Woche hatte Gilly gesagt, dass Filialkonzept, das vor 20 Jahren gut gewesen sei, funktioniere nun nicht mehr. Da viele Leute Geldgeschäfte über das Internet erledigen und seit der Finanzkrise das Vertrauen in Bankberater schwindet, gibt es in den Filialen weniger zu tun. Zudem hat die Deutsche Bank einen harten Sparkurs ausgerufen. Bis zum Jahr 2015 will das Geldhaus in jedem Jahr mit 4,5 Milliarden Euro weniger auskommen.

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