18.12.12

Troika-Bericht

Rettung Griechenlands birgt "sehr große" Risiken

Die Troika hat ihren neuen Bericht zu Griechenland veröffentlicht: Sie hält es für möglich, dass das Land seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Geld soll trotzdem fließen.

Quelle: Reuters
13.12.12 1:05 min.
In den nächsten Tagen wird Griechenland einen Teil der dringend benötigten Milliardenhilfe der Geldgeber bekommen. Nach Ansicht von Finanzminister Wolfgang Schäuble war dies ein wichtiger Schritt.

Die Rettung Griechenlands birgt nach Einschätzung der Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) "sehr große" Risiken. Es sei immer noch möglich, dass das Mittelmeerland seinen Verpflichtungen nicht nachkomme, urteilten die Gläubiger Griechenlands in einem Bericht, auf den viele Experten gespannt gewartet hatten.

Probleme bei der Umsetzung der geplanten Reformen könnten durch die brüchige Koalition, den politischen Widerstand gegen bestimmte Vorhaben sowie mögliche juristische Auseinandersetzungen entstehen.

Griechenland soll weiter Geld bekommen

Auch wenn die Privatisierungsziele bisher unzureichend erreicht worden seien, verdiene Griechenland weitere Rettungshilfen im Kampf gegen die Zahlungsunfähigkeit, bestätigte die Troika. Zugleich warnte sie in dem Bericht, dass die vorgesehenen Sparmaßnahmen im kommenden Jahr in der schwachen Wirtschaft stärkere Auswirkungen haben könnten als erwartet.

Griechenland ist bisher bereits zweimal von EU und Internationalem Währungsfonds gerettet worden. Aus dem Umkreis des griechischen Finanzministeriums verlautete, dass das Land die lange erwartete Zahlung in Höhe von 34 Milliarden Euro von seinen Gläubigern nun erhalten hat.

IWF lobt irische Reformen

Zugleich stimmte der IWF-Rat für die Überweisung von knapp 900 Millionen Euro aus dem Euro-Rettungsprogramm an Irland. Der Währungsfonds lobte die anhaltende Reformbereitschaft der Regierung in Dublin. Sie halte trotz des geringen Wachstums an ihrem Sparkurs fest, erklärte der IWF.

Irland hatte Anfang Dezember weitere Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Umfang von 3,5 Milliarden Euro beschlossen. Mit dem sechsten Sparpaket dieser Art seit 2008 will die Regierung die Staatsfinanzen so weit ordnen, dass sich das Euro-Mitgliedsland Ende 2013 vom Rettungsschirm lösen kann und keine neuen Milliardenhilfen seiner Euro-Partner braucht.

Irlands Wirtschaft wächst

Die Schieflage der heimischen Finanzbranche hatte Irland vor rund zwei Jahren als erstes Land unter den Euro-Rettungsschirm gezwungen. Das Land wird von EU, EZB und IWF mit 85 Milliarden Euro gestützt.

Irland gehört momentan zu den wenigen Euro-Ländern, dessen Wirtschaft zuletzt überhaupt wuchs. Der Dienstleistungssektor, der für 60 Prozent der irischen Wirtschaftsleistung steht, legte jüngst so stark zu wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Arbeitslosenquote sank auf 14,6 Prozent, den niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahren.

Unter Volkswirten ist dennoch strittig, ob Irland sich 2013 tatsächlich schon wieder zu hinreichend niedrigen Zinsen eigenständig über den freien Kapitalmarkt finanzieren kann.

Quelle: Reuters/cat
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So funktioniert der permanente Rettungsschirm

Die Griechen-Krise
  • Rezession

    In Griechenland hatte die Euro-Schuldenkrise ihren Anfang. Das Land war das erste, das 2010 internationale Finanzhilfe brauchte. Mehr als zweieinhalb Jahre später ist das Land immer noch von Pleite bedroht. Griechenlands Wirtschaft ist binnen fünf Jahren um mehr als 20 Prozent geschrumpft. Für 2013 wird mit einem weiteren Minus zwischen 4,2 bis 4,5 Prozent gerechnet. Die Stimmung in der Bevölkerung ist explosiv.

  • Arbeitslosigkeit

    Die Arbeitslosenquote liegt auf einem Rekordstand von 25,4 Prozent. Dramatisch ist die Lage vor allem für junge Menschen bis zum Alter von 24 Jahren. Die Arbeitslosenquote beläuft sich in dieser Altersgruppe auf 58 Prozent. Wegen der dramatischen Lage sind allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 15 800 Griechen nach Deutschland ausgewandert (2011: 6 900). Angaben über andere Länder liegen aus griechischen Quellen nicht vor. Die meisten Auswanderer sind hoch spezialisierte Menschen wie Ärzte, Ingenieure und Computerfachleute.

  • Einzelhandel

    Einen Einbruch erlebt der Einzelhandel. Im Zentrum Athens ist jedes dritte Geschäft geschlossen. Um fast 40 Prozent ist der Immobilienmarkt geschrumpft. Besser ist die Lage dagegen in der Exportwirtschaft. Auch der Tourismus konnte sich über Wasser halten.

  • Schulden

    Das Land sitzt nach Angaben des Finanzministeriums kurz vor Jahresende auf einem Schuldenberg von 340,6 Milliarden Euro. Das sind fast 170 Prozent der Wirtschaftsleistung – Tendenz steigend.

  • Hilfspakete

    Griechenland hat nach Angaben des Finanzministeriums in Athen bislang insgesamt 148,6 Milliarden aus den beiden Hilfspaketen (110 und 130 Milliarden Euro) erhalten (Stand November 2012). 31,5 Milliarden Euro sollten im Juni fließen, weitere fünf Milliarden im Oktober. 8,3 Milliarden Euro sind für Dezember geplant. Diese Zahlungen wurden nach langem Gezerre Ende November freigegeben. dpa

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