15.12.12

Luxustourismus

Asiaten und Araber lieben Shopping in Deutschland

Zu Hunderttausenden strömen reiche Touristen aus aller Welt in deutsche Großstädte. Sie kaufen vor allem Luxusgüter ein.

Von Carsten Dierig
Foto: picture alliance / dpa

Deutschland gilt als Topreiseziel, um Luxusgüter einzukaufen. Vor allem Asiaten und Russen kommen zum Shopping
Deutschland gilt als Topreiseziel, um Luxusgüter einzukaufen. Vor allem Asiaten und Russen kommen zum Shopping

Große schwarze Limousinen mit russischen Kennzeichen, die auf der Friedrichstraße in Mitte oder auf dem Kurfürstendamm parken und in die Damen in schweren Pelzmäntel einsteigen. Verschleierte Frauen, die auf der Königsallee in Düsseldorf große Tüten der dortigen Juweliere tragen.

Asiatische Reisegruppen, die nach dem obligatorischen Besuch im Münchner Hofbräuhaus die Nobel-Boutiquen auf der Maximilianstraße stürmen: Deutschland gewinnt als Urlaubsziel stetig an Bedeutung – nicht nur der weltbekannten Touristenattraktionen wegen, sondern auch wegen der Möglichkeit, hier luxuriös einzukaufen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Branchenverbandes Meisterkreis, die der Berliner Morgenpost vorliegt.

Fast fünf Milliarden Euro haben Käufer aus dem Ausland in den ersten neun Monaten 2012 in den Luxusläden der deutschen Innenstädte ausgegeben. Das sind 52 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Und Clemens Pflanz, Geschäftsführer von Meisterkreis, in dem sich mittlerweile 55 Luxusmarken und Institutionen zusammengeschlossen haben, rechnet mit ähnlich hohen Zuwachsraten auch in den kommenden Jahren: "Touristen sind derzeit der große Treiber in der Branche."

Das Portemonnaie sitzt locker

Zwar haben auch die Deutschen den Luxus drei Jahre nach der großen Wirtschafts- und Finanzkrise für sich wiederentdeckt. "Kaum jemand hat noch ein schlechtes Gewissen, wenn er sich heute wieder High-End-Produkte leistet", sagt Pflanz. Das Portemonnaie der Touristen aber sitzt noch weit lockerer beim Kauf von beispielsweise teuren Uhren und Schmuck, die hierzulande fast die Hälfte der sogenannten Tax-Free-Umsätze ausmachen. Danach folgen Mode und Accessoires als zweitgrößtes Segment.

Nach den starken Zuwächsen im Touristengeschäft liegt der Auslandsanteil an den Luxuserlösen in Deutschland bei mittlerweile rund 20 Prozent. Schon mittelfristig hält Pflanz aber auch Quoten von 50 Prozent und mehr für möglich. Denn mittlerweile entdecken wohlhabende Asiaten und Araber Deutschland als Luxusreiseziel. Hinzu kommt die seit Jahren steigende Zahl von Geschäftsreisenden aus diesen Regionen. Die Bundesrepublik gilt dem Deutschen Tourismusverband zufolge schließlich als der weltweit führende Messe- und darüber hinaus als einer der wichtigsten Tagungsstandorte.

Von den vielen neuen Deutschland-Besuchern zieht es vor allem die Chinesen in die Nobelläden. Mit einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro waren sie in den ersten drei Quartalen 2012 die mit Abstand ausgabefreudigsten Gäste vor Russen, Schweizern und den Bewohnern der Vereinigten Arabischen Emirate.

"Chinesen kaufen gerne in Deutschland und Europa, weil sie dort sicher sein können, dass sie nicht in einem gefälschten Laden stehen", sagt Pflanz. Zudem seien die Luxuswaren für sie weit billiger als in der Heimat. Dem Meisterkreis-Geschäftsführer zufolge beträgt der Aufschlag im Ausland teilweise bis zu 100 Prozent. Einige Läden verkaufen daher beispielsweise nur eine Handtasche pro vorgezeigtem Reisepass.

China Hoffnungsmarkt für Luxusgüter

Ohnehin gelten Chinesen derzeit als die größten Hoffnungsträger für die Hersteller von Luxuswaren. Denn laut der Untersuchung "Luxury Goods Worldwide Market Study 2012" der Strategieberatung Bain & Company entfallen mittlerweile 25 Prozent der weltweiten Luxusumsätze auf chinesische Konsumenten. Und nur ein geringer Teil davon wird in der Volksrepublik gekauft. Bain zufolge geht allein ein Drittel der Luxusausgaben in Europa, dem unverändert größten High-End-Markt der Welt, auf das Konto von Touristen aus China.

Nachfrage gibt es genug. Und sämtliche Experten sagen voraus, dass es dabei bleibt. "Die Sorge vor einer Marktabschwächung ist unbegründet", versichert Josef Ming, Konsumgüterexperte und Partner bei Bain & Company. Davon profitieren auch etliche deutsche Firmen. Denn auch wenn den meisten Verbrauchern wohl zuvorderst internationale Marken wie Louis Vuitton, Gucci, Prada oder Burberry in den Sinn kommen, gehört die Bundesrepublik zu den weltweit wichtigsten Anbietern von Luxuswaren – vor allem durch die starke Autoindustrie mit Marken wie Porsche, Mercedes, Audi und BMW.

Auf sie entfällt der Löwenanteil der Wertschöpfung der Edelwarenanbieter in Deutschland, die die Experten von Roland Berger auf derzeit fast 50 Milliarden Euro schätzen. "Luxus ist keine Nische", meint daher Clemens Pflanz. Das Segment habe mittlerweile eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung.

Roland Berger zufolge hängen hierzulande 140.000 Arbeitsplätze an der Luxusbranche, zu der Firmen gehören wie Hugo Boss, A. Lange&Söhne, Gaggenau, Meissen, Comtesse und Leica oder Faber Castell und Bechstein. Bis 2020 könnte die Beschäftigtenzahl sogar auf über 200.000 ansteigen, schätzen die Experten. Sie halten eine Verdoppelung der Gesamtwertschöpfung auf 95 Milliarden Euro für möglich. Die Zahl der Urlauber und Geschäftsreisenden in Deutschland soll schließlich noch steigen.

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