14.12.12

Ostchinesisches Meer

Inselstreit droht Japan und China zu ruinieren

Die Volkswirtschaften von Japan und China sind eng miteinander verflochten. Am Sonntag wählt Japan ein neues Parlament. Während des Wahlkampfes schlagen die Japaner nationalistische Töne an.

Von Tobias Kaiser
Foto: REUTERS
Ein Boot der japanischen Küstenwache umkreist das Eiland Uotsuri, das zu der umstrittenen Inselgruppe im Ostchinesischen Meer gehört
Ein Boot der japanischen Küstenwache umkreist das Eiland Uotsuri, das zu der umstrittenen Inselgruppe im Ostchinesischen Meer gehört

Kurz vor den Parlamentswahlen in Japan ist der Streit mit China über eine Inselgruppe im ostchinesischen Meer wieder aufgeflammt. Die neuerliche Zuspitzung der Auseinandersetzung kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, denn an – vergleichsweise – markiger Rhetorik gegenüber China hatte es im Wahlkampf der vergangenen Wochen nicht gefehlt.

Dabei können sich weder China noch Japan den heftigen Streit leisten. Bereits in den vergangenen Wochen litten Unternehmen aus beiden Ländern unter dem Streit – sollte er sich zuspitzen oder stark in die Länge ziehen, wären die Folgen für beide Volkswirtschaften desaströs.

Naturkatastrophen und Weltkonjunktur machen zu schaffen

Zumal sowohl Japan als auch China gerade in schwächlicher Verfassung sind: Seit der Dreifach-Katastrophe durch das Erdbeben, den Tsunami und den Atomunfall in Fukushima im vergangenen Jahr hat es die japanische Wirtschaft nicht geschafft, wieder auf Wachstumskurs zu kommen. Und in China hat sich das rasante Wachstum zuletzt stark abgeschwächt.

Der Inselstreit hatte sich in dieser Woche erneut zugespitzt, nachdem ein Flugzeug der chinesischen Marine über die von beiden Ländern beanspruchten Inseln geflogen war. Japan warf daraufhin der chinesischen Seite am Donnerstag vor, den japanischen Luftraum verletzt zu haben und entsandte acht Kampfflugzeuge in die Region.

Beide Länder sind wirtschaftlich eng verflochten

Die Lasten einer kriegerischen Vergangenheit drohen so zu einer schweren Hypothek für die heutigen Beziehungen beider Länder zu werden: Beide Volkswirtschaften sind durch Investitionen, Beteiligungen und Handel eng verknüpft, und eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen beiden Nationen könnte die wirtschaftliche Entwicklung in beiden Ländern stark belasten.

Die Volkswirtschaften profitieren davon, dass sie sich ausgesprochen gut ergänzen: Japans hervorragende Maschinenbauer liefern die Maschinen und Anlagen, die in den chinesischen Fabriken arbeiten, und japanische Hightech-Unternehmen verkaufen den chinesischen Herstellern Chips und andere teure Hochtechnologiekomponenten. Außerdem lassen viele japanische Firmen im billigeren China produzieren. Chinesische Unternehmen profitieren dagegen vom Verkauf ihrer Produkte im wohlhabenden Nachbarland.

Breite Handelsströme zwischen den Ländern

Diese komplementären Strukturen spiegeln sich auch in den Zahlen wider: China war im vergangenen Jahr der wichtigste Handelspartner Japans, und für chinesische Unternehmen sind nur noch die USA wichtiger als Japan.

Zudem haben viele japanische Firmen in den vergangenen Jahren Fabriken in China gebaut: Aus keinem anderen Land flossen mehr Direktinvestitionen nach China, und japanische Firmen beschäftigen dort direkt und indirekt zehn Millionen Menschen.

Streit um Inselgruppe belastet Beziehungen

Der Streit um die Inselgruppe hat die wirtschaftlichen Beziehungen zuletzt allerdings stark belastet. Die Fernsehbilder von anti-japanischen Demonstrationen in China gingen um die Welt. Geschäfte japanisch-stämmiger Besitzer wurden geplündert, die Fabriken japanischer Konzerne schlossen, und viele chinesische Verbraucher folgten den Aufrufen, japanische Produkte zu boykottieren.

Dementsprechend brach der Handel zwischen beiden Ländern ein: Die japanischen Exporte nach China sanken bis September um mehr als 14 Prozent gegenüber dem September 2011. Besonders hart traf es die Autofirmen; der Absatz von Toyota halbierte sich im September.

Japan droht eine Rezession, sollte der Streit dauern

"Der Streit mit China sollte aus japanischer Sicht rasch beendet werden, da sonst eine Rezession droht, die länger als zwei Quartale anhält", warnt denn auch Rudolf Besch, Japan-Experte bei der Dekabank. Entscheidend sei aber nicht nur, dass sich die Regierungen in Peking und Tokio verständigen, sagt Besch: "Genauso wichtig ist es, chinesische Verbraucher davon zu überzeugen, japanische Güter zu kaufen."

Auch Michael Woodford glaubt, dass der Konflikt beiden Ländern schadet. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Olympus ist durch seine Zeit beim Kamerahersteller ein Kenner der japanischen Wirtschaft. Er fürchtet, dass der Konflikt sich noch verschärfen könnte: "Japan und China haben ein gemeinsames, wirtschaftliches Interesse, den Konflikt so schnell wie möglich zu lösen.

Aber ich bin mir nicht sicher, ob diese rationalen Gründe gewinnen werden", sagt der Brite. "Es gibt keine Sympathie zwischen Japan und China. Es wird immer Spannungen und Feindschaft in dieser Beziehung geben. Deswegen sollte die Welt sich nicht zu sehr darauf verlassen, dass China und Japan sich einig werden. Menschen machen Fehler und es gibt immer ein Risiko, dass die Lage eskaliert. Wenn das passiert, könnte das Ergebnis Furcht einflößend sein."

Quelle: Mitarbeit: Tina Kaiser
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