15.12.12

Arbeitsmarkt

Bundesagentur für Arbeit sucht für sich Arbeit

Weil sie in Zukunft mit immer weniger Arbeitslosen rechnen, suchen Arbeitsagenturen neue Geschäftsfelder. Etwa im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Substanziell abspecken wollen sie sich nicht.

Von Flora Wisdorff
Foto: dpa

„Wir werden das Dienstleistungsangebot des Arbeitgeber-Services weiter ausbauen“, heißt es in einem Positionspapier der Bundesarbeitsagentur. Es trägt den Titel „BA 2020“
"Wir werden das Dienstleistungsangebot des Arbeitgeber-Services weiter ausbauen", heißt es in einem Positionspapier der Bundesarbeitsagentur. Es trägt den Titel "BA 2020"

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) war bisher vor allem für eines bekannt: die Betreuung und Vermittlung von Arbeitslosen. Nachdem sie sich im Zuge der Hartz-Reformen zum modernen Dienstleister entwickelt hat, steht ihr nun ein neuer tief greifender Wandel bevor: Sie will sich nun zunehmend als strategischer Berater von Unternehmen positionieren.

Angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels sinkt der Arbeitsaufwand der Agentur. Immer weniger gut qualifizierte Arbeitslose werden künftig zu BA-Kunden – weil es weniger von ihnen gibt und sie öfter auf eigene Faust einen neuen Job finden werden. Nun will die BA, so steht es in einem "Positionspapier" namens "BA 2020", das sie in der dieser Woche verbreitete, verstärkt mit den Unternehmen ins Geschäft kommen, um ihnen beim Kampf gegen den Fachkräftemangel zu helfen. ", noch arbeitgeberorientierter gestalten, (...) und uns in diesem Bereich zukünftig eindeutiger als strategischer Partner der Unternehmer positionieren", heißt es darin.

Behauptungsmechanismus der Bürokratie

Zugleich will sich die Agentur intensiver um die schwer vermittelbaren Arbeitslosen kümmern, die vom Fachkräftemangel nicht profitieren werden. Alle anderen sollen zunehmend mit "digitalen Angeboten" betreut werden – um so finanzielle Mittel für die Unternehmensberatung frei zu machen. Dabei geht es auch darum, kleine und mittlere Unternehmen dabei zu unterstützen, Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren.

Experten sehen diese neue Ausrichtung kritisch. "Das sind die immanenten Behauptungsmechanismen einer bürokratischen Institution", sagt Hilmar Schneider vom Institut zur Zukunft der Arbeit. Die Behörde suche sich präventiv neue Beschäftigungsfelder. Es sei aber fraglich, ob die Suche nach Fachkräften im Ausland zum Kerngeschäft der BA gehöre.

Auch Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung stellt die Strategie "BA 2020" in den Zusammenhang mit dem Selbsterhaltungstrieb einer Behörde. Seit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe im Jahr 2004 sei die Zahl der Arbeitslosen um knapp zwei Millionen auf 2,8 Millionen gesunken – also immerhin um 40 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter der BA stieg nach der Reform auf 119.000 im Jahr 2010 an, im September 2012 waren es dann 94.000, ein Rückgang um 20 Prozent. Bis 2015 soll die Mitarbeiterzahl immerhin auf unter 90.000 sinken.

An Verkleinern wird nicht gedacht

"Rational wäre es, wenn die BA ebenfalls kräftig schrumpfen würde", sagt Brenke. "Aber so funktionieren bürokratische Apparate nicht." Sie suchten sich vielmehr neue Aufgaben, um sich zumindest nicht verkleinern zu müssen. Wohl deswegen habe die Bundesagentur nun den Fachkräftemangel als Aufgabenfeld entdeckt und wolle Arbeitskräfte aus dem Ausland werben. "Als ob das eine Aufgabe wäre, die eine Sozialversicherung gut kann." Die BA betont in ihrem Papier schon einmal, dass sie "bestehende und funktionierende Unterstützungsstrukturen" wie die Handwerkskammern "nicht duplizieren oder ersetzen" wolle.

Die Behörde sieht sich im Recht: "Der Arbeitsmarkt wandelt sich, und wir passen uns an die neuen Rahmenbedingungen an", sagte ein Sprecherin. Der gesetzliche Auftrag der BA, für Ausgleich am Arbeitsmarkt zu sorgen, könne durchaus in dem Sinne der neuen Strategie verstanden werden.

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