19.12.12

Tourismus

TUI steckt trotz Reiseboom in den roten Zahlen

Exklusiv-Reisen werfen Gewinn ab, Last Minute läuft blendend, die Hotels sind voll. Doch die TUI schreibt Verluste – weil das Unternehmen auch in einer Krisenbranche weiter stark engagiert ist.

Foto: dapd

Reisekataloge von TUI, aufgenommen in Hannover
Reisekataloge von TUI, aufgenommen in Hannover

Manchmal verbergen sich hinter Personalien interessante Geschichten. Wenige Tage bevor TUI-Konzenchef Michael Frenzel seine letzte Bilanz vorlegte, war bekannt geworden, dass Sebastian Ebel zur TUI zurückkehrt.

In der neu geschaffenen Funktion als Operating Performance Director wird der 49-Jährige direkt an den designierten Vorstandschef der TUI, Friedrich Joussen, berichten.

Der neue TUI-Direktor war bereits von 1999 bis 2006 in verschiedenen Management-Funktionen für den Konzern tätig, zuletzt als Mitglied des Vorstands, unter anderem mit der Zuständigkeit für die Bereiche Controlling, IT, Einkauf, Geschäftsreisen und Hotels.

Ebel wurde damals intern durchaus als aussichtsreicher Kandidat für die Frenzel-Nachfolge gehandelt und fiel dann in Ungnade, unter anderem wegen seines schneidigen Auftretens gegenüber Mitarbeitern.

Nach Umwegen war Ebel zuletzt Finanzchef bei Vodafone Deutschland – und damit einer der engsten Mitarbeiter des langjährigen Vodafone-Chefs Joussen. Der rammt also schon vor der Ablösung Frenzels als TUI-Chef am 13. Februar auf der Hauptversammlung dicke Pflöcke ein in der TUI-Zentrale in Hannover.

Äußerlich ungerührt, wie in all den Jahren – aber sicher mit einer kleinen Portion Wehmut – präsentierte Frenzel dann seine letzte Bilanz. Und die ist durchaus erfreulich. Die Verluste der Container-Reederei Hapag-Lloyd haben beim Reisekonzern TUI zwar die Rekordgewinne aus dem Urlaubsgeschäft unter dem Strich mehr als aufgezehrt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September stand ein Verlust von 15 Millionen Euro nach einem Gewinn von 24 Millionen ein Jahr zuvor.

Der Konzern will wieder keine Dividende zahlen

Im operativen Geschäft verdiente TUI aber dank lukrativer Exklusivreisen, eines starken Last-Minute-Verkaufs und der gut ausgelasteten eigenen Hotels 746 Millionen Euro, fast ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Die Aktionäre sollen an den Erfolgen des Geschäftsjahres aber nicht beteiligt werden, die Ausschüttung einer Dividende ist nicht vorgesehen.

Damit profitierten die Anteilseigner nicht von dem höchsten operativen Gewinn, den TUI jemals mit Urlaubsreisen verdient hat. Der Konzerngewinn, bei dem TUI auch die Anteile von Minderheitsaktionären einbezieht, legte um ein Fünftel auf fast 142 Millionen Euro zu. Der Umsatz kletterte um fünf Prozent auf 18,3 Milliarden Euro. "Die gute Nachricht ist, dass die Menschen nicht beim Urlaub und beim Reisen zuerst den Rotstift ansetzen", sagte Frenzel.

Auch die sehr starken Buchungseingänge der vergangenen Wochen hätten das unterstrichen. Frenzel: "Wir haben einen sehr guten Start nach vorne gehabt. Die Touristik ist im Vergleich zu anderen Branchen von gesamtwirtschaftlichen Krisen weniger betroffen." Am meisten boomt derzeit das Luxusgeschäft mit den Kreuzfahrten. Deshalb soll es auch weiter ausgebaut werden – ab Mai 2013 zunächst mit dem neuen Luxuskreuzer "Europa 2". Der Umsatz dieser TUI-Sparte zog mit einem Plus von 15 Prozent auf 231 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2011/2012 am stärksten an.

Unternehmen mit 200 Marken in 180 Ländern

Frenzel bezeichnete zudem die Verringerung der Nettoverschuldung des Konzerns um 639 Millionen Euro als großen Erfolg. Obwohl noch immer 178 Millionen Euro in den Schuldenbüchern stehen, sagte der 65-Jährige: "Damit haben wir unser langjähriges Ziel erreicht, den Konzern quasi schuldenfrei zu machen."

Auch der Personalstand sei mit 73.800 Mitarbeitern stabil. Insgesamt 200 Marken und Produkte, Präsenz in 180 Ländern, 30 Millionen Gäste – die Bilanz kann sich sehen lassen, lautete Frenzels Botschaft. Zwar hätte er am Ende gerne auch noch eine Dividende gezahlt. Doch auch wenn es die Liquidität hergegeben hätte, habe die Stärkung des Aktienkurses Priorität – und der sei zuletzt ja enorm gestiegen.

Für das neue Geschäftsjahr erwartet der TUI-Vorstand ein operatives Ergebnis auf Niveau des Vorjahres. "Der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2012/13 erscheint uns realistisch, aber vorsichtig", schrieb DZ-Bank-Analyst Herbert Sturm. Die Analysten von Equinet bezeichneten die Ergebnisse als stark und besser als erwartet.

TUI will an Ausstiegsplänen festhalten

Auf positives Echo stieß am Markt zugleich, dass TUI auch nach dem jüngsten Bekanntwerden der Fusionsgespräche bei Hapag-Lloyd an den Ausstiegsplänen festhalten will. Ein Zusammenschluss zwischen Hapag-Lloyd und Hamburg-Süd könnte das "Wertpotenzial" der TUI-Beteiligung erhöhen und sei zu begrüßen, sagte Frenzel.

Und diesen Mehrwert hätte der TUI-Chef nach jahrelangen Streitigkeiten mit dem norwegischen Reeder und TUI-Großaktionär John Fredriksen sicher noch gerne selbst realisiert. Der hatte lange versucht, Frenzel wegen Erfolglosigkeit absetzen zu lassen, um das Schifffahrtsgeschäft abzuspalten und gewinnbringend zu verkaufen.

Quelle: mit dpa
Quelle: dapd
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