18.12.12

Gutachten

Jeder Dritte fürchtet Altersarmut - zu Unrecht

Armut im Alter ist in Deutschland derzeit nach Experteneinschätzung kein generelles gesellschaftliches Problem. Das steht im Gegensatz zur Einschätzung der Bevölkerung: 38 Prozent haben Angst davor.

Foto: dapd

Das Problem der Altersarmut wird laut einem aktuellen Gutachten in Deutschland übertrieben
Das Problem der Altersarmut wird laut einem aktuellen Gutachten in Deutschland übertrieben

Die Warnungen vor einer steigenden Altersarmut sind übertrieben. Dies ist das Ergebnis eines Gutachtens, das der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin vorgelegt hat.

"Selbst bei einer ungünstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt wird der Anteil der Empfänger von Grundsicherung im Alter bis 2030 höchstens von jetzt 2,6 auf fünf Prozent steigen", sagte Studienleiter Axel Börsch-Supan. Eine Umfrage zeige aber, dass 38 Prozent der Haushalte fürchten, im Alter in die Armut abzurutschen.

Er kritisierte, dass die seit Monaten geführte Debatte über Altersarmut "diesen extremen Pessimismus ausgelöst habe, der im krassen Gegensatz zur Wirklichkeit" stehe.

"Unzureichende Erwerbsbiografien"

Der Vorsitzende des Beirats, Achim Wambach, sagte, die Absenkung des Rentenniveaus sei nicht der Hauptgrund für Altersarmut. Die Ursache geringer Rentenansprüche liege in "unzureichenden Erwerbsbiografien". Konkret führen lange Zeiten der Arbeitslosigkeit oder Erwerbsunterbrechungen zu Rentenlücken.

Auch viele kleine Selbstständige sowie geringfügig Beschäftigte erwerben keine Alterssicherung. "Solche Probleme müssen am Arbeitsmarkt angegangen werden. Es wäre falsch, an den Symptomen herumzudoktern", unterstrich Wambach mit Blick auf die Pläne der Regierung sowie der Opposition, niedrige Renten aufzustocken.

Die Koalition hat angekündigt, langfristig versicherten Geringverdienern eine "Lebensleistungsrente" knapp oberhalb der Grundsicherung im Alter zu gewähren. Börsch-Supan warnte, dass dies negative Arbeitsanreize zur Folge hätte.

Leistungseinschnitte dadurch wieder ausgeglichen

Geringverdiener würden keine Beschäftigung mehr suchen, wenn sie die erforderlichen 40 Jahre beisammenhätten. Die Studie zeigt, dass die Verlängerung der Lebensarbeitszeit höhere Rentenansprüche zur Folge hat.

Ein Großteil der Leistungseinschnitte infolge der Rentenreformen wird dadurch wieder ausgeglichen.

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