18.12.12

Rettungsaktion

Zypern wendet Pleite im letzten Moment ab

Aufatmen in Zypern: Die Mittelmeerinsel ist der Pleite laut Medienberichten im letzten Moment entkommen. Statt einer Geldspritze aus der Euro-Gruppe gab es eine Rettungsaktion aus dem eigenen Land.

Foto: dapd

Proteste gegen Gehaltskürzungen: Zypern erlebt turbulente Tage – und hat nun zumindest etwas Zeit gewonnen
Proteste gegen Gehaltskürzungen: Zypern erlebt turbulente Tage – und hat nun zumindest etwas Zeit gewonnen

Für die Mittelmeerinsel Zypern besteht nach Aussage der Regierung in Nikosia keine unmittelbare Pleitegefahr. "Es besteht keine Gefahr. Alles ist unter Kontrolle", sagte ein hoher Funktionär des Finanzministeriums.

In einer offiziellen Erklärung versicherte das Ministerium: "Die Regierung hat alle ihre Zahlungsverpflichtungen gedeckt." Eine Zahlungsunfähigkeit wurde in der Erklärung ausgeschlossen.

Die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit scheint deshalb gebannt, weil der Vorstand des größten Pensionsfonds der Elektrizitätsgesellschaft (AIK) am Montagabend beschlossen hatte, Nikosia 100 Millionen Euro zu leihen. Wie die zyprischen Medien berichteten, wollen sich auch die Pensionsfonds des Telekommunikationsunternehmens (CYTA) und andere kleinere Fonds anschließen, um die Finanzlücke zu überbrücken, bis Zypern Geld vom Euro-Rettungsfonds bekommt.

Am Vortag hatte der Generaldirektor des Finanzministeriums, Christos Patsalidis, im zyprischen Parlament gewarnt, wenn der Staat sich in den nächsten Tagen nicht rund 300 Millionen Euro leihen würde, werde die Regierung ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können.

Eng mit Griechenland verwoben

Zypern wird von hohen Verlusten der Banken geplagt, die eng mit griechischen Geldhäusern verbunden sind, und hat deshalb Notkredite beantragt.

Die Finanzminister der Euro-Gruppe wollen aber erst am 21. Januar weiter über den zyprischen Antrag beraten. Dann soll auch der Bericht von Experten der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Finanzlage Zyperns vorliegen. Nach bisherigen Informationen aus Brüssel und Nikosia könnten sich die Hilfen auf insgesamt 17,5 Milliarden Euro belaufen.

Neben Zypern ist auch Griechenland wieder flüssig. Das Land hat sich kurzfristig am Geldmarkt 1,3 Milliarden Euro besorgt, um Löcher in seinem Haushalt zu stopfen.

Der Zinssatz für den 13-wöchigen Kredit beträgt 4,11 Prozent nach 4,20 Prozent eines vergleichbaren Kredites am 20. November, wie die Schuldenagentur PDMA mitteilte.

Die Euro-Finanzminister hatten vergangene Woche nach monatelanger Hängepartie 49,1 Milliarden Euro an Notkrediten aus dem Rettungsfonds EFSF endgültig freigegeben. Die Gelder sollten ab Jahresende fließen. Allerdings sehen die Retter

Quelle: Reuters/dpa/lw
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Die Instrumente der Euro-Retter
  • Rückkaufprogramm

    Ein 40 Milliarden Euro umfassendes Programm zum Rückkauf griechischer Staatsanleihen wird seit 2011 diskutiert. Athen könnte dafür Geld des Euro-Rettungsschirms nutzen. Die Kurse liegen weit dem Nennwert. Nominal könnte Athen fast das Dreifache des eingesetzten Betrages an Schulden aus dem Markt nehmen. Die Rest-Schulden würden dann aber fast komplett bei öffentlichen Geldgebern liegen.

  • Zinserlass

    Die Geberländer könnten die Zinsen auf ihre bilateralen Kredite von etwa 53 Milliarden Euro reduzieren, was zu jährlichen Erleichterungen von 500 Millionen Euro für Athen führen könnte. Italien und Spanien würde dies viel kosten, da sie sich zu höheren Zinsen Geld leihen müssen. Deutschland hat bisher rund 300 Millionen Euro mit den bilateralen Krediten verdient. Neue Darlehen aus dem ESM könnten zu sehr günstigen Konditionen vergeben werden. Die Euro-Länder müssten Ausfälle kompensieren.

  • Buchgewinne

    Die Euro-Länder könnten die Gewinne ihrer Notenbanken aus dem Tausch der Griechenland-Anleihen während der Umschuldung an Athen überweisen. Die nationalen Notenbanken hatten Anleihen zum Nennwert an die EZB verkauft, damit diese die Papiere in neue Anleihen tauscht. Der Buchgewinn wurde an die Länder überwiesen.

  • Bankenhilfen

    Griechische Banken könnten direkt vom Rettungsfonds ESM gestützt werden. Dann würde der griechische Staat entlastet. Aber: ESM-Hilfen sollen nicht für Altlasten fließen und die direkte Banken-Rekapitalisierung ist noch nicht beschlossen.

  • Schuldenerlass

    Rund zwei Drittel der griechischen Schulden von etwa 340 Milliarden Euro liegen bei öffentlichen Geldgebern. Würden die Euro-Länder auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten, würde dies Deutschland knapp acht Milliarden Euro kosten. Finanzminister Schäuble lehnt den Schuldenschnitt ab.

  • Neue Hilfskredite

    Über ein drittes Rettungsprogramm – vor Monaten war von 50 Milliarden Euro die Rede – wird immer wieder spekuliert. Doch zusätzliche Kredite würden die Schuldenquote Athens noch weiter nach oben treiben.

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