20.12.12

Optimistisch

Gesundheitsbranche plant Zehntausende neue Jobs

Die Gesundheitswirtschaft ist mit 4,8 Millionen Beschäftigten eine der wichtigsten Branchen in Deutschland. Für 2013 ist sie viel zuversichtlicher als andere. Aber es gibt auch Risiken.

Foto: Infografik Die Welt

Die Unternehmen in der Gesundheitsbranche fürchten unter anderem den Fachkräftemangel
Die Unternehmen in der Gesundheitsbranche fürchten unter anderem den Fachkräftemangel

Die deutsche Gesundheitswirtschaft geht mit großem Optimismus ins neue Jahr. Viele Unternehmen wollen Personal aufbauen. Dies zeigen die noch unveröffentlichten Ergebnisse einer Branchenumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

"Auch in konjunkturell schwierigen Zeiten erweist sich die Gesundheitswirtschaft als Stabilisator", sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der Berliner Morgenpost. Insbesondere aufgrund des demografischen Wandels wachse die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen und -produkten.

Bis zu 55.000 neue Arbeitsplätze werden Driftmanns Prognose nach 2013 in der Branche entstehen. Der größte Teil gehe dabei auf das Konto der personalintensiven Gesundheitsdienstleister, sagte der DIHK-Chef.

Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige

Die Gesundheitsbranche ist hierzulande mit rund 4,8 Millionen Beschäftigten einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige und umfasst Pharmakonzerne und Medizintechnik-Hersteller ebenso wie Arztpraxen, Pflegeheime oder den Arzneimittelhandel.

"Die Gesundheitswirtschaft schätzt ihre Lage insgesamt positiv ein, wenn auch ein wenig verhaltener als zuvor", heißt es in dem Bericht. Gut laufen derzeit die Geschäfte vor allem bei den Gesundheits- und sozialen Diensten sowie in der Pharmaindustrie und der Medizintechnik. Etwas skeptischer, aber immer noch positiv, beurteilt der Handel mit Gesundheitsdienstleistungen die aktuelle Lage.

Für 2013 herrscht branchenweit Optimismus: "Der Blick nach vorne fällt in der Gesundheitswirtschaft spürbar zuversichtlicher aus als in der Gesamtwirtschaft", resümiert der Bericht. Insgesamt ließen sich die Betriebe der Branche kaum von der schwierigen Lage im Euro-Raum und der ungelösten Staatsschuldenkrise verunsichern.

Demografie bedingt hohe Nachfrage

Zumal sich der Sektor auf seinen strukturellen Vorteil stützen könne: die demografisch bedingt hohe, wachsende und wenig schwankende Nachfrage. Die exportorientierten Branchen der Gesundheitswirtschaft, Pharma und Medizintechnik, gehen auch von nach wie vor guten Exportgeschäften aus.

Allerdings sind die Erwartungen an die Entwicklungen der Ausfuhren gegenüber dem sehr hohen Niveau, das der DIHK Anfang des Jahres gemessen hatte, leicht zurück gegangen.

Dies sei zum einen auf die schwächere Weltkonjunktur und zum anderen auf neue Regulierungen der hiesigen Preisgestaltung in der Arzneimittelbranche zurückzuführen, heißt es in dem Report. "Da die deutschen Arzneimittelpreise häufig als Referenzgröße im Ausland dienen, können die Einschränkungen bei der Preissetzung geringere Exportumsätze nach sich ziehen." Von einer ernsthaften Abschwächung der Exporterwartungen könne aber nicht gesprochen werden. Sie liege noch immer weit vor der gesamten Industrie.

Spürbarer Stellenzuwachs geplant

Auch beim Personal setzt die Gesundheitswirtschaft – wenngleich schwächer als noch im Sommer – weiter auf Expansion. Laut Umfrage kommen auf jeden Betrieb, der Stellen abbauen will, zwei Unternehmen, die neue Arbeitsplätze planen.

"Die Gesundheits- und sozialen Dienste sind erneut eine sichere Bank – sie sind eine personalintensive Branche, die sich stabil hoher und sogar wachsender Nachfrage gegenüber sieht", stellt der Bericht fest. Auch in der Pharmabranche und der Medizintechnik sei ein spürbarer Stellenzuwachs geplant.

Trotz dieser insgesamt erfreulichen Entwicklungen gebe es aber auch Risiken, sagte DIHK-Chef Driftmann. Insbesondere der Fachkräftemangel sei eine Herausforderung für die Gesundheitswirtschaft. Darin sähe heute fast jedes zweite Unternehmen ein Risiko für seine wirtschaftliche Entwicklung – vor zwei Jahren sei es noch jedes dritte Unternehmen gewesen.

So sehen 70 Prozent der Gesundheitsdienstleister den Fachkräftemangel als größten Risikofaktor an. Schließlich fehlen schon heute vielerorts nicht nur Ärzte, sondern auch Krankenschwestern und Pflegekräfte. Eng verknüpft damit ist die Angst vor höheren Arbeitskosten, die ebenfalls bei den personalintensiven Gesundheits- und sozialen Diensten besonders stark ausgeprägt ist.

Pharmaindustrie fürchtet höhere Rohstoffpreise

Die Pharmaindustrie und die Hersteller von Medizintechnik fürchten höhere Rohstoff- und Energiepreise. Ein weiteres, in der Branche stets als hoch eingeschätztes Risiko, sind zudem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Besonders groß ist die Angst vor den Politikern beim Handel mit Gesundheitsgütern, also etwa bei Apothekern oder Arzneimittel-Großhändlern: Zwei Drittel der Betriebe sehen hier ein ernsthaftes Risiko.

Und auch die Pharmabranche plagt die Angst, dass sich die Rahmenbedingungen verschlechtern könnten. Dieses Misstrauen lässt sich nach Ansicht des DIHK damit begründen, dass der Gesetzgeber immer wieder mit neuen Regulierungen in die Preisgestaltung bei Arzneimitteln eingegriffen hat.

Der DIHK mahnt mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen an, um langfristig den Anstieg der Sozialabgaben zu dämpfen. Sinnvoll wäre, die Finanzierung wieder auf die früheren, kassenindividuellen Beitragssätze umzustellen.

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Einnahmen der Ärzte
  • Spitzenreiter

    Spitzenreiter beim Umsatz der Ärzte aus dem Honorar von Behandlung und Diagnose gesetzlich Versicherter sind die Labormediziner. Sie erzielten nach den jüngsten Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im ersten Halbjahr 2011 pro Quartal einen Honorarumsatz von rund 230.000 Euro, gefolgt von Nierenspezialisten mit 224.000 Euro.

  • Nachfolger

    Hausärzte und Strahlenmediziner, Humangenetiker, Fachärzte für Innere Medizin mit bestimmten Schwerpunkten und Radiologen folgen mit Werten zwischen 199.000 und 93.000 Euro. Kinder- und Jugendpsychiater erzielten 65.000 Euro Umsatz, Augenärzte 60.000, Chirurgen 57.000, Orthopäden 56.000, Hausärzte 52.000 und Gynäkologen 47.000 Euro.

  • Schlusslichter

    Nach der jüngsten amtlichen Statistik lagen die Allgemeinmediziner mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 116.000 Euro am unteren Ende beim Ärzteverdienst. Diese Erhebung des Statistischen Bundesamts für die Situation in Einzelpraxen im Jahr 2007 nennt die gesamten Einnahmen aus den gesetzlichen und privaten Kassen abzüglich der Aufwendungen in der Praxis, aber vor Steuern und Abgaben. Spitzenreiter sind hier die Radiologen mit 264.000 Euro. Im Mittelfeld liegen etwa die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (144.000 Euro), die Frauenärzte (145.000 Euro), die Chirurgen (148.00 Euro), die Hautärzte (155.000 Euro) und die Internisten (158.000 Euro).

  • Durchschnitt

    Im Schnitt aller Ärzte waren es 142.000 Euro im Jahr 2007, nach 126.000 Euro vier Jahre zuvor. Laut Spitzenverband der Krankenkassen stieg der Ertrag bis 2011 auf 165.000 Euro. Auch das Bundesamt erhebt nun die Daten für 2011. Am 21. September 2012 werden die für die repräsentative Stichprobe ausgewählten Praxen dafür herangezogen. Mit Ergebnissen wird im Sommer 2013 gerechnet.

  • Nettoeinkommen

    Und was bleibt? Das monatliche Nettoeinkommen der Kassenärzte von gesetzlichen und privaten Kassen beträgt laut KBV nach den jüngsten Zahlen im Schnitt insgesamt 5442 Euro. Einem Allgemeinmediziner blieben demnach im Schnitt 5018 Euro pro Monat, einem Orthopäden 6344 Euro, einem Psychotherapeuten dagegen nur 2658 Euro.

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