Vorstandswechsel
Höttges besteigt Telekom-Thron früher als erwartet
Telekom-Chef René Obermann gibt seinen Posten ab, Nachfolger wird Clemens Höttges, sein Einfluss im Konzern ist groß.
So überraschend der angekündigte Rücktritt von Telekom-Chef René Obermann ist, so wenig überrascht sein Nachfolger. Bei fast allen wichtigen Terminen ist Obermann mit seinem Finanzchef Timotheus Höttges aufgetreten. Intern galt der bereits als Kronprinz. Beide spielten sich am Donnerstag die Bälle zu. "Mit René Obermann verbindet mich mehr als nur eine reine berufliche Beziehung", sagte Höttges, und Obermann erwiderte: "Ich kann mir keinen Besseren vorstellen als ihn, um die gute Entwicklung der letzten Jahre fortzuschreiben." Der Börsenkurs reagierte gelassen auf die Nachricht.
Tatsächlich war Höttges' Einfluss in der Vergangenheit schon größer, als es die eines Finanzvorstandes üblicherweise ist. Besonders in strategischen Fragen hatte sich Obermann eng mit ihm abgestimmt. Zuletzt hatte Höttges sogar die Verantwortung für die größte Konzernbaustelle, das Amerika-Geschäft.
Verhandlungen mit AT&T
Bereits die Verhandlungen mit AT&T, aus der ein für die Telekom gutes Geschäft hervorgehen sollte, hatte Höttges maßgeblich geführt. Allerdings scheiterte der Verkauf von T-Mobile USA an AT&T an den Widerständen der Wettbewerbsbehörden. Auch beim jüngsten Geschäft in Übersee, dem Zusammengehen von T-Mobile USA mit dem Anbieter MetroPCS, war Höttges führend beteiligt. Die Wettbewerbsbehörden müssen dem aber noch zustimmen.
Höttges ist seit zwölf Jahren bei der Telekom. Er beherrscht die Kommunikation mit Investoren und Analysten ausgesprochen gut. Vor zwei Wochen hatte er mit Obermann auf einer Investorenveranstaltung einen Strategieschwenk und zugleich die Kürzung der Dividende um fast 30 Prozent angekündigt, ohne dass der Aktienkurs darunter merkbar litt.
30 Milliarden Euro Investitionen
Die Telekom kündigte an, in den kommenden drei Jahren 30 Milliarden Euro zu investieren und vor allem die Netze in den USA und in Deutschland auszubauen. Die Strategie ist nicht ohne Risiko. Im Konkurrenzkampf kennen die Preise nur den Weg abwärts. Das Geschäft der Telekom geht seit Jahren zurück. Höttges will dies ändern: "Wir wollen bis 2014 die Umsatzrückgänge stoppen und wieder wachsen. Auf der Schuldenseite sind wir besser aufgestellt als unsere Hauptwettbewerber in Europa." Darauf sei die Telekom stolz.
Obermann hat die Telekom stark umgebaut, mehrere Sparprogramme abgearbeitet und neue Wachstumsfelder gefunden, etwa das mobile Internet. Dem Vorwurf, amtsmüde zu sein, widersprach er. Er sei nach wie vor voller Energie, wolle künftig aber stärker operativ arbeiten, "näher an die Basis und näher am Maschinenraum". Der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner bedauerte die Entscheidung.

















