17.12.12

Beteiligung

Suzuki will Volkswagen-Beteiligung rasch loswerden

Die Japaner gehen auf Konfrontationskurs: Der Vorstand hat beschlossen, die Frist zum Rückkauf eigener Aktien zu verlängern. Bis Ende 2013 will man Großaktionär VW aus dem Unternehmen drängen.

Foto: AFP

Suzuki-Chef Osamu Suzuki (l.) würde Milliarden in die Hand nehmen um VW los zu werden
Suzuki-Chef Osamu Suzuki (l.) würde Milliarden in die Hand nehmen, um VW los zu werden

Der japanische Automobilhersteller Suzuki unternimmt einen weiteren Anlauf, um Volkswagen als Anteilseigner loswerden zu können. Der Vorstand von Suzuki hat formell beschlossen, die 19,9 Prozent der Anteile zurückzukaufen, die Volkswagen derzeit an dem japanischen Hersteller hält.

Im Protokoll der Vorstandssitzung ist vermerkt, die Rückgabe der Anteile solle "bis 10. Dezember 2013 abgeschlossen" sein. "Die Entscheidung zeigt, dass Suzuki zuversichtlich ist, alle Aktien von Volkswagen in dieser Zeit zurückzuerhalten", heißt es im Umfeld des Unternehmens.

Suzuki muss nach den eigenen Konzernregeln die Option, Aktien am eigenen Unternehmen zurückzukaufen, regelmäßig verlängern. In diesem Fall hätte ein Verzicht darauf gegenüber Volkswagen Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Doch das Management um Firmenpatriarch Osamu Suzuki hat sich entschieden, auf Konfrontationskurs zu bleiben. Mit Volkswagen sehe man keine gemeinsame Zukunft, heißt es.

Gegenseitige Vorwürfe

Die Japaner sind mit den Deutschen zerstritten und suchen seit Monaten einen Weg, Volkswagen aus dem Unternehmen zu drängen. Beide Seiten machen sich gegenseitig Vorwürfe, gegen die vertraglichen Bedingungen der Partnerschaft verstoßen zu haben. Suzuki moniert, von Volkswagen wie eine Konzern-Marke behandelt zu werden und nicht den vereinbarten Zugang zu neuester Technologie zu bekommen.

Die Wolfsburger bestreiten das vehement und kritisieren im Gegenzug, Suzuki habe den Einkauf wichtiger Komponenten nicht abgesprochen – ein Vorwurf, den wiederum die Japaner zurückweisen.

Ein Grund für Volkswagen, sich an Suzuki zu beteiligen, ist der deutliche Vorsprung der Japaner beim Bau von Kleinst- und Billigautos. Gemeinsam wollten die Wolfsburger mit bezahlbaren Fahrzeugen den indischen Markt aufrollen. Experten sehen in Indien einen der kommenden starken Automärkte.

Doch mit Ausbrechen des Zwists hat Suzuki die Zusammenarbeit gestoppt. Auf der Hauptversammlung von Suzuki Ende Juni hatte Vizepräsident Yasuhito Harayama erklärt, die Kooperationsvereinbarung mit Volkswagen sei bereits gelöst. Aus diesen Grund habe VW nicht länger das Recht, Aktien an Suzuki länger weiter zu halten. Die Beteiligung der Deutschen war unter anderem mit der gemeinsamen Zusammenarbeit begründet worden.

VW kann auf Zeit spielen

Bei VW sieht man dagegen keinen direkten Zusammenhang. "Natürlich war eine Kooperation das Ziel, aber wir können die Anteile auch als strategisches Investment halten", sagt ein VW-Manager. Denn obwohl auch bei Volkswagen die Verärgerung groß ist, denken die Wolfsburger nicht daran, ihre Anteile zu verkaufen. Es sei befremdlich, wie Suzuki mit seinem Partner und Großaktionär umgehe. Letzteres wolle und werde man bleiben.

Volkswagen kann sich Zeit lassen, denn der VW-Konzern sitzt derzeit am längeren Hebel, weil es schwierig ist, die Deutschen zu einem Verkauf ihrer Anteil zu zwingen. Um das zu erreichen, hat Suzuki ein Schiedsgerichtsverfahren in London angestrengt. Doch die Angelegenheit zieht sich hin, nach mehrmaliger Verschiebung soll es nun im Frühjahr 2013 eine erste Anhörung geben.

Den Deutschen dürfte das gar nicht so unrecht sein, denn in Wolfsburg setzt man auch darauf, Zeit zu gewinnen. Die Deutschen machen nicht den Patriarchen Osamu Suzuki für die Querelen verantwortlich, sondern Vizepräsident Yasuhito Harayama. Dem sei die Kooperation mit VW ein Dorn in Auge, heißt es. Offenbar setzt der VW-Vorstand auf neue Machtverhältnisse bei Suzuki.

Sollte es nicht dazu kommen und sich Suzuki durchsetzen, müssten die Japaner tief in die Tasche greifen: Volkswagen hatte Ende 2009 rund 1,7 Milliarden Euro für die Anteile gezahlt. "Diese Summe aufzubringen, ist kein Problem", heißt es bei Suzuki. Allerdings spüren die Japaner deutlich die Absatzflaute. Im Herbst hatten die Japaner sogar angekündigt, sich ganz von US-Markt zurückzuziehen. Dabei gilt gerade der als größter Hoffnungsträger in der Autobranche, die für 2013 Gegenwind erwartet.

Die Anleger des japanischen Konzerns haben die Entscheidung offenbar begrüßt, seit September steigt der Suzuki-Kurs konstant und liegt nun wieder auf dem Niveau des vierten Quartals 2010. Das heißt, für Volkswagen ist Suzuki seither als strategisches Investment zumindest kein Minusgeschäft.

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