19.12.12

Euro-Krisenland

Griechische Beamte streiken gegen Entlassungen

In Griechenland sollen wegen Streiks Schulen, Ministerien und Ämter geschlossen bleiben, Züge stehen still. Eine gute Nachricht für das gegen die Staatspleite kämpfende Land gibt es aber auch.

Quelle: Reuters
13.12.12 1:05 min.
In den nächsten Tagen wird Griechenland einen Teil der dringend benötigten Milliardenhilfe der Geldgeber bekommen. Nach Ansicht von Finanzminister Wolfgang Schäuble war dies ein wichtiger Schritt.

Aus Protest gegen geplante Entlassungen wollen in Griechenland die Staatsbediensteten streiken. Schulen, Ministerien und Steuerämter sowie Behörden der Städte sollen geschlossen bleiben. Auch Züge werden nicht fahren, wie die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes Adedy mitteilte.

Am Dienstagabend hatte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit Griechenlands nach dem erfolgreichen Anleihenrückkauf um mehrere Stufen angehoben. Die Bewertung erhöhe sich von einem teilweisen Zahlungsausfall ("SD") auf "B-", teilte S&P mit.

Anleihen in Milliardenhöhe aufgekauft

S&P begründete den Schritt mit der starken Bestrebung der Euro-Partner, das Land in der gemeinsamen Währungszone zu halten. Athen hatte zuletzt Anleihen im Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro am Markt aufgekauft. Erst vergangene Woche hatten die Euro-Finanzminister nach monatelanger Hängepartie 49,1 Milliarden Euro an Notkrediten endgültig freigegeben.

S&P hatte Griechenland wegen des Schuldenrückkaufs Anfang Dezember herabgestuft, weil es dieses Vorgehen als teilweisen Zahlungsausfall bewertet. Die Note für die Kreditwürdigkeit des Landes wurde seinerzeit von "CCC" auf "SD" gesenkt. Damals hatte die Agentur aber angekündigt, die Bewertung für den Fall eines geglückten Rückkaufs wieder zu erhöhen.

Rettung birgt große Risiken

Insgesamt sehen die internationalen Geldgeber für die Rettung Griechenlands vor dem Staatsbankrott aber große Risiken. In ihrem in Brüssel veröffentlichten Bericht äußert die Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) Zweifel daran, dass Athen tatsächlich seinen Verpflichtungen nachkommt und die zugesagten Reformen verwirklicht.

Probleme könnten durch die brüchige Regierungskoalition und den politischen Widerstand gegen manche Vorhaben entstehen. Die milliardenschweren Notkredite sollten dennoch wie geplant an Athen fließen.

150.000 Stellen sind bedroht

Am Mittwoch wollen nun die Staatsbediensteten ihrem Ärger über die geplanten Entlassungen Luft machen: Im Zuge der Einsparungen sollen in den nächsten Jahren rund 150.000 Staatsbedienstete in Griechenland gehen.

Am Streik nehmen auch Apotheker und Ärzte staatlicher Krankenkassen teil. Um die Mittagszeit wollen Staatsbedienstete im Zentrum Athens demonstrieren.

Quelle: dpa/cat

Zunächst stellt ein verschuldetes Land einen Antrag beim ESM.

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Die Griechen-Krise
  • Rezession

    In Griechenland hatte die Euro-Schuldenkrise ihren Anfang. Das Land war das erste, das 2010 internationale Finanzhilfe brauchte. Mehr als zweieinhalb Jahre später ist das Land immer noch von Pleite bedroht. Griechenlands Wirtschaft ist binnen fünf Jahren um mehr als 20 Prozent geschrumpft. Für 2013 wird mit einem weiteren Minus zwischen 4,2 bis 4,5 Prozent gerechnet. Die Stimmung in der Bevölkerung ist explosiv.

  • Arbeitslosigkeit

    Die Arbeitslosenquote liegt auf einem Rekordstand von 25,4 Prozent. Dramatisch ist die Lage vor allem für junge Menschen bis zum Alter von 24 Jahren. Die Arbeitslosenquote beläuft sich in dieser Altersgruppe auf 58 Prozent. Wegen der dramatischen Lage sind allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 15 800 Griechen nach Deutschland ausgewandert (2011: 6 900). Angaben über andere Länder liegen aus griechischen Quellen nicht vor. Die meisten Auswanderer sind hoch spezialisierte Menschen wie Ärzte, Ingenieure und Computerfachleute.

  • Einzelhandel

    Einen Einbruch erlebt der Einzelhandel. Im Zentrum Athens ist jedes dritte Geschäft geschlossen. Um fast 40 Prozent ist der Immobilienmarkt geschrumpft. Besser ist die Lage dagegen in der Exportwirtschaft. Auch der Tourismus konnte sich über Wasser halten.

  • Schulden

    Das Land sitzt nach Angaben des Finanzministeriums kurz vor Jahresende auf einem Schuldenberg von 340,6 Milliarden Euro. Das sind fast 170 Prozent der Wirtschaftsleistung – Tendenz steigend.

  • Hilfspakete

    Griechenland hat nach Angaben des Finanzministeriums in Athen bislang insgesamt 148,6 Milliarden aus den beiden Hilfspaketen (110 und 130 Milliarden Euro) erhalten (Stand November 2012). 31,5 Milliarden Euro sollten im Juni fließen, weitere fünf Milliarden im Oktober. 8,3 Milliarden Euro sind für Dezember geplant. Diese Zahlungen wurden nach langem Gezerre Ende November freigegeben. dpa

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