Berliner Wirtschaft
Das große Sterben der Autohäuser hat begonnen
Nach kleinen stecken nun auch große Autohäuser in Berlin trotz Abwrackprämie in Schwierigkeiten, entlassen Personal und schließen Filialen. Manch einer sagt, der Einbruch hätte sich längst angekündigt. Nur Sportwagen verkaufen sich immer.
Von Tanja Tricarico
Die Abwrackprämie sollte die Talfahrt stoppen, sollte Autobauern und Händler in der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Sprünge helfen. Doch obwohl der Autoverkauf durch die 2500-Euro-Prämie bundesweit kräftig angekurbelt wurde, geht es dem Autohandel zunehmend schlecht – vor allem in Berlin. Umsatzeinbußen und Konkurrenzdruck machen vielen zu schaffen.
Die aktuelle Krise beschleunigt die Talfahrt einer Branche, die bereits seit Jahren anhält. "Der Automobilhandel befindet sich seit langem in Nöten", sagt Willi Dietz vom Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen. "Die Banken wollen den Händlern aufgrund der geringen Eigenkapitalquote keine Kredite mehr geben". Laut Dietz wird von den knapp 10.000 Händlern in Deutschland, bis 2015 mehr als ein Drittel vom Markt verschwinden.
In Berlin ist die Situation besonders brisant – und das große Sterben hat längst begonnen. Erst traf es nur die kleinen Händler, nun sind die großen Autohäuser dran. Beispiel eins: Nach knapp eineinhalb Jahren ist für Auto Weller Schluss in Berlin. "Die Filialen zu schließen ist eine vorbeugende Maßnahme", sagt Geschäftsführer Burkhard Weller. "Der Markt ist überlaufen, was Modelle wie Toyota und Lexus angeht", ergänzt er. In Berlin sind etwa 20 Mitarbeiter in der Filiale an der Franklinstraße von der Schließung betroffen. Am Mehringdamm in Kreuzberg verlieren 50 Mitarbeiter ihren Job.
Doch nicht nur die Mitarbeiter trifft es hart, auch für die Kunden birgt der Weller-Rückzug Ärger. Angelockt von der Abwrackprämie hatten viele einen Toyota bei Weller bestellt. Die Autos wurden übergeben, die Kfz-Briefe aber einbehalten. Die 2500 Euro müssen erst beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden. Wer diese Aufgaben bei Auto Weller jetzt übernehmen soll, ist ungewiss.
Auto Weller ist nicht der einzige unter den großen Autohändlern, der in der Krise steckt. Das niederländische Autohaus Kroymans hatte bereits im März Insolvenz angemeldet. In Berlin ist Kroymans (unter anderem Ford, Fiat, Chevrolet) mit vier Häusern vertreten, bundesweit 15 Mal in acht Städten. Da die holländische Hausbank kein Geld mehr gab, musste Insolvenz beantragt werden. "Wir stehen in Verhandlung mit einem Interessenten", sagt Insolvenzverwalter Winfried Andres.
Die Berliner Konkurrenz und die Autokrise plagen auch Heidi Hetzer, Opel-Händlerin und Chefin des gleichnamigen Berliner Traditionsunternehmens. Sie hat bereits Ende 2008 eine Filiale schließen müssen und ist aus dem Geschäft mit den amerikanischen GM-Marken wie Chevrolet ausgestiegen. Die Belegschaft schmolz von 120 auf 99 Mitarbeiter. "Wir haben uns verkleinert und vorgesorgt", sagt Hetzer. Die nächsten zwei bis drei Monate sind dennoch kritisch, denn der Schrumpfkurs kostet auch Geld. So müssen etwa Abfindungen an entlassene Mitarbeiter bezahlt werden. "Aber auf den letzten Metern gehe ich nicht baden", sagt Hetzer.
Sparen muss auch der Großhändler Koch Automobile. Der verkauft zwar im Moment mehr Skoda Fabia als zuvor, doch der Händler schaltet aus Vorsicht schon mal einen Gang runter. Eine Filiale wurde bereits geschlossen, Personal reduziert. "Wir haben alle Wachstumsprojekte gestoppt", sagt Thomas Greitzke, Vorstand der Koch-Gruppe. "Wir müssen die Kasse beisammen halten."
Thomas Lundt, Obermeister bei der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Berlin, ist sich sicher, dass die Autokrise sowieso gekommen wäre. Zu lange hätten die Hersteller mit Kampfpreisen Kunden gelockt. Er selbst hat kein Absatzproblem. Er hat sich auf Sportwagen, insbesondere Porsche, spezialisiert. Seit Februar kann er sich vor Kunden nicht retten. Sportwagen laufen auch in der Krise, sagt er.
Dass viele Autohändler aufgeben, überrascht Willi Dietz nicht. Während in diesem Jahr durch die Abwrackprämie rund 3,6 Millionen Autos bundesweit verkauft werden sollen, erwartet die Branche 2010 eine Million weniger. Davon sind besonders kleinere und mittelständische Händler betroffen.
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