20.12.12

Kommentar

Deutschland hat die Energiewende noch lange nicht im Griff

Mit einer schonungslosen Zwischenbilanz hat der von der Bundesregierung präsentierte Bericht zur Energiewende wenig zu tun.

Foto: dapd

Dass die Energiewende in entscheidenden Punkten ausgerechnet im Wahlkampfjahr 2013 nennenswert vorankommt, ist nicht zu erwarten
Dass die Energiewende in entscheidenden Punkten ausgerechnet im Wahlkampfjahr 2013 nennenswert vorankommt, ist nicht zu erwarten

Die Bundesregierung hat sich selbst erwartungsgemäß ein gutes Zeugnis über den Fortgang der Energiewende ausgestellt. Die Belege für diese Selbsteinschätzung sind zwar dürftig. Doch nachdem die Koalition die Veröffentlichung ihres Zwischenberichts tagelang hinausgeschoben hatte, kann sie nun immerhin ein paar halbwegs handfeste Erfolge vorweisen: Das Geld zur Förderung der Gebäudesanierung wurden geringfügig aufgestockt.

Außerdem liegt jetzt ein Gesetzentwurf zum Ausbau der Stromnetze vor. Als kameratauglichen Beweis dafür, dass es vorangeht, konnte Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Woche sogar persönlich ein kurzes, aber strategisch wichtiges Stück Stromleitung zwischen Hamburg und Schwerin in Betrieb nehmen. Das verlieh der regierungsamtlichen Botschaft zur Energiewende immerhin einen Anschein von Plausibilität: Der Weg ist hart, aber die Richtung stimmt.

Wenn dem nur so wäre. Mit einer schonungslosen Zwischenbilanz hat der von der Bundesregierung präsentierte Bericht wenig zu tun. Denn zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme hätte der Befund gehört, dass es in Wirklichkeit nur in zwei Teilaspekten der Energiewende ansatzweise gut läuft, und dies auch nur dann, wenn man diese Aspekte isoliert betrachtet.

So konnten die Erzeugungskapazitäten für Ökostrom zwar auf 25 Prozent stark ausgebaut werden, allerdings ist dies ein teuer erkaufter Erfolg, bezahlt mit Subventionen von inzwischen 20 Milliarden Euro pro Jahr. Die beträchtlichen Risiken für die System- und Versorgungssicherheit, für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, für den Kaufkrafterhalt der Bevölkerung rechnet die Bundesregierung da aus gutem Grund nicht gegen.

Auch bei der Netzplanung hat das Bundeswirtschaftsministerium zwar keine schlechte Grundlage geliefert, die fristgerechte Umsetzung des Leitungsbaus ist dennoch höchst unsicher: Schon von 2015 an sollen weitere Atomkraftwerke im ohnehin unterversorgten Süddeutschland vom Netz gehen. Dass die geplanten "Stromautobahnen" mit ihrer bislang kaum erprobten Gleichstromtechnik rechtzeitig genügend Windstrom aus dem Norden herbeischaffen können, ist unwahrscheinlich.

Für die Beantwortung der Kernfragen der Energiewende hat die Bundesregierung noch keine Lösung, so viel wird aus dem Monitoringbericht deutlich: Der Aufbruch des uferlos gewordenen Subventionssystems. Die Wiederherstellung eines Marktes für Elektrizität, der Investoren verlässliche Preissignale liefern kann. Die Synchronisation von erneuerbaren Energien, konventionellen Reservekraftwerken und Speichern. Die Sanierung des energiefressenden Häuserbestandes. Die Koordination der Bundesländer, die alle ihre eigenen Energiewenden verfolgen.

Auch, die Energiewende in den europäischen Strommarkt einzubinden, gehört zu den unerledigten Aufgaben der Bundesregierung. Dass es in all diesen Punkten im Wahlkampfjahr 2013 nennenswert vorankommt, ist nicht zu erwarten. Im Griff hat die Regierung den Umbau der Energieversorgung noch lange nicht.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Familie Obama nach der Landung in Berlin
Aktualisiert vor 1 MinuteLiveblog
Obama in Berlin – "Meet and Greet" im Ritz-Carlton

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia sind in Berlin. Ihre Nacht im Hotel Ritz-Carlton ist vorbei. Nun hat ein Tag voller Termine begonnen. Der Liveblog. mehr...


Absperrungen in Berlin
06:42Straßensperrungen
Die Verkehrslage in Berlin während des Obama-Besuchs

Straßen sind gesperrt, Busse werden umgeleitet, Bahnen fahren eingeschränkt: Berlin ist wegen des Staatsbesuches von Barack Obama im Ausnahmezustand. Eine Zusammenfassung der Verkehrseinschränkungen. mehr...


Nicht nur für die Einheimischen ist der Besuch von Barack Obama etwas Besonderes. Auch die Touristen empfinden ihn als eine Extra-Attraktion
05:18US-Präsident
Gelassene Touristen treffen auf aufgeregte Demonstranten

Eine Stadt in Erwartung: Wo können Berliner den Präsidenten sehen? Wird er im Fitnessstudio des Hotels eine Trainingseinheit einlegen? Und bekommen die Polizisten auch keinen Hitzschlag? mehr...

BMO_ObamaLimo.jpg
18.06.13Interaktive Grafik
Staatskarosse des US-Präsidenten ist ein rollendes "Biest"

Bei der Sicherheit des US-Präsidenten wird nichts dem Zufall unterlassen. Seine Dienstlimousine ist wie ein fahrender Hochsicherheitstrakt. Daher hat sie auch den Spitznamen "The Beast" - das Biest. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin US-Präsident Obama erreicht das Ritz-Carlton
Berlin-Besuch Obamas Rede an der Siegessäule
Staatsbesuch In Berlin gilt höchste Sicherheitsstufe für Obama
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. DeutschlandTreffen in BerlinDiese Fragen müsste Merkel Obama stellen
  2. 2. DeutschlandLivetickerObama will in Berlin atomare Abrüstung vorschlagen
  3. 3. Wall Street JournalKrisenstaatZypern fleht erneut um Hilfe für die Banken
  4. 4. AuslandSchifffahrt++Mi++Afrikas Piraten greifen jetzt im Westen an
  5. 5. WirtschaftAltersabsicherungWarum die Rente mit 69 allen Deutschen helfen soll
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

Deutschland-Reise

Tag 1 - So kommt US-Präsident Obama in Berlin an

Absperrungen

US-Präsident Barack Obama in Berlin

US-Präsident

Straßensperrungen zum Besuch von Obama in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote