Tarifeinkommen
Löhne in Frankreich steigen stärker als hierzulande
Zum fünften Mal in Folge sind die Einkommen in Frankreich stärker gestiegen als in Deutschland. Grund dafür sind die gesetzlichen Mindestlöhne, deren Anhebung auch immer deutlichen Druck auf die höheren Einkommensgruppen ausübt. Für die Franzosen bleibt am Ende ein kleines Plus beim Reallohn übrig.
Die Tarifverdienste in Frankreich sind 2008 auch wegen der deutlichen Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns zum fünften Mal in Folge schneller gestiegen als in Deutschland. Sie kletterten im Schnitt um 3,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.
In Deutschland gab es ein Plus von 2,8 Prozent. Bei einer Teuerungsrate von 2,8 in beiden Ländern blieb den Franzosen ein Reallohnplus von 0,3 Prozent. Dagegen wurden die Tariferhöhungen der deutschen Arbeitnehmer von der Inflation komplett aufgezehrt.
Seit 2004 steigen die Tariflöhne beim Nachbarn schneller als hierzulande. Ein Grund dafür ist der landesweite Mindestlohn, den die französische Regierung 2008 um 3,2 Prozent auf 8,71 Euro je Stunde und damit überdurchschnittlich anhob. "
Das strahlt positiv auf die gesamte Tarifpolitik aus", sagte der Leiter des Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Reinhard Bispinck. Durch die regelmäßige Anhebung der Lohnuntergrenze wachse der Druck auf die Arbeitgeber, auch die Verdienste von besserverdienenden Mitarbeitern anzuheben.
In Frankreich erhalten gut drei Millionen Beschäftigte den gesetzlichen Mindestlohn – das sind etwa 15 Prozent der Beschäftigten. Er wird immer zur Jahresmitte von der Regierung überprüft und der Inflationsentwicklung angepasst. Zum 1. Juli 2009 steigen die Mindestlöhne um weitere 1,3 Prozent auf 8,82 Euro. In Deutschland gibt es nur branchenspezifische Lohnuntergrenzen für fünf Bauberufen sowie für Gebäudereiniger und Briefdienstleister.
Nicht alle Tariferhöhungen kommen auch eins zu eins bei den Beschäftigten an. "Bei schwacher Konjunktur und steigenden Arbeitslosenzahlen vereinbaren viele Unternehmen mit ihren Betriebsräten, außertarifliche Leistungen zu kürzen und im Gegenzug für eine bestimmte Zeit die Arbeitsplätze zu garantieren", sagte Commerzbank-Experte Ralph Solveen.
So hätten die deutschen Arbeitgeber 2008 nicht das im Schnitt vereinbarte Lohnplus von 2,8 Prozent erhalten, sondern nur 2,4 Prozent, "weil die Unternehmen wegen der Rezession bei Sonderzahlungen und Weihnachtsgeld sparten". Für dieses Jahr erwartet die Commerzbank, dass die tatsächlich gezahlten Tariflöhne stagnieren werden.
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