20.12.2012, 13:07

Lebensmittel Experten nehmen Spekulanten gegen Gauck in Schutz


Dunkle Wolken stehen über einem Weizenfeld. Gauck kritisiert Spekulationen mit Lebensmitteln

Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

Dunkle Wolken stehen über einem Weizenfeld. Gauck kritisiert Spekulationen mit Lebensmitteln Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

Der Bundespräsident fordert Fonds auf, sich aus Agrar-Finanzgeschäften zurückzuziehen. Wissenschaftler sagen, Termingeschäfte schützten vor Preisverfall. Aber auch diese Theorie ist umstritten.

Vierzig Wissenschaftler haben der Kritik von Bundespräsident Joachim Gauck an den Finanzmärkten widersprochen. Lebensmittel-Spekulation könne bei der Bekämpfung des Hungers in der Welt helfen und führe eher zu niedrigeren statt höheren Preisen, erklärten die Wissenschaftler in einem offenen Brief an Gauck.

"Eine drastische Einschränkung dieser Finanzgeschäfte birgt deshalb die Gefahr, dass die Agrarmärkte nicht besser, sondern schlechter funktionieren", teilte die Universität Halle mit. Zuvor hatte bereits die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darüber berichtet.

Die Wissenschaftler um den Wirtschaftsethiker Ingo Pies aus Halle bezogen sich auf Äußerungen von Gauck, der den Rückzug einiger Banken aus diesem Geschäft begrüßt hatte.

"Ich finde es darum gut, wenn deutsche Banken Verantwortungsbewusstsein zeigen und entsprechend ausgelegte Fonds prüfen und hoffentlich zurückziehen", hatte Gauck erklärt. So hatten unter anderem die Commerzbank und die Dekabank einen Rückzug aus der Agrarsparte angesichts massiver öffentlicher Kritik bekannt gegeben.

Termingeschäfte schützen vor Preisverfall

Die Argumentation der Wissenschaftler lautet im Kern: Durch so genannte Termingeschäfte können sich Hersteller von Agrarprodukten wie Weizen gegen einen künftigen Verfall der Preise am Weltmarkt absichern. Dafür zahlen sie eine Art Versicherungsprämie an die Spekulanten.

Das Angebot auf dem Weltmarkt werde durch die Geschäfte überhaupt nicht verringert. Im Gegenteil: Weil die Hersteller damit ihre Risiken verminderten, könnten sie mehr investieren und anbauen. "Das sorgt für Planungssicherheit und verbessert die Produktionsbedingungen im Agrarsektor", erklärte die Uni Halle in ihrer Mitteilung.

Die These der Wissenschaftler ist allerdings umstritten. So werfen Organisationen wie die Welthungerhilfe den Spekulanten vor, sich auf Kosten der Hungernden in armen Ländern zu bereichern.

Dabei beziehen sich die Gegner auf eine Reihe von möglichen Abweichungen von dem theoretischen Modell: So hätten die Finanzgeschäfte unmittelbare Auswirkungen, wenn wegen der gestiegenen Preise an den Terminmärkten reale Waren künstlich länger gelagert und dem Markt speziell bei anziehenden Preisen entzogen würden. Auch könne das Ausmaß der Preisschwankungen zunehmen oder ein Überangebot an Kapital für die Termingeschäfte die Preise verzerren.

(dpa/woz)
Di, 27.11.2012, 07.41 Uhr

Tausende Milchbauern aus mehreren EU-Staaten haben in Brüssel gegen die Agrar- und Milchpolitik der EU protestiert. Sie verpasstem dem Gebäude des Europäischen Parlaments eine Milchdusche.

Video: dapd
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